Schlagwort-Archive: Entwicklungsschub bei Fünfjähriger

Angepasst. Nicht.

Das Töchterchen hat derzeit, wie ich in einem vorherigen Blogeintrag bereits erwähnt habe, etwa einmal täglich einen richtig heftigen Wutanfall, wärend dessen man nicht mit Ansprache an sie heran kommt, und am besten alles aus ihrer Griffweite schafft, womit sie sich selbst oder jemand anderes verletzen könnte.

Es dauert schon mal eine Stunde, bis sie sich beruhigt hat und man wieder normal mit ihr reden kann.

Natürlich macht das keinem von uns Spaß, daher haben Kerl und ich uns überlegt, ob es vielleicht etwas bringt, wenn wir den Verlauf des Abends etwas variieren. Es wird sonst einfach zu spät, bis die Kinder im Bett sind.

Also putzt das Mädel direkt nach dem Abendessen die Zähne, und danach erst wird das weitere Abendprogramm gestartet. Das verlief vorgestern auch recht unproblematisch, allerdings kam die Rechnung tags drauf am Mittag, als ich sie vom Kiga abholen wollte.

Wenn das Wetter schön ist, dürfen die halb-zwei-Uhr-Kinder mittags draußen vespern. So auch meine beiden. Als ich durch den Garten gehe, kommt mir schon mit den Worten „die ist heute unmöglich, ich weiß nicht was mit ihr los ist“ eine total entnervte Erzieherin von Sohnis Gruppe entgegen, an der Hand mehr oder weniger hinter sich herziehend: das bockende Töchterchen.  Als sie mich erblickt, stürmt sie auf mich zu und stürzt sich in meine Arme, als wäre sie eben nur knapp dem Grauen entkommen. Ich denk mir nur: gut, das kann ja lustig werden, und so kommt es dann auch.

Tochter folgt mir erst mal, nicht wirklich begeistert, aber immerhin: sie folgt. Doch sie möchte noch Sprudel trinken. Die Becher sind aber gerade abgewaschen, und so vertröste ich sie auf zuhause. Und das ist dann der Funken, den es braucht, um das wandelnde Pulverfass explodieren zu lassen.

Das Gewitter bricht los, ich schnappe mir das Kind samt Hausschuhen, die sie noch trägt, und bitte ihren Bruder, ihren Rucksack zu tragen. Unter verständnislosen Blicken trage ich die brüllende und sich in meinem Griff windende Tochter aus der Kita in Richtung Parkplatz. Unterwegs trage ich noch zur Belustigung eines befreundeten Papas bei, der dort wohnt, gerade zufällig auf dem Balkon steht und das Schauspiel beobachten kann.

Als nächstes sollte ich das Kind irgendwie ins Auto bekommen. Wer schon mal versucht hat, eine sich wehrende Katze in einen Transportkorb zu bekommen, dürfte eine Ahnung haben, dass geschätzte 20 kg Berserker nicht zu unterschätzen sind. Sie tritt und schlägt um sich und versucht außerdem, mich zu kratzen und zu zwicken. Aus Sorge, sie könnte ihren Zorn gegen ihren Bruder richten, schaffe ich seinen Kindersitz nach vorne.

Anschnallen is nich wie ich zu meinem Unmut feststelle, also starte ich erst einmal das Auto. Man lese und staune, das Kind tobt zwar, aber in ihrem Zorn merkt sie, dass Autofahren ohne angeschnallt zu sein irgendwie nicht so ganz richtig ist, und verlangt lautstark, angeschnallt zu werden. Also schnalle ich das Kind an. Ich werde während der Fahrt beschimpft [du bist hässlich, dein Auto ist hässlich, dein Computer ist hässlich, alle deine Sachen sind hässlich, ich hasse dich, ich mache nie wieder etwas mit dir, und ich steige auch nie wieder in dein Auto ein], und außerdem verlangt sie immer wieder lautstark nach Papa [wir erinnern uns, sie will immer das, was gerade garantiert absolut unmöglich ist] aber das kennt man ja; außerdem weiß ich, dass ihr diese Wutausbrüche später immer ganz fürchterlich unangenehm sind.

Zuhause angekommen stellt sie fest, dass sie eigentlich null Bock hat jetzt erst mal im Kinderzimmer zu sitzen, und hängt sich schluchzend an meine Hand.

Wie schön, dass sie sich jedes Mal wieder beruhigt. Irgendwann.

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Berzwerkerin. Mein kleines, großes Mädchen.

Momentan dreht sich hier viel um Sohnemann. Das merkt natürlich auch das Töchterchen. Und, um ehrlich zu sein, es passt ihr erwartungsgemäß überhaupt nicht in den Kram.

Sohni macht einen Schwimmkurs. Töchterchen findet das toll und will auch, so wie sie alles, was ihr Bruder macht, erst mal toll findet und auch will. Das Spielchen hab ich zweimal mitgespielt, als es darum ging dass sie auch Taekwondo anfangen wollte, allerdings hat sie es sich zweimal wieder „anders überlegt“ bzw. hatte dann Angst vorm Trainer und den vielen fremden Kindern, so dass ich beschloss, es wieder zu beenden.

Nun, mit dem Schwimmkurs entwickelt es sich ganz ähnlich, natürlich will sie auch mitmachen. Allerdings kenne ich meine Pappenheimer, und weiß genau, wenn ich sie auch dort angemeldet hätte, dürfte ich zweimal Kursgebühren zahlen und hätte am Ende zwei Kinder, die immer noch nicht schwimmen können, weil sie während der Schwimmstunde viel zu sehr damit beschäftigt waren, sich gegenseitig aufzustacheln und den Unterricht zu stören. Deshalb macht Töchterchen eben nächstes Jahr ihren Schwimmkurs. Reicht ja.

Ansonsten macht sie derzeit einen gewaltigen Entwicklungsschub durch. Und wir mit ihr. Vor wenigen Wochen wurde sie sich der Endlichkeit allen Lebens bewusst. Sprich, wenn alle Menschen und alle Tiere sterben, dann bedeutet das in weiterer Konsequenz, dass Papa und Mama auch mal sterben, und sie selbst auch. Das macht ihr schwer zu schaffen. Ferner stellt sie Fragen zum Kinderkriegen [beim Machen sind wir noch nicht angelangt, aber bis dahin dürfte es nicht mehr allzu lang dauern] und allerlei anderer „Erwachsenenthemen“.

Das ist natürlich ganz schön viel auf einmal, wenn man sich plötzlich darüber klar wird, dass man selbst irgendwann einmal sterben muss. Dazu kommt, dass ihr Bruder sehr viel Aufmerksamkeit bekommt [was sich allerdings mit den Medis spürbar gebessert hat, da ich mittlerweile nicht ständig meine ganze Aufmerksamkeit auf ihn richten muss], und es kotzt sie nach wie vor mächtig an, dass sie die Kleinere von beiden ist. So fragte sie mich vor einiger Zeit erbost, warum eigentlich nicht sie „zuerst geboren werden durfte weil sie will nicht immer die Kleinere sein“. Tja. Klarer Fall von dumm gelaufen. Ich versuchte es ihr zu erklären, ich glaube sie hat es auch soweit verstanden, aber es käst sie trotzdem an.

Und so haben wir momentan tägliches Drama, wovon sich der Hauptteil – natürlich, wann sonst – abends abspielt, vorzugsweise vor dem Zähneputzen. Da wird das Kind zum Berserker, und geht auf wirklich alles los, was sich ihr in den Weg stellt. Da muss man schon mal das Kind in die Zange nehmen um es davon abzuhalten, das Kinderzimmer zu verwüsten, oder wahlweise sich selbst oder einen von uns zu verletzen. Berserker eben. Und genauso plötzlich wie es kam ist das Gewitter dann irgendwann wieder vorüber, und das Kind ist wieder ansprechbar.

Ich liebe sie.