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Schuljahr geschafft die Zweite

Wie angekündigt nun die aktuellsten Entwicklungen zum Sohnemann.

Vor einigen Wochen hatte er nämlich noch einen Termin in der Klinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie, übrigens beim selben Arzt wie meine Tochter, als ich mit ihr dort vorstellig wurde.
Auch wenn ich mich damals von jenem Arzt nicht sonderlich ernst genommen fühlte, so nahm ich mir seinen Rat dennoch zu Herzen und versuchte zu ändern, was im Rahmen meiner Möglichkeiten lag. Eine Privatschule gehörte bis dato leider nicht dazu, doch wer weiß, vielleicht kriegen wir das ja auch noch hin.
Immerhin trugen die bisher durchgeführten Veränderungen bereits Früchte und schon allein deshalb bin ich mir sicher, dass wir mit ihr auf einem guten Weg sind. Doch zurück zum Sohnemann.

Zuerst einmal war der Sohnemann beim Gespräch mit besagtem Arzt nicht wirklich zugänglich. Er zappelte unablässig, sah den Arzt kaum einmal an und war nicht fähig, auch nur eine der gestellten Fragen sinnvoll und zusammenhängend zu beantworten. Er war einsilbig und stellenweise fast völlig geistesabwesend.
Der Arzt stellte ihm verschiedene Fragen über Schule, Familie, Wohnsituation, Freunde und Hobbies bzw. Interessen. Ihm wurde schnell klar, dass der Sohn tatsächlich einige größere Baustellen hat, woraufhin er ihn bat, einige Sätze auf einem Blatt Papier zu vervollständigen, und ihn hierfür nach draußen schickte.

Als der Sohn draußen war fragte mich der Arzt, ob eigentlich von einem der bisherigen Ärzte jemals der Verdacht auf Asperger-Syndrom ausgesprochen worden war. Ich verneinte, gab allerdings zu Bedenken dass die Lehrkräfte vom Sohn angeregt hätten, diesem Verdacht nachzugehen, da er doch einige der typischen Anzeichen wie bspw. mangelnde Flexibilität bzw. das Beharren auf fest durchstrukturierte Abläufe, ausgeprägte Spezialinteressen sowie motorische und soziale Eigenheiten aufweist.

Also gab er mir zwei Fragebögen für die Diagnostik meines Sohnes mit, einen werde ich wohl gemeisam mit meinem Partner ausfüllen, den anderen gebe ich entweder dem leiblichen Vater oder Sohnemanns Lehrkräften zum Ausfüllen mit.

So viel zum Thema Kinderzentrum, nun will ich noch kurz auf Sohnemanns schulische Leistungen und seine sonstige Entwicklung eingehen.

Wieder einmal hat er ein sehr gutes Zeugnis mit nach Hause gebracht, und wieder einmal hat er eine Eins in Mathe, in Deutsch eine Zwei und sogar sein Schriftbild sowie sein Verhalten während des Unterrichts haben sich während des vergangenen Schuljahres verbessert. Dennoch ist er von einer Rückschulung noch weit entfernt. Falls er überhaupt jemals so weit sein sollte, eine Regelschule zu besuchen.

Gegen Ende des Schuljahres gab es einen Wechsel beim Taxiunternehmen; Sohnemann hat nun einen anderen Fahrer. Soweit alles im Rahmen des Erträglichen, es gibt allerdings drei andere Jungs, die den Sohnemann regelmäßig triezen und ihn regelrecht mobben. Es fing an mit systematischem Heischen nach Sohnemanns Aufmerksamkeit und ging bis zu Verhohnepiepeln seines bzw. unseres Nachnamens [welcher sich hierfür leider ausgezeichnet eignet -.-*]. Diese Sache mit dem Nachnamen ist für mich unglaublich triggernd, da ich selbst exakt dieselbe Sch***e auch während meiner gesamten Schulzeit mitmachen durfte.

Das Mobbing ging so weit, dass Sohni eines Abends am Esstisch saß und meinte, er wolle nie wieder ins Taxi steigen und ob ich ihn in die Schule fahren und auch wieder von dort abholen könne.  Natürlich hakten wir nach und so erfuhren wir, dass Sohni in der Schule von einem Rädelsführer und zwei Mitläuferm regelmäßig gemobbt wurde, woraufhin ich am folgenden Tag in der Schule stand und die Leiterin für Jugendhilfe um ein Gespräch bat.

Ich erklärte ihr die vom Sohn geschilderten Ereignisse woraufhin sie zusagte, den besagten Jungen sowie dessen Eltern ebenfalls zum Gespräch zu bitten.

Nun sind endlich Ferien und einen Lichtblick gibt es für das kommende Schuljahr: Zumindest der Rädelsführer wechselt die Schule und ich vermute und hoffe, dass sich das Mobbingproblem hiermit für uns erledigt haben dürfte.

Zuhause ist alles mehr oder weniger beim Alten; Sohnemann und Tochter sind wie typische Geschwister [Pack schlägt sich, Pack verträgt sich würde meine Oma jetzt sagen] und auch sonst gibt sich der Sohnemann große Mühe, auch wenn er immer noch deutliche Schwierigkeiten beim grundsätzlichen Einhalten von Regeln hat, und auch so manche Umgangsformen und das Einhalten seiner eigenen Zusagen und Versprechen sind für ihn unglaublich schwer, besonders wenn es um Spiele geht, die seine Schwester mit ihm spielen möchte und die nichts mit Kampf oder Panzern zu tun haben. Schrieb ich vorhin nicht etwas von Spezialinteressen? Genau, das wären sie dann. Panzer und Kämpfe aller Art, er kann stundenlang Gefechte durchführen, natürlich inklusive verschiedener Strategien, er baut sich allerlei Einheiten aus Lego zusammen, hauptsächlich Raumschiffe, Raketenstellungen, Raumjäger und-was-weiß-ich-was-noch-alles.
Hin und wieder spielt das Miniweib mal mit, dann müssen aber unbedingt alle Spielregeln [natürlich vom Sohnemann] festgelegt werden, eine zeitlang geht das gut, aber sie besteht natürlich darauf dass irgendwann auch mal sie entscheiden darf, was wie gespielt wird. Und regelmäßig lässt der Sohn sie hängen. Natürlich gibts dann Zank, das Eine Wort führt zum Nächsten und schon – Eltern von Geschwistern kennen das – haben wir das größte Theater hier.

Der ganz normale Wahnsinn eben.

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