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Ist Ritalin eine Droge?
– Um diese Frage vorab zu beantworten: Nein. Ritalin ist keine Droge.

Was ist es dann?
– Der Wirkstoff heißt Methylphenidat [kurz MPH] und ist ein Amphetamin-Derivat.

Ein Derivat? Was ist der Unterschied zwischen einem Amphetamin und einem Amphetamin-Derivat?
– Als Derivat (von lateinisch derivare „ableiten“) wird in der Chemie ein abgeleiteter Stoff ähnlicher Struktur zu einer entsprechenden Grundsubstanz (Stammverbindung) bezeichnet. Derivate sind Stoffe, deren Moleküle an Stelle eines H-Atoms oder einer funktionellen Gruppe ein anderes Atom oder eine andere Atomgruppe besitzen bzw. bei denen ein oder mehrere Atome/Atomgruppen entfernt wurden. Derivate einer Stammverbindung haben meist deutlich verschiedene chemische und physikalische Eigenschaften im Vergleich zu der Stammverbindung. [Quelle: Wikipedia]

Wenn es keine Droge ist, macht es dann überhaupt süchtig?
– Nein. Es löst keinen „Kick“ aus und ist somit nicht suchterzeugend.

Was macht es  dann?
– Methylphenidat wirkt anregend und aufregend (psychoanaleptisch). Es unterdrückt Müdigkeit und Hemmungen und steigert kurzfristig die körperliche Leistungsfähigkeit. Normalerweise bei körperlicher Überlastung auftretende Warnsignale wie Schmerz und Erschöpfungsgefühl werden vermindert. Methylphenidat hemmt den Appetit. [Quelle: Wikipedia]
Vereinfacht ausgedrückt reguliert es bei ADHS-Betroffenen die Kommunikation der Hirnzellen; so verbessert und verlängert es deren Konzentrationsfähigkeit.

Es ist also harmlos?
– Es ist nicht „harmlos“. Tatsache ist, es greift in den Hirnstoffwechsel ein um – in schweren Fällen – ein normales Leben zu ermöglichen. MPH wird nach etwa vier Stunden vollständig abgebaut und der ADHS-Betroffene ist wieder „ganz der Alte“.

Es unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Warum das?
– Wegen seiner chemischen Zusammensetzung und der Ähnlichkeit mit Amphetaminen.

Und was ist mit den Nebenwirkungen?
– Einschlafstörungen und Appetitlosigkeit sind häufige Nebenwirkungen. Hier wird normalerweise ab einer gewissen Schwere der Nebenwirkungen das Medikament gewechselt.

Tragen Kinder, die mit MPH behandelt wurden/werden, Langzeitschäden davon? Man hört doch so viel…
– Natürlich gibt es hierzu – wenn überhaupt – viel zu wenige Langzeitstudien, die belegen, ob und wenn ja welche Langzeitschäden durch MPH verursacht werden. Mir ist jedoch nichts bekannt von Langzeitschäden, die von seriösen Instituten bestätigt wurden. Alternativ-„Mediziner“ [und solche, die gern Mediziner wären], Esoterik-Literatur sowie Massenmedien lasse ich hier bewusst außen vor.

Was hat ADHS mit Esoterik zu tun?
– Meiner Meinung nach nichts. Ich halte sowieso Esoteriker für die größeren Lügner als Schulmediziner, auch wenn ich hie und da gerne glauben würde, was sie als „Wissen“ zu verkaufen versuchen. Aber das ist ein anderes Thema. Laut Esoterikern ist ADHS nichts als eine Erfindung der Pharmaindustrie, um 1) dem „kleinen Mann“ das Geld aus der Tasche zu ziehen und 2) für die Gesellschaft „voll funktionstüchtige Marionetten“ zu züchten. (Übrigens gibt es laut gewissen Esoterik-Kreisen, welche sich intensiv mit Verschwörungstheorien auseinandersetzen, auch die Krankheit „Aids“ nicht, Impfungen extieren einzig um die Erdbevölkerung zu dezimieren [das ginge auch einfacher, meint ihr nicht?], ADHS-Kinder sind in Wirklichkeit sogenannte „Kristallkinder“ deren Sinneswahrnehmung auf einer höheren Ebene stattfindet. Achja, und 9/11 war ein Inside Job. Noch Fragen?)

Warum herrscht weitläufig die Meinung, Ritalin sei eine Droge?
– Einseitige, schlecht recherchierte Berichterstattung der Massenmedien. Traurig aber wahr: sie haben die Macht.

Und was ist mit Ritalin-Missbrauch?
– Tatsächlich steigert Ritalin die [kognitive] Leistungsfähigkeit ebenso bei Personen, die nicht von ADHS betroffen sind. Allerdings – wie schon weiter oben erwähnt – unterliegt das Medikament dem Betäubungsmittelgesetz und die Verschreibungskriterien sind entsprechend streng geregelt. Eine Person, die nicht nachweislich von ADHS [oder einer Krankheit, welche ebenfalls mit Ritalin behandelt werden muss] betroffen ist, kommt schlicht nicht an das Präparat heran. Zumindest nicht in Deutschland. Und zu den Ausnahmefällen sei Folgendes gesagt: Es wird immer Menschen geben, die ein Schlupfloch finden, um an verschreibungspflichtige Medikamente heranzukommen. Dies sind jedoch einige wenige Ausnahmen und bei weitem nicht die Regel.
Was die gesundheitlichen Schäden angeht: Bei Missbrauch wird oftmals die empfohlene Maximaldosis um ein Vielfaches überschritten. Auf die Gefahren von Medikamentenmissbrauch bzw. Überdosierung [und zwar egal welche Art von Medikament] muss ich an dieser Stelle wohl nicht  extra hinweisen.

Eine Frage noch: Was ist mit den so gerne genannten „Ritalin-Zombies“?
– Mir ist noch keiner begegnet. Und die wenigsten, die diese Bezeichnung verwenden, haben tatsächlich schon mal einen gesehen. Bei Überdosierung macht MPH tatsächlich müde und gleichgültig. Dann muss die Dosis verringert werden, und schon ist das Kind wieder quietsch-fidel. Das Problem ist, dass keiner von den ich sag mal vorsichtig „funktionierenden“ ADHS-Betroffenen seine Besonderheit auf die Stirn tättowiert hat. Somit bemerkt keiner, in wie vielen Fällen Ritalin bzw. MPH gut vertragen wird und dem betroffenen Menschen tatsächlich dabei hilft, sein Leben zu meistern.

Abschließend sei gesagt: Es liegt natürlich immer an den Eltern, abzuwägen, was das kleinere Übel ist. Dem Kind mithilfe von MPH zumindest die Chance auf ein normales Leben zu geben, und die Nebenwirkungen und die vielleicht auftretenden Späterscheinungen in Kauf zu nehmen. Oder aber alles zu lassen wie es ist und dabei mit großer Wahrscheinlichkeit dem Kind die Möglichkeit auf Entfaltung seines Potentials zu verwehren.

9 Gedanken zu “readme.txt

  1. Zu den Langzeitfolgen:
    MPH wird seit ca. einem starken Jahrzehnt in der ADHS-Therapie eingesetzt, wird aber bereits seit 60 Jahren in Deutschland angeboten.
    Es gibt keine expliziten Langzeitstudien, jedenfalls keine über richtig lange Zeiträume.
    Andererseits gibt es aber auch keinerlei Hinweise auf Langzeitfolgen – was bei einem Mittel, das seit 60 Jahren auf dem markt ist, durchaus einen Aussagewert hat.

    Im Klagefreudigen Amerika gab es widerholt versuche von besorgten oder interessierten Kreisen, entsprechende Prozesse anzustrengen.
    Erst vor kurzem hat sich wieder ein derartiges Klagekartell noch vor der Klageerhebung wieder zurückgezogen – sprich: man hat für sich geprüft, ob eine Klage aussichtsreich sein könnte, und hat erkannt, dass es schlicht nichts gibt, auf das man eine Klage stützen könnte.

    1. Und alle anderen, die irgendwelche pseudowissenschaftliche „Studien“ veröffentlichen, wollen sich an der Unsicherheit der Eltern unterm Strich nur selbst bereichern. Und auf wessen Kosten geht das alles?
      Zum Kotzen.

  2. Tscha –
    Hüther und Co will vor allem seine Bücher, Seminare und sonstigen Veranstaltungen verkaufen.
    Ansonsten kann man verschiedene Namen im Zusammenhang mit „Ritalinkritik“ gut nachgoogeln und stößt dabei immer wieder auf Scientology.

    Interessant.
    Was hat eine Sekte wie Scientology nur gegen ein Medikament, dass besonders verführbare (nicht unbedingt führbar, aber verführbar) junge Menschen zu mehr eigenverantwortlichkeit befähigt?

  3. „mit großer Wahrscheinlichkeit dem Kind die Möglichkeit auf Entfaltung seines Potentials zu verwehren.“

    Wenn das ja nur das einzige und größte Problem wäre.

    Aber schauen wir doch mal genauer hin:

    * höheres Unfallrisiko
    * höheres Risiko durch Selbstmedikation mit Nikotin, Alkohol und illegalen Drogen suchtkrank zu werden
    * höheres Risiko wegen dem kleinen Problem mit der Impulskontrolle und teils gefahrsuchendem Verhalten mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen
    * eine sehr hohe Gefahr an komorbiden Störungen zu erkranken, wie Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Essstörungen, soziale Phobien.
    * finanzielle Einbußen lebenslang – verschlampte Rechnungen/Steuererklärungen, verpasste Termine etc. kosten auf Dauer ein kleines Einfamilienhaus

    und so weiter

    1. Ja. Ich habe mich kurz gefasst, aber ich glaube du hast Recht. Ich werde die Langzeitfolgen einer unbehandelten ADHS nochmal ausführlich in einer separaten Seite behandeln. 🙂

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