Archiv der Kategorie: Michi

2015 – Zeit für ein Resümee

Schon seit einigen Wochen nehme ich mir vor, wieder einmal einen Blogeintrag zu schreiben. Doch ich konnte mich nicht dazu aufraffen, mich endlich wieder vor mein Notebook zu setzen. Bis heute.

Vielleicht liegt es daran, dass heute der Geburtstag meines Vaters wäre und ich deshalb dazu neige, ins Melancholische abzudriften. Vielleicht auch weil sich in den letzten ein, zwei Wochen so Einiges getan hat und ich nicht zuletzt deshalb neuen Mut für die Zukunft schöpfe.

Das Jahr 2015 war enorm ereignisreich für mich. Ohne jetzt das gesamte Jahr aufdröseln zu wollen möchte ich doch die wichtigsten oder einschneidendsten Ereignisse herauspicken und kurz darauf eingehen.

Ein ganz großes Thema ist hier nach wie vor ADHS. Seit es bei meinem Sohn diagnostiziert wurde gab es eine innere Stimme, die mich immer mehr dazu drängte, bei mir selbst ebenfalls eine Diagnostik durchführen zu lassen. Das Ergebnis – welch Überraschung – war positiv und seit einigen Monaten nehme ich Medikamente, die mir hauptsächlich im Hinblick auf meine Reizfilterschwäche und den „inneren Druckkessel“ eine enorme Hilfe im Alltag sind.

Bei der Tochter ist das Thema noch in der Schwebe, doch ich hoffe das ändert sich bald. Für Januar habe ich mir vorgenommen, meinen eigenen Facharzt nochmals wegen einem Termin für sie zu kontaktieren.
Ich gebe mir im Alltag große Mühe, sie zu unterstützen und für sie da zu sein doch ich befürchte, das allein könnte nicht genügen. Es ist nicht immer ganz einfach mit ihr, zumal sie ja „meine“ Tochter ist. Das bedeutet, sie kommt in nicht wenigen Bereichen nach mir, sprich: Sie ist freundlich, ehrgeizig, intelligent, kreativ, nachdenklich und hypersensibel. Und außerdem ein ziemlicher Hitzkopf. Was den Schulstoff angeht ist sie extrem fit [und ebenso schnell gelangweilt] nur eben das Zwischenmenschliche macht ihr erhebliche Schwierigkeiten. Willkommen in meiner Welt, mein Kind.

Der Sohn hat sich prächtig entwickelt, erst kürzlich hatte ich ein Elterngespräch mit seiner Sozialpädagogin in der E-Schule. Sie meinte, man würde schon merken dass er älter geworden sei. Derzeit sei das Thema Mobbing in seiner Klasse aktuell, und nicht nur dass er sich an solchen Aktionen nicht beteilige, er helfe auch mal einem Schwächeren und sei darauf bedacht, dass die Dinge vor den Lehrern auch so dargestellt würden, wie sie sich zugetragen haben. Und dass die Schuldigen ihre Konsequenz bekämen. Ungeachtet der Gefahr, dafür von ihnen ausgeschlossen zu werden. Er stehe für sich und seine Meinung ein und ließe sich nicht so ohne Weiteres einschüchtern.
Außerdem, meinte sie, dürfe er nach den Ferien wieder einige Stunden in der Woche in die Außenklasse sitzen. Man könne darüber nachdenken, ihn langsam auf eine Rückschulung vorzubereiten, denn je früher er mit der Welt „da draußen“ konfrontiert würde, desto leichter fiele es ihm, sich dort zurecht zu finden.

Soviel zu den Kindern, nun kurz etwas weniger Erfreuliches: Gegen Ende der ersten Jahreshälfte wurde mir – wieder einmal – sehr schmerzlich vor Augen geführt, warum ich von Dingen wie Freundschaft bisher die Finger ließ. Und warum ich es künftig auch wieder tun werde: Wann immer ich mir sicher bin, im Hinblick auf Falschheit bei anderen Menschen schon alles erlebt zu haben, dann kommt ein Mensch daher und setzt dem Ganzen noch die Krone auf.
Leichtsinnigerweise habe ich mich auf – zumindest glaubte ich das – eine Freundschaft zu einem alten Bekannten eingelassen der, wie sich einige Zeit später herausstellte, die ganze Zeit nichts anderes im Sinn hatte als meinen Lieblingsmenschen und mich auseinander zu bringen, oder zumindest einen Keil zwischen uns zu treiben.
Ich habe eine lange Zeit gebraucht, um diesen Vertrauensbruch zu verarbeiten. Mittlerweile bin ich weitestgehend darüber hinweg, doch ob ich mich in den nächsten Jahren wieder auf etwas einlassen kann – oder will – das über „flüchtige Bekanntschaft“ hinausgeht, das wage ich stark zu bezweifeln. Ohnehin neige ich eher zum Eigenbrötlertum; Die einzigen Menschen, die mir wichtig sind, gehören zu meiner Familie.

Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: Familie. Man sagt ja, wenn sich die eine Tür schließt, öffnet sich eine Andere. So auch diesmal: Mein jüngerer Bruder und ich… wie soll ich das sagen… wir haben uns versöhnt.
Wir erinnern uns: Nachdem ich vor ein paar Jahren einen ziemlichen Bock geschossen hatte und seitdem – verständlicherweise – Funkstille herrschte, kam es ebenfalls gegen Mitte des Jahres zu einer vorsichtigen Annäherung und einige Zeit später führten wir ein laaaanges Gespräch. Seitdem ist es wieder – ich will nicht sagen wie vorher, weil das ist es nicht – aber es ist wieder gut zwischen uns. Vielleicht sogar besser als vorher. Natürlich ist auch jetzt nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen, aber wir sind beide älter [und vernünftiger] geworden. Es ist jetzt… wie sag ich das… ausgeglichener. Wir sind auf Augenhöhe. Und: Ich habe gelernt, loszulassen. Diese Angelegenheit war schon so etwas wie eine Lektion für mich. Dinge, die ich nicht ändern kann und Menschen, die nur das Schlechte in mir sehen wollen, die muss ich loslassen. Sonst reibe ich mich daran auf.
Nochmal Thema Familie, und nochmal ein Bruder, diesmal einer der beiden Älteren: auch hier kam es im vergangenen Jahr zu einer Annäherung. Als Kinder hatten wir nie auch nur den Ansatz des sprichwörtlichen Drahtes zueinander. Es sah einfach so aus: wir konnten uns nicht ausstehen. Meine gesamte Familie ist enorm kompliziert; Mein älterer Bruder und ich waren – zumindest erweckt es auf mich heute diesen Eindruck – damals möglicherweise so etwas wie ein Ventil für einen großen Teil der damaligen Probleme in unserer Familie.
Doch ohne jetzt näher darauf eingehen zu wollen: wir haben jetzt irgendwie doch eine Art Draht zueinander geknüpft, vielleicht war er auch die ganze Zeit da und wir hatten wegen dem Riesenberg Sch***e, der zwischen uns stand, einfach keinen Zugriff darauf, was weiß ich. Jedenfalls bin ich froh und dankbar dafür, dass es sich in diese Richtung entwickelt hat.

Nun zu meinem Lieblingsmenschen. Ich hätte es niemals für möglich gehalten. Dass ich auf meine alten Tage *hust* nochmal sagen würde: Ich hab den Richtigen gefunden.
Natürlich gibt es für nichts im Leben eine Garantie. Eine Beziehung ist Arbeit; Arbeit an sich selbst und ein ständiges Aufeinander-Zu-Gehen, Kompromisse finden, den anderen wertschätzen. Es fühlt sich unglaublich gut an, jemanden an der Seite zu haben, mit dem man wirklich über alles reden kann, ohne dafür verurteilt zu werden.
Wir sind jetzt sechseinhalb Jahre zusammen. Einmal kriselte es so heftig dass wir beide nicht wussten, ob wir die Kurve nochmal kriegen würden. Doch unsere Beziehung hat keinen bleibenden Schaden davongetragen, im Gegenteil: Wir stehen uns näher als jemals zuvor, meine ADHS-Diagnose [und damit einhergehend die Tatsache, dass ich mich selbst viel besser kennengelernt habe und nun auch viel besser auf mich selbst acht geben kann] hat einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen.
Doch ich will nicht zuviel verraten, jetzt schauen wir mal was das nächste halbe Jahr bringt und wer weiß… wer weiß, was ich dann zu erzählen habe.

In diesem Sinne: Euch allen ein gutes Neues Jahr und auf dass ihr es schafft, eure Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Nun zum Abschluss noch was zum Schmunzeln, nämlich: Rhetorische Kunstgriffe for Beginners, Tochter-Edition.

Wir sitzen gerade beim Nachtisch und besprechen den weiteren Tagesablauf.

Ich: *blah rhabarber* „…und dann würd ich ganz gern wenigstens die eine Waschmaschine noch aufhängen…“

Tochter [ungläubig]: „Wirklich? Die ganze Waschmaschine? Ist das nicht ein bisschen schwer?“6236453345464030306.jpg

*narf*

Da sitz ich im Auto und kutschier Sohni ins Taekwondo als mir plötzlich auffällt, dass mein linker Scheinwerfer nicht mehr geht. Scheiße denk ich, Werkstatt heute is nich, naja, machstes halt morgen. Wird schon irgendwie gehen mit halber Beleuchtung, dieses eine Mal wird schon nix passieren. Joa. Denkste. Und dann latscht da dieses dumme Suizid-Reh auf die Straße. Rumms machts und… naja, das hatten wir ja vor drei Monaten erst.

Jedenfalls ist jetzt mein rechter Scheinwerfer kaputt. Ja, genau der Scheinwerfer, der vor drei Monaten erst getauscht wurde. So wie die Stoßstange, der Kühler und einige andere Sachen die mir gerade auf Anhieb nicht einfallen. Und die Stoßstange hat übrigens auch nen Riss.

Nachdem der Unfall aufgenommen ist, der Polizist noch so: „Überfahren Sie halt keine Rehe mehr.“

youdontsay

Huch? Schon zwei Jahre?

Heute vor zwei Jahren hab ich mich bei wordpress registriert.

Schon krass, wieviel sich seitdem getan hat.

Eigentlich wollte ich ja zuerst nicht, [so kompliziert und überhaupt, so riesig!] wurde aber von jemandem quasi „überredet“ es doch einfach mal zu machen, man wisse ja nie was sich daraus so ergibt.

Womit sie definitiv Recht hatte. Zwar dauerte es etwas, bis ich mich hier soweit zurecht fand, und bis sich herauskristallisierte, was überhaupt ich hier würde thematisieren wollen.

So manchen Anreiz habe ich aus wordpress, ob aus einem gelesenen Blog oder Kommentar ist eigentlich egal. Bisher habe ich wahnsinnig viel mitnehmen können, nicht zuletzt bei der genial-gesellschaftskritischen erzaehlmirnix. Die – Ihr ahnt es vielleicht – tatsächlich daran schuld ist, dass ihr mich heute hier lest.

Ich bin sehr froh, dass ich es gewagt hab, und freue mich auf viele kommende Jahre mit meinen Lieblingsblogs und natürlich euch, meinen Lesern! 🙂

Ich bin ein Genie!

Ein bisschen *hüstel* langsam zwar, als mich jedoch vor einigen Tagen an der Tankstelle der Geistesblitz traf, fühlte ich mich wie selbiges.

wasserkanne

frostschutz

Geldzähldaumen

Seit Ende 1998 besitze ich einen Führerschein. Und diese Woche stellte ich nach nunmehr fast sechszehn Jahren fest, dass diese Ausgieß-Löcher gerade so groß sind, dass man sie während des „Zielvorganges“ mit dem Daumen [oder einem anderen Finger 😉 ] verschließen kann. Damit nicht die Hälfte daneben geht. Wer einen Panda hatte oder hat, kennt das Leid mit dem Scheibenfrostschutz.

Das da unten wird übrigens „Geldzähldaumen“ genannt. Ist nicht meiner, aber ich kann meinen rechten Daumen ebenfalls um fast 90° nach hinten biegen.

Michi und die Musik: Die fantastischen Vier

Mein halbes Leben, achwas, länger, seit über zwanzig Jahren höre ich Fanta4.

Als 1992 „Die da“ in die Charts kam, kaufte ich mir wenig später von meinem Taschengeld das Album „Vier gewinnt“. Ich erfuhr, dass sie in der Vergangenheit bereits ein Album namens „Jetzt gehts ab“ veröffentlicht hatten, und kaufte es mir ebenfalls. Irgendwann fiel mir die Single „Frohes Fest“ in die Hände [welche 1993 tatsächlich auf dem Index landete] und auch sie kaufte ich.

Damals, anno 1992, als noch niemand [zumindest kein Normalsterblicher] an etwas wie das heutige „world wide web“ dachte und ich auch mit  Btx [was mein ältester Bruder schon länger verwendete] noch herzlich wenig anfangen konnte, trat ich dem Fanta4-Fanclub bei. Ja, ihr lest richtig. Ich war als Teenager hochoffiziell Fanta-Vier-Fangirl. =) Gut, gä? XD Ich bekam vierteljährlich die neuesten News von den Stuttgarter Wortakrobaten und ich nahm mir fest vor, eines ihrer Konzerte zu besuchen. Jedoch scheiterte es immer entweder an Geld- oder Zeitmangel. Oder beidem.

Jedenfalls waren die Texte der Fantastischen Vier für mich damals der erste Kontakt mit einem kritischen Blick auf unsere Gesellschaft bzw. ihre Rituale und dadurch, wenn man so will, aus Mangel an Alternativen mit seinem Einfluss auf mein doch recht labiles Teenagergemüt durchaus prägend.

Mein Musikgeschmack war schon zu Teenagerzeiten recht durchwachsen, so standen die Fantastischen Vier zwischen Bravo Hits, Culture Beat, Dr. Alban, Ace of Base, East 17 [als obligatorische Boyband], DJ Bobo, Metallica und den Scorpions.

Später gesellten sich noch einige andere hinzu, über die ich vielleicht auch noch etwas ausführlicher schreiben werde. An anderer Stelle.

Nun noch eines meiner Lieblingslieder. Mfg – Mit freundlichen Grüßen.

Michi und die Musik: Böhse Onkelz

Dieser Blogeintrag wurde inspiriert von einem Gespräch über das Comeback der Böhsen Onkelz, welches sich vorhin mit dem Vater meiner Kinder ergab.

Es war im Winter 1998/1999. Ich steckte gerade mitten in der Ausbildung, hatte erst seit kurzer Zeit Führerschein und Auto und haderte mit vielem, eigentlich mit so ziemlich allem, als meine damals beste Freundin ein paar CDs von den Onkelz anschleifte. Davor hatte ich eigentlich nur die übliche Medienpropaganda gekannt, mich jedoch nicht einmal ansatzweise mit der Musik von ihnen befasst. Und eigentlich auch kein großes Interesse daran. Doch sie legte die CD in mein Autoradio ein und so hörte ich es eben gemeinsam mit ihr an.

Ich fand die Texte damals gut, obwohl natürlich weder Musik noch Gesang sonderlich, wie sag ich das, anspruchsvoll waren. Doch, so seltsam das klingt, in diesem Abschnitt meines Lebens waren sie genau die Art Musik, die ich gebraucht habe. Ich war gerade mal zwanzig Jahre alt und hatte trotzdem schon [entschuldigt bitte diese rüde Ausdrucksweise] so viel Scheiße erlebt, dass die Onkelz innerhalb kurzer Zeit zu meinem Überdruck-Ablassventil wurden. Ich musste irgendwo hin mit meinem Frust, dem Hass auf alles und jeden, dem ganzen Müll der sich über die Jahre in mir angestaut hatte und der sich in Wutanfällen immer wieder seinen Weg nach draußen bahnte.

Das Lied „Kirche“ wurde für mich zu einer Art Hymne, die ich mir jeden Morgen anhörte, bevor ich in meinen Lehrbetrieb ging: Ein kleines, von einer streng christlichen Familie geführtes Unternehmen, dessen Chef nicht müde wurde, seinen Unmut bezüglich meines – in seinen Augen verabscheuungswürdigen – Lebenswandels kund zu tun. Meine damalige Art der Rebellion.

Man könnte sagen, die Musik der Onkelz fachte meinen Kampfgeist an. Sie half mir dabei, die verbliebenen anderthalb Jahre Lehrzeit auszuhalten, anstatt vorzeitig das Handtuch zu werfen. Ich wusste damals, dass ich keine weitere Chance mehr bekommen würde und ich wollte diese Ausbildung mit Auszeichnung abschließen, nicht mit einem weiteren Abbruch.

Ich hörte relativ lang und immer wieder gern die Musik der Onkelz. Man kann sagen, ich war damals definitiv ein Onkelz-Fan. Zu gern wäre ich auf ihr Abschlusskonzert gegangen, doch zu dieser Zeit war ich gerade 1) in Salzburg und 2) schwer damit beschäftigt, mich auf meine Meisterprüfung vorzubereiten. Ich büffelte jeden Tag, und so sehr ich es auch bedauerte, das Konzert fand ohne mich statt. Ein bisschen neidisch ließ ich mir danach von meiner Arbeitskollegin erzählen, wie es gewesen war. Ihre Augen leuchteten als sie davon schwärmte, wie genial die Stimmung gewesen sei und überhaupt, der absolute Wahnsinn. Ich dachte an meine Meisterprüfung, auf die ich so lang hingearbeitet hatte, und tröstete mich damit, dass so ein Konzert zwar für den Moment ganz toll ist, aber dass ich damit nunmal leider keine berufliche Karriere würde machen können.

Wenig später trennte ich mich von meinem langjährigen Freund, und damit verschwanden auch die Onkelz von meiner Playlist. Zu sehr erinnerte mich deren Musik an die gemeinsame Zeit, da auch er damals Fan von den Onkelz war.

Kurz vor der Trennung hatte ich mir die Box „Gestern war Heute noch Morgen“ gekauft, welche seitdem bis vor wenigen Monaten unangetastet irgendwo ganz hinten im CD-Regal stand. Vor einiger Zeit nahm ich die Box spaßeshalber für ein paar Tage mit ins Auto, um die alten Sachen mal wieder anzuhören und, was soll ich sagen, die Onkelz-Phase hab ich wohl hinter mir. Das Gefühl, welches damals mein ständiger Begleiter war, diese negative Grundstimmung und diese unterschwellige und auch offene Aggression, das ist nicht [mehr] meine Welt. Ich sage nicht, dass es das ist, was die Onkelz mit ihrer Musik vermitteln [wollen], sondern lediglich dass es das ist, was ich persönlich damit verbinde. Diese schmerzvolle und auch einsame Zeit, während der ich zwar [zumindest während dem Großteil der Zeit] einen Freund hatte, doch trotzdem niemandem wirklich vertrauen oder mich an-vertrauen konnte. Ich war einsam, weil wir uns zwar Bett und Wohnung teilten und dennoch unendlich weit voneinander entfernt waren.

Mittlerweile hab ich besagte CD-Box verschenkt, an jemanden der sich darüber gefreut hat weil er heute noch gern Onkelz hört.

Ansonsten wundere ich mich über den Medienrummel, den das Onkelz-Revival ausgelöst hat. Und irgendwie auch nicht. Ich wundere mich deshalb, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass sich ausgerechnet die Onkelz zu einem Comeback entschließen.

Wäre ich jetzt zehn Jahre jünger und hätte noch keine Kinder, hätte ich wohl höchstwahrscheinlich zumindest versucht, Karten für das Konzert am Hockenheimring zu bekommen. Aber realistisch fühle ich mich einfach zu alt für die Onkelz, auch wenn das jetzt natürlich wieder meine persönliche, rein subjektive Wahrnehmung ist. Bei näherer Betrachtung sind es etliche Gründe, die mich davon abhalten, und mein Alter dürfte noch der Unwichtigste sein. Ich glaube, ich brauche sie einfach nicht mehr. Und das ist ganz gut so.

Armes Rehlein III – der Werkstattwagen.

Derzeit fahre ich Citroen C1. Mein Italiener ist in der Werkstatt und wird dort voraussichtlich das Wochenende verbringen.

Das Autochen ist ja ganz putzig. Dreitürer, ein bisschen unpraktisch wenn Mama mit mehr als einem kleinen Mitfahrer unterwegs ist, da muss man die Kinder etwas umständlich auf die Rückbank friemeln. Vor zehn Jahren hätt ich mir den C1 wohl noch gefallen lassen. Aber was motz ich, ist immer noch besser als gar kein Auto. Viel besser sogar. Er hat gefühlt ein paar PS mehr als der Fiat, ich schätze irgendwas um die 75 rum, und kommt damit ganz gut vom Fleck.

Da sitze ich im besagten C1, bin ganz artig angeschnallt und denke an nichts Böses, als das Autochen mich plötzlich wütend anpiept. Ich schaue auf den Bordcomputer, welcher behauptet, ich wäre nicht angeschnallt. Also öffne ich meinen Gurt nochmals und schließe ihn wieder. Das Auto piept wild weiter. Ich blicke hilfesuchend im Auto umher und entdecke – meinen Geldbeutel. Wie er so ganz unangeschnallt auf dem Beifarersitz liegt. Hebe ihn probehalber hoch und, tatsächlich, das Piepen hört auf.

Garstiger Geldbeutel, garstiger. Hätte sich auch echt anschnallen können.