Archiv der Kategorie: Kiddies & Co.

Ein Rant. Oder: Wie sieht so ein ADHS-Kind eigentlich aus?

Bzw. woran erkennt man es? Oder woran glauben Außenstehende immer wieder, ein betroffenes oder nicht-betroffenes Kind erkennen zu können? Oder, noch besser, warum glauben immer wieder Menschen, die meine Beiden zu Gesicht bekommen, dass sie auf den ersten Blick oder nach ein paar Stunden Beobachtung beurteilen können, an den Beiden sei doch „alles ganz normal“?

Well…

So ein ADHS-Kind kann sich je nach Schwere der Störung zeitweise durchaus „ganz normal“ verhalten; besonders wenn es rund-um-die-Uhr beschäftigt wird. Wenn Jemand die Zeit, die Energie und auch die Kapazitäten hat, dies auf Dauer zu tun.

Wie es zB immer wieder bei den Grillenings der Fall ist. Irgendjemand findet sich eigentlich immer, irgendein Opfer das es nicht schafft „nein“ zu sagen, und schwups sind zwei Kinder rundum zufrieden.

Ist ja schön und gut. Meine Kinder machen also einen total normalen Eindruck, wenn sie mit sich und der Welt zufrieden sind weil sie jede Menge Abwechslung, Ansprache und Aufmerksamkeit bekommen. Das ist wirklich eine sehr scharfsinnige Beobachtung.

Also wenn jemand zu mir sagt, meine Kinder sähen doch ganz normal aus, oder sie benähmen sich doch ganz normal, dann reagiere ich normalerweise in etwa so, zumindest äußerlich:
6318104828287169752.jpg

Was dagegen in mir vorgeht… Ich weiß dann nie, was ich sagen soll. Soll ich sagen „hey, cool, jetzt wo du´s sagst, ich wusste doch dass die vielen Ärzte und Psychologen allesamt Scharlatane sind“? Ist jetzt so ziemlich die einzige Antwort, die mir dazu noch einfällt. „Dann kann ich ihn ja jetzt in einer Regelschule anmelden, vielleicht kriegt er den Behinderten-Stempel ja wieder los, nech?“

Oder noch besser: Man lernt sich gerade erst kennen und das Erste was man zu hören bekommt ist „hey, ich find ja dass Kinder keine Medikamente nehmen sollten“ und „du weißt schon dass du deinem Sohn harte Drogen gibst, oder?“

Well…

6318110184325159854.jpg

Und was passiert nun wenn – was viel häufiger vorkommmt – dies einmal nicht der Fall ist? Weil – stellt euch vor, ganz besonders die „Du gibst deinen Kindern harte Drogen“ Fraktion, jetzt stellt euch mal vor, Eltern haben auch noch so ein, zwei andere klitzekleine Kleinigkeiten um die sie sich kümmern müssen, OBWOHL oder auch gerade WEIL sie Kinder haben und Kinder halt nunmal mehr brauchen als Luft und gaaaaaanz viel Liebe. Und Aufmerksamkeit. Gaaaaaanz superwichtig, Aufmerksamkeit.
Solche Kleinigkeiten die absolut unwichtig sind, das könnte beispielsweise eine Berufstätigkeit sein [jaja ich weiß, wird völlig überbewertet] oder auch sowas wie eine saubere Wohnung, jeden Tag was Sauberes zum Anziehen [hoppla, jetzt wirds  dekadent hier] UND dann wollen die Bälger ja auch noch hin und wieder was essen und das muss man erst kaufen und schließlich muss man es auch noch zubereiten. Puh, ganz  schön viel was?

Also, was könnte in einem solchen Fall passieren? Wir stellen uns vor, da ist ein Kind das ein Problem mit seiner Frustrationstoleranz hat, und außerdem funktioniert dessen Impulskontrolle auch nicht so gut, naja, eigentlich gar nicht. Das heißt, das Kind ist schnell frustriert und obendrein handelt es BEVOR es nachdenkt. Das Elternteil ist [im Idealfall zumindest] gerade zuhause, das Kind will Irgendwas, Elternteil sagt nein oder hat einfach gerade keine Zeit sich drölfzigmal jeden einzelnen Fortschritt beim aktuellen Legomodell anzusehen. Kind wird also abgewimmelt oder auf später vertröstet und das kann [je nachdem, wie der bisherige Tag des Kindes oder – besser – der KindER so verlaufen ist, bereits der Funke sein der das Fass [hier: das Kind] zum Explodieren bringt. Das Kind explodiert also und fängt an zu bocken und dem Elternteil Vorwürfe zu machen [„Du bist blöd, nie hast du Zeit, immer hast du was anderes zu tun, nie spielst du mit mir“ etc pp] es trampelt lautstark schimpfend zurück ins Zimmer, schlägt die Tür hinter sich zu und fängt an, sich selbst zu schlagen/Gegenstände durchs Zimmer zu werfen/Herumzubrüllen/anderweitig zu toben und herumzulärmen. Früher oder später MUSS das Elternteil reagieren, schlicht um zu  verhindern dass das Kind sich selbst verletzt.
À propos selbst verletzt: Wusstet ihr eigentlich dass ADHS-Kinder sich überdurchschnittlich oft verletzen? Der Grund ist schlicht und ergreifend ihre mangelnde Aufmerksamkeit. Sie laufen vor Autos, stürzen mit Fahrrad/Skateboard/Inlinern weil sie entweder schusselig sind oder sich an unverhältnismäßig waghalsigen Manövern versuchen. Das geht mit der Volljährigkeit bzw. mit Erlangen der Fahrerlaubnis direkt weiter. Sie verunglücken häufiger als neurotypische junge Erwachsene mit dem Auto oder Motorrad. Sie unterliegen einer erhöhten Gefahr, später einmal drogensüchtig zu werden, aber das liegt nicht an den Medikamenten [die ein Großteil von ihnen sowieso nie eingenommen hat, weil oft nichtmal eine Diagnostik durchgeführt wurde. Ihr wisst schon, „das wächst sich aus, der ist halt ein bisschen zappelig“] Es liegt vielmehr am veränderten Hirnstoffwechsel und dem dringenden Bedürfnis nach „dem Kick“. ADHS-Betroffene sind Adrenalinjunkies. Sie sind ständig auf der Jagd nach dem größeren, besseren, intensiveren Erlebnis, und deshalb sind sie so anfällig für gefährliche Situationen, Alkohol und Drogen.

Zurück zu den allseits beliebten Alltagssituationen, das Kind hat gerade Besuch eines anderen befreundeten Kindes [was ohnehin bei diesen Kindern selten genug der Fall ist] und es wird langsam Zeit, die Sachen zu packen weil die Mutter des Kindes ist da, um es abzuholen. Beide Kinder wollen aber noch weiterspielen, also fängt das eine an zu bocken, es sagt „ich geh aber nicht mit, ich bleib jetzt hier, genau hier auf die Treppe setz ich mich hin und da bleib ich dann bis du wieder gehst“ und das andere Kind fängt an zu heulen weil, naja, weil halt.

Wieder andere Situation, du sagst dem Kind etwas, und es kann sich das Gesagte nicht merken. Du sagst es wieder, und wieder vergisst das Kind, was du gesagt hast. Wohlgemerkt, es ist wirklich völlig egal worum es sich handelt, es ist einfach für das Hirn bzw. dessen Belohnungszentrum nicht interessant bzw. nicht vielversprechend genug und wird deshalb ausgeblendet. Irgendwann bist du selbst nur noch genervt von der Vergesslichkeit deines Kindes und wirst pampig, maulst dein Kind an, das Kind wiederum hat keine Ahnung, was es nun schon wieder angestellt hat und fühlt sich [zu Recht oder zu Unrecht darüber lässt sich streiten] ungerecht behandelt.

Alltagssituation drölftriepzehn „Nein Kind, es gibt nichts Süßes vor dem Abendessen“, „Nein Kind, die Hausaufgaben werden jetzt fertig gemacht“ oder auch „nein, du kannst nicht heute auf der Stelle bei deinem Freund übernachten“, „wie kannst du Hunger haben, wir haben doch vor einer Stunde erst gegessen?“ oder wie wäre es mit „Doch, die Zähne werden geputzt, gerade eben beim Spielen warst du auch nicht zu müde“, „Das Zimmer wird aufgeräumt bevor du an Tablet/Handy/Computer/Playstation darfst“, „Hör auf zu zappeln“ oder „warum musst du immer dann anfangen zu sprechen, wenn du dir gerade eine Gabel voll Essen in den Mund gestopft hast?“ und „kannst du bitte die Serviette benutzen anstatt Ärmel/Kragen/Handfläche?“

Und das wirklich jedes-verdammte-Mal.

Wir sind alle nur Menschen. Die Kinder genauso wie wir Eltern. Jeder von uns trägt seine eigene Besonderheit und seine eigenen Dämonen mit sich herum.

Wir geben uns größte Mühe. Wir alle. Und auch auf die Gefahr hin, mich jetzt zu wiederholen: Ich möchte, dass meine Kinder körperlich und psychisch gesund groß werden. Ich weiß, ich kann sie nicht vor der Welt da draußen beschützen. Ich kann nur versuchen, sie so gut es geht darauf vorzubereiten.

Meinem Sohn merkt man also nicht auf den ersten Blick an, dass er ADHS hat? Er kann sich soweit einfügen dass man ihn zumindest zeitweise für ein normales Kind hält? Gut so. Dann sind wir auf dem richtigen Weg. Denn das war – und ist auch heute noch – nicht immer der Fall.

Und was die Tochter angeht: Ein Großteil der ADS-betroffenen Mädchen fliegt unterm Radar. Oder was glaubt ihr, warum offiziell so viel mehr Jungs als Mädchen diagnostiziert [und was noch schlimmer ist: warum nur ein Bruchteil der Mädchen behandelt] werden? Weil Mädchen sehr oft die hypoaktive Variante zeigen. Sie sind eher still und introvertiert und bei Weitem nicht so auffällig wie die meisten ADHS-betroffenen Jungs.
Die Tochter ist zwar oft nachdenklich, aber sie kann auch ein echter Wildfang sein. Und ganz nebenbei bemerkt: Mein ADHS-Facharzt meinte einmal zu mir, das war an einem unserer ersten Termine, er wundere sich warum ich jetzt schon [soll heißen, in so jungen Jahren schon] bei ihm sitze; normalerweise würden sich Frauen erst ab der Menopause bei ihm melden, weil erst ab diesem Zeitpunkt der hormonellen Umstellung bei Frauen die wirklichen Probleme begännen.

Tja, bei mir hats halt etwas früher angefangen. Stress, Burn Out, der Tod meines Vaters, meine eigene innere Aggression, das alles waren Faktoren die meine Situation zur Eskalation brachten. Tja. Dumm gelaufen.

Schuljahr geschafft die Zweite

Wie angekündigt nun die aktuellsten Entwicklungen zum Sohnemann.

Vor einigen Wochen hatte er nämlich noch einen Termin in der Klinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie, übrigens beim selben Arzt wie meine Tochter, als ich mit ihr dort vorstellig wurde.
Auch wenn ich mich damals von jenem Arzt nicht sonderlich ernst genommen fühlte, so nahm ich mir seinen Rat dennoch zu Herzen und versuchte zu ändern, was im Rahmen meiner Möglichkeiten lag. Eine Privatschule gehörte bis dato leider nicht dazu, doch wer weiß, vielleicht kriegen wir das ja auch noch hin.
Immerhin trugen die bisher durchgeführten Veränderungen bereits Früchte und schon allein deshalb bin ich mir sicher, dass wir mit ihr auf einem guten Weg sind. Doch zurück zum Sohnemann.

Zuerst einmal war der Sohnemann beim Gespräch mit besagtem Arzt nicht wirklich zugänglich. Er zappelte unablässig, sah den Arzt kaum einmal an und war nicht fähig, auch nur eine der gestellten Fragen sinnvoll und zusammenhängend zu beantworten. Er war einsilbig und stellenweise fast völlig geistesabwesend.
Der Arzt stellte ihm verschiedene Fragen über Schule, Familie, Wohnsituation, Freunde und Hobbies bzw. Interessen. Ihm wurde schnell klar, dass der Sohn tatsächlich einige größere Baustellen hat, woraufhin er ihn bat, einige Sätze auf einem Blatt Papier zu vervollständigen, und ihn hierfür nach draußen schickte.

Als der Sohn draußen war fragte mich der Arzt, ob eigentlich von einem der bisherigen Ärzte jemals der Verdacht auf Asperger-Syndrom ausgesprochen worden war. Ich verneinte, gab allerdings zu Bedenken dass die Lehrkräfte vom Sohn angeregt hätten, diesem Verdacht nachzugehen, da er doch einige der typischen Anzeichen wie bspw. mangelnde Flexibilität bzw. das Beharren auf fest durchstrukturierte Abläufe, ausgeprägte Spezialinteressen sowie motorische und soziale Eigenheiten aufweist.

Also gab er mir zwei Fragebögen für die Diagnostik meines Sohnes mit, einen werde ich wohl gemeisam mit meinem Partner ausfüllen, den anderen gebe ich entweder dem leiblichen Vater oder Sohnemanns Lehrkräften zum Ausfüllen mit.

So viel zum Thema Kinderzentrum, nun will ich noch kurz auf Sohnemanns schulische Leistungen und seine sonstige Entwicklung eingehen.

Wieder einmal hat er ein sehr gutes Zeugnis mit nach Hause gebracht, und wieder einmal hat er eine Eins in Mathe, in Deutsch eine Zwei und sogar sein Schriftbild sowie sein Verhalten während des Unterrichts haben sich während des vergangenen Schuljahres verbessert. Dennoch ist er von einer Rückschulung noch weit entfernt. Falls er überhaupt jemals so weit sein sollte, eine Regelschule zu besuchen.

Gegen Ende des Schuljahres gab es einen Wechsel beim Taxiunternehmen; Sohnemann hat nun einen anderen Fahrer. Soweit alles im Rahmen des Erträglichen, es gibt allerdings drei andere Jungs, die den Sohnemann regelmäßig triezen und ihn regelrecht mobben. Es fing an mit systematischem Heischen nach Sohnemanns Aufmerksamkeit und ging bis zu Verhohnepiepeln seines bzw. unseres Nachnamens [welcher sich hierfür leider ausgezeichnet eignet -.-*]. Diese Sache mit dem Nachnamen ist für mich unglaublich triggernd, da ich selbst exakt dieselbe Sch***e auch während meiner gesamten Schulzeit mitmachen durfte.

Das Mobbing ging so weit, dass Sohni eines Abends am Esstisch saß und meinte, er wolle nie wieder ins Taxi steigen und ob ich ihn in die Schule fahren und auch wieder von dort abholen könne.  Natürlich hakten wir nach und so erfuhren wir, dass Sohni in der Schule von einem Rädelsführer und zwei Mitläuferm regelmäßig gemobbt wurde, woraufhin ich am folgenden Tag in der Schule stand und die Leiterin für Jugendhilfe um ein Gespräch bat.

Ich erklärte ihr die vom Sohn geschilderten Ereignisse woraufhin sie zusagte, den besagten Jungen sowie dessen Eltern ebenfalls zum Gespräch zu bitten.

Nun sind endlich Ferien und einen Lichtblick gibt es für das kommende Schuljahr: Zumindest der Rädelsführer wechselt die Schule und ich vermute und hoffe, dass sich das Mobbingproblem hiermit für uns erledigt haben dürfte.

Zuhause ist alles mehr oder weniger beim Alten; Sohnemann und Tochter sind wie typische Geschwister [Pack schlägt sich, Pack verträgt sich würde meine Oma jetzt sagen] und auch sonst gibt sich der Sohnemann große Mühe, auch wenn er immer noch deutliche Schwierigkeiten beim grundsätzlichen Einhalten von Regeln hat, und auch so manche Umgangsformen und das Einhalten seiner eigenen Zusagen und Versprechen sind für ihn unglaublich schwer, besonders wenn es um Spiele geht, die seine Schwester mit ihm spielen möchte und die nichts mit Kampf oder Panzern zu tun haben. Schrieb ich vorhin nicht etwas von Spezialinteressen? Genau, das wären sie dann. Panzer und Kämpfe aller Art, er kann stundenlang Gefechte durchführen, natürlich inklusive verschiedener Strategien, er baut sich allerlei Einheiten aus Lego zusammen, hauptsächlich Raumschiffe, Raketenstellungen, Raumjäger und-was-weiß-ich-was-noch-alles.
Hin und wieder spielt das Miniweib mal mit, dann müssen aber unbedingt alle Spielregeln [natürlich vom Sohnemann] festgelegt werden, eine zeitlang geht das gut, aber sie besteht natürlich darauf dass irgendwann auch mal sie entscheiden darf, was wie gespielt wird. Und regelmäßig lässt der Sohn sie hängen. Natürlich gibts dann Zank, das Eine Wort führt zum Nächsten und schon – Eltern von Geschwistern kennen das – haben wir das größte Theater hier.

Der ganz normale Wahnsinn eben.

Hilfeplan 2015

Heute fand das erste diesjährige Hilfeplangespräch in Sohnis Schule statt. Die Themen sind dieselben geblieben, Konzentration, Zappeln, Frustrationstoleranz, Regeln einhalten, Strategien erarbeiten, Ordnung halten, sauber arbeiten etc, allerdings kam ein neues hinzu.

Sohni braucht mehr Input. Und da die Schule in einer nahgelegenen Schule eine Außenklasse sprich Integrationsklasse hat, schlug seine Klassenlehrerin vor, man könne ihn – nur mal so probehalber – eine oder zwei Stunden pro Woche in diese Integrationsklasse setzen, einfach um zu sehen, wie er dort klarkommt.

Der Hintergrund: Sohni ist ein Kind, das sich sehr leicht von seinen Mitschülern mitziehen lässt, im Positiven wie im Negativen. Wenn er also nun in eine Klasse mit weniger, äh, speziellen Kindern kommt, könnte es durchaus sein, dass es sich positiv auf sein eigenes Verhalten auswirkt. Und der Input, ganz ehrlich, den braucht er dringend. Wie hat seine Lehrerin das vorhin formuliert? „Speziell in MeNuK hat er einen Wissenschatz, der dem seiner Mitschüler und auch teilweise dem seiner Lehrer weit voraus ist. Er merkt sich einfach alles und saugt alles Wissen das er bekommen kann regelrecht auf.“

Na dann. Hoffen wir das Beste.

ADHS und Videospiele – Ein Erfahrungsbericht

Anfang dieser Woche rief mich – zum wiederholten Male – Sohnis Klassenlehrerin an. Mich an unsere letzten beiden Telefonate erinnernd wappnete ich mich innerlich dafür, was nun kommen würde.

Besagte Telefonate verliefen nicht besonders positiv. Sohni hatte im ersten Schuljahr enorme Fortschritte gemacht, was sein Verhalten allgemein und seine Konzentrationsfähigkeit anging. Doch aus irgendwelchen Gründen begann sein Verhalten sich nach den Weihnachtsferien massiv zu verschlechtern. Er war zwar nach wie vor interessiert am Unterricht und erledigte seine Aufgaben motiviert, doch er war wieder extrem zappelig und fahrig geworden. Zuerst dachte ich, es könnte an der angespannten Situation zuhause liegen.

Nun erzählte mir die Lehrerin bei unserem letzten Telefonat, dass Sohni seit Ende der Osterferien wieder viel ruhiger geworden sei, auch seine Tics habe er weitestgehend wieder abgelegt. Ob sich zuhause irgendetwas verändert hätte?
Ja, in der Tat. Ich hatte es befürchtet, doch nicht wirklich damit gerechnet, dass es sich so extrem auf sein Verhalten auswirken würde. Die Rede ist von Videospielen.

Ich hatte bereits einiges über die Wirkung von Videospielen auf ADHS-Betroffene gelesen und nahm mir daher vor, einen möglichen Zusammenhang zwischen Sohnis Videospiel-Konsum und einer Veränderung seines Verhaltens im Auge zu behalten. Ehrlich: Wir reden hier von etwa einer Stunde täglich, für mehr hat der Sohn auch gar nicht die Zeit. Er ist von 7:00 bis 17:00 Uhr unterwegs, wann will er da noch groß spielen? Ein- bis zweimal die Woche hat er nach der Schule noch Taekwondo, da fällt Computer oder dergleichen sowieso aus.

Hier war er nun, der Beweis. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass der Sohn [wie die Tochter übrigens auch] momentan absolutes Computer-, Konsolen- und Tablet-Verbot habe. Die Lehrerin war wenig überrascht. Wir besprachen das Warum und wie man Sohnis Gezappel und Tochters unerträglichen Umgangston [sie schafft teilweise wirklich nicht, einen auch nur halbwegs erträglichen Umgangston an den Tag zu legen] möglicherweise mit einer strengeren Reglementierung in den Griff bekommen könnte.

Wir einigten uns darauf, vorerst das Verbot wie geplant beizubehalten. Wenn die Frist vorbei ist, wird es wohl darauf hinauslaufen, dass beide Kinder nur noch an einem, vielleicht zwei Tagen am Wochenende jeweils eine Stunde spielen dürfen. Und selbst dann sollten es nicht so actionlastige Spiele sein, da dies für beide Kinder pure Reizüberflutung bedeuten würde. Falls sich das Verhalten der Kinder selbst mit der neuen Regelung wieder verschlechtern sollte, werden wir Playstation & Co. wohl doch wieder abschaffen müssen.

Déjà-vu

Diese Woche fand das Elterngespräch mit Tochters Klassenlehrerin statt und ich fühlte mich zurück versetzt in die Zeit, als wir noch mit Sohnis Diagnose haderten. Kognitiv ist sie sehr stark aber das gesamte soziale Drumherum ist ein Problem.

Tochter wurde vergangenen Herbst hier im Dorf eingeschult. Sie war im Kindergarten nicht ganz so auffällig wie ihr Bruder, das lag aber hauptsächlich daran, dass ihr viele Dinge dort einfach mehr Spaß machten. Malen, Basteln, Singen, Bücher, all das war genau ihr Ding. Sohni konnte das nicht so, generell hatte [und hat] er mehr Schwierigkeiten, sich zu fokussieren, hinzu kommt die Tatsache dass er extrem zappelig ist. Tochter dagegen nicht so sehr.

Zurück zum Elterngespräch. Zugegeben, ich war extrem müde, hätte auch beinah das Gespräch verpasst. Ich bin seit zwei Wochen gesundheitlich angeschlagen und komme nicht wirklich dazu, mich auszukurieren. Keine guten Grundvoraussetzungen für ein konstruktives Gespräch. Vielleicht hätte ich es absagen sollen.

Entsprechend verlief das Gespräch. Sie redete, ich hörte zu. Nickte hin und wieder, sagte jedoch zuerst nichts. Blickte immer wieder auf den Zettel, der vor mir auf dem Tisch lag. Darauf waren all die Dinge notiert, welche der Lehrerin im Laufe des ersten Halbjahres im Verhalten meiner Tochter aufgefallen waren.

Findet schwer Anschluss, lässt sich leicht ablenken, verschlampert/vergisst ihre Sachen, im Hort ist ihr Verhalten auffällig, es gibt häufig Konflikte die von ihr ausgehen, ich muss sie regelmäßig früher als zur vereinbarten Uhrzeit abholen weil sie wirklich ü-ber-haupt nicht klar kommt, etc. pp.

Wie gesagt, ich hatte ein Déjà-vu.
Nicht gut. Gar nicht gut.
Irgendwann unterbrach ich die Lehrerin [die ich eigentlich sehr sympathisch finde und die auf mich einen kompetenten Eindruck macht] überhaupt nicht sozialverträglich mitten im Satz in ihrem Monolog.
Sie wusste nicht, dass ich die Tochter bereits letztes Jahr im Kinderzentrum vorgestellt habe. Sie wusste auch nichts von der ADHS-Verdachtsdiagnose, von den zwanghaften Tendenzen in Tochters Verhalten. Und sie wusste auch nichts von dem IQ-Test, den der Psychologe mit ihr durchgeführt hat.

Jetzt weiß sie es. Und einen weiteren Termin im Kinderzentrum habe ich auch schon angefordert.
Ich wünsche mir wirklich, dass sie es dort – sprich auf der Regelschule – schafft. Denn die Tochter hat jetzt schon klargestellt, dass sie nicht die Schule wechseln möchte.

Ich will nicht sagen „ich habs ja gesagt“, aber…

Ja, aber. So kanns nämlich auch laufen. Mein Sohn und der Schwimmkurs. Bevor er eingeschult wurde, meldete ich ihn für einen Anfänger-Schwimmkurs an. Der Kurs ging über zehn Stunden und war in erster Linie dazu gedacht, dass die teilnehmenden Kinder die Angst vor dem Wasser – falls vorhanden – verlieren sollten. Soweit so gut. Dort lief alles absolut ohne Zwang ab, genau das Richtige für meinen Sohnemann. Er braucht grundsätzlich sehr lang bis er ausreichend Vertrauen zu einem Menschen hat, um sich auf ihn oder sie einlassen zu können. Und man darf ihn keinesfalls unter Druck setzen, da er sich ansonsten komplett quer stellt. Bei ihm kommt man – wenn überhaupt – nur mit viel Geduld und gutem Zureden ans Ziel.

Dieser erste Schwimmkurs lief sehr positiv und mein Sohn hatte auch keine Angst mehr vor dem Wasser. Im Gesicht kann er es immer noch nicht haben, aber ich hatte eigentlich keine Bedenken, ihn für einen weiteren Schwimmkurs anzumelden. Nun lief alles mit der Anmeldung glatt, nur mit der Durchführung bekamen wir ein Problem: Da Sohnemann immer bis 15:55 in der Schule ist [was ich zum Zeitpunkt der Anmeldung im Frühjahr noch nicht wusste] war es zeitlich nicht machbar, rechtzeitig um 16:15 im Schwimmbad zu sein.

Daher legte ich den zweiten Schwimmkurs für Sohni vorerst auf Eis und meldete statt dessen die Tochter, mittlerweile ebenfalls ein Vorschulkind, für den Anfänger-Schwimmkurs bei einer anderen Schwimmschule an. Tochter verhielt sich damals extrem ängstlich und weigerte sich strikt, auch nur in die Nähe des Nichtschwimmerbeckens zu gehen, geschweige denn hinein. Auch nicht mit Papa oder Mama. Egal wie oft wir es versuchten, da gab es nichts zu holen.

Ihr Anfänger-Schwimmkurs war etwas teurer, sollte jedoch auch insgesamt 20 Stunden umfassen mit dem Erwerb des Vereinsinternen Seepferdchens als Ziel. Zugegeben – ich war etwas skeptisch. Davor führte ich ein längeres Telefonat mit der Inhaberin der Schwimmschule – selbst frühere Leistungsschwimmerin – welche einen kompetenten und erfahrenen Eindruck auf mich machte. Sie schaffte es, meine Zweifel [auch bezüglich meines Sohnes] weitestgehend zu zerstreuen und so meldete ich meine Tochter an.

Womit ich nicht gerechnet habe: Tochter entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zur personifizierten Wasserratte und nahm tatsächlich am letzten Kurstag das Seepferdchen mit nach Hause.

Erleichtert meldete ich nicht nur meine Tochter für den Fortgeschrittenen-Schwimmkurs an, sondern auch meinen Sohn. Doch nicht ohne mich vorher zu vergewissern, dass die Schwimmschule auch wirklich spezialisierte Schwimmlehrer hat, die mit der Besonderheit meines Sohnes umzugehen wissen. Alles kein Problem meinte die Inhaberin, sie hätten auch schon autistische und ADS-Kinder gehabt, und bei ihnen hätte noch jeder das Schwimmen gelernt. Aha, na dann.

Nach den Sommerferien – sprich im September – sollte es losgehen. Ich hatte die Inhaberin der Schwimmschule informiert, dass mein Sohn zwar keine Angst mehr vor dem Wasser habe, jedoch noch kein Freischwimmer sei, sprich er würde zumindest anfangs noch eine Schwimmhilfe benötigen. Daher ging ich davon aus dass man – wie zugesichert – angemessen auf die Bedürfnisse meine Sohnes würde eingehen können.

Versteht mich richtig: Es geht hier nicht darum, jemanden anzuprangern. Die Schwimmlehrer haben bei meiner Tochter eine großartige Arbeit geleistet; wäre dies nicht der Fall, wäre sie kaum eine solche Wasserratte geworden. Doch was fürs eine Kind genau das Richtige ist, muss für ein anderes nicht notwendigerweise ebenfalls richtig sein.

Der Kurs begann und ich nahm beide Kinder wie geplant mit. Ziemlich zu Anfang ereignete sich ein Vorfall, welcher dem Sohnemann die Lust auf weitere Schwimmstunden gehörig vermiesen sollte. Eine der Schwimmlehrerinnen wies ihn an, ohne Schwimmhilfe ein Stück zu schwimmen. Selbstverständlich weigerte er sich, wurde jedoch mehr oder weniger von ihr dazu genötigt, es dennoch zu versuchen. Zufällig beobachtete ich das Geschehen vom höher gelegenen Restaurant aus und weiß deshalb ganz genau, dass es tatsächlich so vorgefallen ist. Es kam was kommen musste: Sohnemann ging unter. Nur für einen kurzen Moment, dann war die Schwimmlehrerin zur Stelle und half ihm. Doch als er den Beckenrand erreicht hatte und hinausgeklettert war, äußerte sich – verständlicherweise – eine Panikattacke und er brüllte das gesamte Schwimmbad zusammen. Ich selbst hatte in diesem Moment eine Mordswut im Bauch, schließlich hatte ich doch genau das verhindern wollen.
Nach Ende der Schwimmstunde wartete ich also auf meine Kinder und wollte mir direkt die Schwimmlehrerin vorknöpfen. Andererseits hatte es bis dato nie ein gutes Ende genommen, wenn ich im Zorn dem erstbesten Impuls nachgegeben hatte. Daher überlegte ich es mir anders und beschloss, diese Angelegenheit später, wenn ich wieder klar würde denken können, in Ruhe direkt mit der Inhaberin der Schwimmschule zu klären.

Kurz nach Sohnis achtem Geburtstag stürzte er auf seinen linken Arm und trug, wie ich an anderer Stelle berichtet habe, erst mal vier Wochen lang Verletztenchic. Daher fiel Schwimmen erst mal für eine ganze Weile flach. Diese Zeit nutzte ich, um vorsichtig auf meinen Sohn einzuwirken, der nicht die geringste Lust hatte, dort auch nur noch ein einziges Mal hinzugehen. Was ich ja irgendwo verstehen kann. Andererseits wollte ich [noch] nicht so einfach aufgeben, ich hatte mich wirklich reingehängt, um diesen Platz für ihn zu ergattern. Es gibt nicht so viele gute Schwimmschulen hier in der Gegend, und für mich ist es eben wichtig, dass meine Kinder schwimmen lernen.

Doch es sollte sich als Fehler herausstellen. Bei der nächsten Schwimmstunde [ausgerechnet!] hatte ich vergessen, ihm seine Tablette zu geben, die er einfach braucht, um im notwendigen Maße „funktionieren“ zu können. Nein, ich mag das Wort funktionieren auch nicht. Ich verwende es dennoch, weil ich ihn nicht vor sämtlichen äußeren Einflüssen abschirmen kann, so dass er fähig ist, sich ohne störende Ablenkung zu fokussieren. Unter klinischen Bedingungen, sprich mit null störenden Einflüssen von Außen [andere Menschen, Geräusche und andere störende Impulse] ist er durchaus umgänglich, vorausgesetzt, man weiß wie man ihn anpacken muss.

Das Ende vom Lied: An besagtem Tag konnte er sich nicht mehr daran erinnern, wie das Schwimmen mit der Schwimmnudel funktioniert, und veranstaltete erneut ein Höllentheater im Hallenbad. Das war der Moment an dem ich beschloss, ihn dort wieder abzumelden. Es bestand offensichtlich durch diesen ersten Vorfall schon ein so großes Misstrauen seinerseits, dass keine von den Schwimmlehrerinnen mehr einen Zugang zu ihm fand. Oder vielleicht auch nicht finden wollte, was weiß ich.

Was ich damit sagen möchte:
Mein Sohn ist ein kluges, freundliches, neugieriges, aktives und hilfsbereites Kind. Wenn man weiß, wie er tickt, kann man durchaus gut mit ihm auskommen. Stimmt dagegen die Chemie zwischen ihm und der Lehrkraft nicht, hat man keine Chance.

In der richtigen Umgebung mit den richtigen Voraussetzungen ist mein Sohn wissensdurstig und ehrgeizig. Sehr schön zu beobachten in seiner Schule. Dort hat er ein Umfeld, welches auf seine Bedürfnisse eingeht und ihm an den richtigen Stellen Halt und Beständigkeit gibt, an anderer Stelle hat er den Freiraum, den er braucht, um sich zu entfalten. Dort entwickelt er sich bisher großartig.

Geht ihm allerdings etwas gegen den Strich ist er störrisch und verweigert jegliche Kooperation. Im Zuge eines weniger erfreulichen Schriftwechsels mit der Inhaberin erfuhr ich, dass mein Sohn sich angeblich von Anfang an gesperrt hat und keinerlei Kooperationsbereitschaft zeigte. Schlimmer noch: Sie wies sämtliche Schuld von sich, er hätte ja nur mitzumachen brauchen.

Ahja.

Dazu schreibe ich jetzt nichts mehr, das Thema ist durch und bezahlen müssen wir den Schwimmkurs für meinen Sohn auch nicht. Immerhin.

Was anderes [Hat da gerade jemand Stereotyp gesagt?]

Beim Abendessen. In irgendeinem anderen Zusammenhang fällt das Wort „aggro“. Tochter zieht eine Schnute und merkt an

„Die Jungs nennen mich immer Aggro-Mädchen.“

Ich nicke wissend. „Mhm. Die können halt nicht damit umgehen, dass du dich nicht so benimmst, wie sie es von anderen Mädchen gewohnt sind.“

Lieblingsmensch mischt sich ein „Weißt du, Mädchen mit rosa Kleidchen robben normalerweise nicht so durch den Schlamm wie du das machst.“

Ich nicke zustimmend, erinnere mich an das morgens – auf eigenen Wunsch hin – adrett ganz in rosa gekleidete Kind, das ich eines schönen Nachmittags von oben bis unten mit Schlamm paniert aus dem Hort abgeholt hab.

Lieblingsmensch ergänzt: „Und die anderen Mädchen rennen auch nicht den Jungs hinterher und brüllen dabei „ATTACKEEEE!“

Tochter daraufhin trotzig: „Ich brüll nicht Attacke. Ich brüll was anderes.“

Natürlich haben wir ihr Verhalten befürwortet und ihr darin zugestimmt, das zu tun, was ihr gerade Spaß macht. Nächstes Mal dann vielleicht mit Matschhose und Gummistiefeln. 😉

Schulkind!

Hallelujah! Sie hat es geschafft. Wir habens geschafft. Der Ferienwahnsinn hat ein Ende und ab Montag kehrt hier [hoffentlich] wieder so etwas wie Normalität ein.

Heute wurde die Tochter eingeschult, und wir drei Großen wanderten trotz nicht vorhandenem Glaubensbekenntnis mit ihr und ihrem Bruder in die Kirche zum ökumenischen Gottesdienst. Sie hat es sich so gewünscht. Und ja, es kostete mich tatsächlich einiges an Überwindung, die Kirche überhaupt zu betreten, und als der Pfarrer anfing zu reden, musste ich kurz meinen Fluchtinstinkt niederringen. Zwischendurch gab es mehrere Momente, in denen ich innerlich mit den Augen rollte, aber was tut man nicht alles für die lieben Kleinen.

Nach einer ziemlich langen halben Stunde war der „Pflichtbesuch“ in der Kirche vorbei und es ging mit Schultüte und Schulranzen weiter zur Schule, wo zuerst die Zweitklässler auf der Aulabühne ein Lied vortrugen. Im Anschluss durften die Erstklässler in die Klassen, wo die erste Schulstunde stattfand.

Tochter ist mit ihrer besten Freundin in der selben Klasse, und obendrein ist die Freundin ihre Patin. Und trotz großer Wiedersehensfreude machten wir nach dem Pflichtprogramm schon wieder die Biege, und zwar in Fluchtgeschwindigkeit. Die Nervosität plus das Gedrängel dort hatte uns allen den Rest gegeben.

Meine Güte. Sie werden so schnell groß.

Ferienbetreuung im Hort der Waldorfschule

Sommerferien sind doof, irgendwie. Klar, schön für die Kids, weil ausschlafen und viiiiel Zeit zum spielen, aber für meinen Geschmack viel zu lang. Als arbeitende Eltern hat man nicht sechs sondern zwei, mit viel Glück vielleicht drei Wochen Urlaub im Sommer. So, und was ist mit den restlichen dreivier Wochen? Wer das Glück hat, eine Ferienbetreuung über den Schulhort beanspruchen zu können, hat an dieser Stelle keine Schwierigkeiten. Das haben wir jedoch nicht. Zumindest nicht diesen Sommer. Tochter wird im September erst eingeschult und Sohnis Schule ist eine Ganztagesschule, die keine Ferienbetreuung anbietet, da kein Hort benötigt wird.

Als mir einige Wochen vor Ferienbeginn ein Flyer des hiesigen Kinderschutzbundes in die Hände fiel, auf dem eine Ferienbetreuung angeboten wurde, meldete ich meine beiden – natürlich nach Rücksprache mit meinem Lieblingsmenschen – für jeweils eine Woche an. Bei einem Preis von 80 € pro Woche und Kind war leider nicht mehr drin. Die Betreuungszeiten waren für täglich 8:00 bis 17:00 Uhr angegeben, Essen und Trinken inbegriffen, lediglich einen Snack für vormittags müsse man mitgeben.

Im Urlaub früh aufstehen kann ich eigentlich nicht so leiden, aber es hilft ja net, also hieß es letzte Woche morgens um sieben Uhr raus aus den Federn, Kinder fertig machen und im Hort der Waldorfschule abliefern.

Ich muss sagen, dafür dass diese Schule relativ zentral liegt, haben die sich wirklich ein hübsches Inselchen eingerichtet. Ein mehrstöckiges Haus, gegenüber die Schule, ein schön bespielbarer Schulhof mit verschiedenen Geräten, eine eigene Turnhalle, der Hort hat eigentlich alles, was das Kinderherz begehrt. Ein großer Garten inklusive Baumhaus und ebenfalls verschiedene Geräte, im Inneren des Horts gibt es ein großes über Leitern erreichbares Spielhaus mit mehreren Räumen, ein grooooßes Sofa wo die Kinder sich ausruhen können, sollte jemals eines müde werden und natürlich gibt es massenweise Holz, mit dem die Kinder spielen und basteln können. Plastikspielsachen sucht man natürlich vergeblich; schließlich reden wir hier über eine Waldorfschule. Ich hab nichts anderes erwartet.

Lieblingsmensch musste mitkommen, da ich egoistischerweise nicht einsah, die ganze Woche morgens allein aufzustehen und alles selbst zu erledigen. Ich bin ein fieses Möp, ich weiß. 😀 Und by the way, die Kinder fandens toll.

Was haben die alles gemacht! Salzteig geknetet, Bilder gemalt [viele!], T-Shirts bemalt und bedruckt [mit Kartoffelstempel und  Textilfarben, glaub ich], sie haben mit Holz gebastelt und gebaut [täglich!] waren draußen [täglich], in der Turnhalle [täglich], Donnerstag ging es dann in den Fuxini Indoorspielplatz und Freitag durften sie sich einen Film ansehen [Despicable Me 2] und dazu Popcorn essen. Sprich, sie hatten alles in allem viiiiel Spaß.

Falls es uns nächstes Jahr finanziell reicht, möchte ich das gern wiederholen.

Töchterchens Kita-Abschlussfest.

Seit Monaten haben die Vorschulkinder sich darauf vorbereitet, haben mehrmals die Woche ihren Auftritt geprobt, und die letzten zwei Wochen hat Töchterchen die Tage gezählt, bis es am vergangenen Freitag endlich so weit war: Die Kita-Abschiedsfeier fand statt.

Aus irgendwelchen Gründen fiel mir erst am Vortag ein, dass ich eigentlich noch ein Kleidchen kaufen könnte; schließlich feiert man so einen Kita-Abschied nur einmal im Leben. Noch kurz abgecheckt, was Töchterchen sich so vorstellt, aha, bunt solls sein, und Pailletten solls haben, mhm, ich schau mal, was der Einzelhandel so hergibt.

Also am nächsten Tag nach der Arbeit noch schnell die Kinder fertig gemacht und dann ab in die Stadt. Ich hasse es, in der Stadt einzukaufen, aber was tut Mama nicht alles für ihre lieben Kleinen. Halbe Stunde zu früh da, H&M macht erst um zehn auf. Naa toll. Hilft net, jetzt bin ich schon mal da, jetzt zieh ich das Ding auch durch. Also irgendwie eine halbe Stunde totschlagen, am Besten ohne dabei irgendwo im Stehen einzuschlafen.

Als um zehn dann endlich die Pforten öffnen und man mir Einlass gewährt, werde ich auch ziemlich schnell fündig. Ein Traum in rosa, mit Tüll und Blümchenpailletten. Gibts das auch in bunt? Nein? Naja, rosa ist ja auch „irgendwie“ bunt. Schon habe ich ein zweites Kleidchen erspäht, als mich ein spontaner Impuls noch in die Ecke mit den Accessoires [ver-]leitet. Dort sehe ich sie: Die Schühchen, die meine Tochter sich schon seit Monaten, achwas, Jahren wünscht. Ich hänge das zweite Kleid wieder an den Kleiderständer und nehme statt dessen in passender Größe ein Paar der farblich perfekt zum Kleid passenden, rosa-glitzernden-Hello-Kitty-Ballerinas.

Im Vorbeigehen noch Basecap für Sohni, Socken, Pflaster und MLP-Haarschmuck abgreifen, bezahlen und dann ab nach Hause. Keine Lust mehr, außerdem habe ich, weswegen ich herkam.

Zuhause angekommen der Blick auf die Uhr: reichts noch für ein Nickerchen? Naja, wird ein kurzes, aber: Es muss. So ganz ohne Vormittags-Nickerchen halte ich keinen ganzen Tag mehr durch. Noch schnell was essen, duschen, Stündchen schlafen, aufstehen, Tochter einsammeln, danach Sohni einsammeln, nochmal kurz heim, [wo der Papa meiner Kinder schon auf uns wartet], Tochter umziehen, und wieder alle ins Auto packen. Der gefühlt tausendste Blick auf die Uhr bringt Erleichterung: kurz nach zwei. Perfekt. Ich mag es wenn ein Plan funktioniert.

Als wir eintreffen, darf sich das Töchterchen auch  gleich in ihr Kostüm werfen. Im Saal angekommen sehe ich, dass schon alle guten Tische [damit meine ich die ganz vorn, von wo aus man etwas vom Auftritt der Kinder sieht] vergriffen sind; wie gut, dass einen davon meine Ma und ihr Partner in Beschlag genommen haben. Ich setze mich dazu, mein Lieblingsmensch ist – Überraschung! – auch schon da. Konnte wohl doch früher Feierabend machen, wie schön.

Sohni ist mit Papa schon wieder draußen, er mag nicht drin sitzen. Lieber geht er spielen. Ich setze mich derweilen hin und plaudere mit meiner Mutter.

Als um halb drei der Saal nahezu voll ist, legt die Kita-Leiterin mit dem Programm los. Alle Kinder marschieren ein und singen gemeinsam ein Lied. Danach verlassen die Kleinen wieder die Bühne und die großen, bereits kostümierten und geschminkten Kinder dürfen ihr Theaterstück vorführen.

Alle Kinder spielen ihre Rollen wirklich großartig. Sie lassen sich sogar von den anderen Kindern, die sich trotz Verbot direkt vor der Bühne aufhalten, die teilweise tanzen, lachen und winken, nicht im Geringsten aus der Bahn werfen. Sie alle sind absolut souverän, und zeigen durch die Bank eine grandiose schauspielerische Leistung. Wenn man bedenkt, was für Lampenfieber mein Kind am Vortag noch hatte, finde ich es erst recht beachtlich, dass sie kein einziges Mal patzt.

Nach dem Theaterstück werden die Schultüten verteilt, und da steht sie dann ganz stolz: mein kleines, großes Mädchen, noch im Kostüm, links und rechts ein Zöpfchen, und grinst wie ein Honigkuchenpferd.

Danach wird die Tochter erst mal umgezogen und die Löckchen befreit. Sie bastelt [Eselsmaske], malt, spielt, tobt, balanciert auf dem Seil und feiert mit der besten Freundin großes Wiedersehen. Naja, bald haben sie es geschafft. Dann ist das Töchterchen auch ein Schulkind, dann sehen sie sich wieder täglich. Ein Glück. War ein hartes Jahr, der Trennungsschmerz war groß. Was haben sie sich vermisst, die Mädels.

Nach dem ganzen Gefeiere helfen noch gaaanz viele beim Aufräumen, und rucki-zucki ist der Saal aufgeräumt, gefegt und die Stühle für den zweiten Auftritt, der am Montag stattfinden soll, aufgestellt.

Schee wars 🙂

Nun noch ein kleines Ratespiel: Wer weiß, was die Kinder vorgeführt haben?