ADHS – ein paar Worte vorab.

Es gibt wenige Dinge, die mich derart auf die Palme bringen wie Leute, die wissentlich oder aus purer Dummheit Ignoranz Falschwissen über das Thema ADHS [Aufmerksamkeitsdefizits-Hyperaktivitäts-Syndrom] verbreiten. Egal ob dies per Blog, TV oder Zeitung oder sonstwie passiert. Das Medium ist egal. Die ADHS-Berichterstattung ist in Deutschland einfach unter aller Kanone, von einigen gaaanz wenigen Ausnahmen mal abgesehen.

ADHS ist KEINE Erfindung der Pharmaindustrie. Wer das nicht glaubt, darf gerne meinen Sohn fragen. Wenn er einen guten Tag hat, kann er dem gesamten Satz folgen, ihn verstehen und beantworten. Je kürzer der Satz, desto größer die Chance auf eine Antwort. Hat Sohnemann dagegen einen weniger guten Tag, was weitaus häufiger der Fall ist, wird er die ersten drei Worte verstehen und sich danach dem Muster der Rauhfasertapete widmen. Für ca. drei bis fünf Sekunden. Oder der Fliege, die es sich gerade auf der Fensterscheibe bequem gemacht hat. Oder er wird rätseln, ob das, was er gerade eben eine Straße weiter gehört hat, ein Motorrad oder ein Musclecar war.

Nein, ich stopfe ihn nicht von früh bis spät mit Süßigkeiten voll. Im Gegenteil. Wir kochen selbst und verzichten nahezu gänzlich auf Fertiggerichte. Sohnemann macht Taekwondo [früher spielte er noch Fußball, ging jede Woche ins Vorschulturnen und besuchte den Kinderchor] und besucht eine E-Schule, von wo er regelmäßig viele lachende Smileys mit nach Hause bringt. Das passt jetzt vielleicht nicht in das Bild, welches viele oder zumindest einige von euch in ihren Köpfen haben von einer Nervensäge von Kind, das einfach nur schlecht erzogen ist. Das ist er nämlich nicht. Er ist freundlich, hilfsbereit, weit über Durchschnitt intelligent und verfügt über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Und um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin keine Psychologin [wobei ich eigentlich bisher immer der Annahme war, das ginge klar aus meinem Blog hervor] sondern einfach nur eine Mutter, die sich manchmal ganz schön allein fühlt mit den Sorgen und Nöten, die durch ADHS verursacht werden. Ich informiere in meinem Blog anhand unseres Beispiels darüber, dass eine medikamentöse Behandlung bei einem ADHS-Kind ein Segen sein kann, aber [in my humble opinion] immer die letzte Option sein sollte.

Nicht jeder Mensch der eine ADHS mit sich herumträgt, spricht gleich gut auf Methylphenidat an. Was meinen Sohn angeht, hatten wir wohl einfach nur Glück. Er verträgt es [Ritalin LA] vergleichsweise gut, bei Medikinet traten ab einer gewissen Dosierung starke Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit und Einschlafstörungen auf. Ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass sich Methylphenidat nicht unbedingt für jeden eignet, der aufgrund der Schwere seiner Beeinträchtigungen eigentlich eine Behandlung bräuchte. Doch ich bin es leid, dass von wenig bis gar nicht informierten Individuen mit dem Finger auf uns Eltern gezeigt wird, nur weil wir in unserer Verzweiflung diese letzte in Frage kommende Option gewählt haben.

Erst kürzlich durfte ich Zeuge einer solchen Aktion werden. Es handelt sich um ein Blog, welches ich seit einer geraumen Weile verfolgte und zuerst recht vielversprechend fand. Dann kam der obligatorische ADHS-Eintrag [weil schließlich darf ja jeder im www seine Meinung kundtun, und möge sie noch so vor nicht vorhandenem Wissen strotzen] und meine Enttäuschung war natürlich groß. Ich gab meinen Senf dazu [der Kommentar wurde selbstverständlich zurück gewiesen. Ein Schelm wer Böses dabei denkt ;) ] und beschloss aus Gründen der Nervenschonung, diesem Blog nicht länger zu folgen. Ich möchte nicht ins Detail gehen, es war das übliche Blabla à la “pfuibäh böse Medikamente” oder “püh schämt euch ihr faulen, verantwortungslosen Elternsäcke die ihr eure armen, hypersensiblen Kinder denen doch überhaupt nichts fehlt unter Drogen setzt!”

Eigentlich sollte mich so etwas kalt lassen. Weiß der Geier warum mich dieses Thema derart auf die Palme bringt. Vielleicht weil ich sehe, wie sehr ein Kind mit unbehandelter ADHS leidet. Und vielleicht auch deshalb, weil man zu Zeiten meiner Kindheit noch nichts von ADS/ADHS wusste. Und die mangelnde Konzentrationsfähigkeit ist wohl noch das kleinste Problem, das diese Kinder haben. Unfähigkeit, dauerhaft Freundschaften aufrecht zu erhalten und daraus resultierende Einsamkeit. Die Hilflosigkeit, wenn in einer frustrierenden Situation einfach die Worte fehlen und die einzige Möglichkeit, dem Frust doch noch Luft zu machen, Schreien und Toben ist. Keine Erfolgserlebnisse zu haben. Egal, wie sehr man etwas versucht und wie sehr man es endlich lernen möchte, es will einfach nicht klappen. [Nur um klar zu stellen: wir sprechen hier nicht davon, einen Origami-Kranich zu falten, sondern von den einfachSTEN Dingen, welche selbst das jüngere Geschwisterkind bereits beherrscht!] Und daraus resultierend, klar was sonst: noch mehr Frust. Kurz: ADHS wird nur allzu schnell zum Teufelskreis.

Also: Wenn Eltern sich dazu durchringen [weil anders kann man das wohl kaum bezeichnen], ihrem Kind Methylphenidat zu geben, dann tun sie das, weil sie ihrem Kind helfen wollen. Sie haben höchstwahrscheinlich alles andere schon versucht und sind an einem Punkt angelangt, an dem das Kind trotz aller Anstrengung [und Unterstützung seitens der Eltern] nicht mehr voran kommt. Sie wollen, dass es ihrem Kind gut geht, dass es ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt. Soziale Kontakte finden und vor allem: behalten. Wie andere Kinder Erfolgserlebnisse zu haben, das Potenzial ausschöpfen zu können.

Im Zusammenhang mit ADHS wurden “allein erziehende, überforderte Mütter” erwähnt, die “durch ADHS Aufmerksamkeit wollen”. Meine Erfahrung  sagt: Mütter, deren Kinder tatsächlich von ADHS betroffen sind, schämen sich viel zu sehr, weil sie natürlich die Schuld [aufgrund oben genannter einseitiger bzw. gezielter Falsch-Berichterstattung der Medien] bei sich selbst suchen. Sie würden sich eher die Zunge abschneiden, als sich freiwillig durch die ADHS des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. Jede Mutter eines ADHS-Kindes, die mir bis dato begegnet ist, hat – wenn überhaupt – erst dann mit der Sprache rausgerückt nachdem ich von meinem Sohn erzählt hatte.

Ich weiß wirklich nicht, was ADHS mit allein erziehenden Müttern zu tun haben könnte.

Weiß eigentlich irgendjemand von denen, die Zeter und Mordio schreien, was ADHS genau macht? Ich habe es an anderer Stelle bereits erwähnt, doch ich tue es gern ein weiteres Mal. Bei einem Menschen, der ADHS hat, ist – grob umrissen – der Hirnstoffwechsel gestört. Die Impulse zwischen den Zellen werden nur bruchstückhaft weiter gegeben -> der Betroffene kann sich nur schwer oder gar nicht konzentrieren; hierfür ist der beschleunigte Dopaminabbau verantwortlich. Eine Medikation mit Methylphenidat reguliert die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen und die Signale können so richtig empfangen und verarbeitet werden. Sprich: der/die Betroffene kann sich – im Idealfall – plötzlich über einen längeren Zeitraum hinweg konzentrieren und wirkt insgesamt “ruhiger” bzw. “sortierter”.

Nochmal zum Mitschreiben: ADHS bedeutet NICHT, dass ein Kind zuwenig Aufmerksamkeit bekommt. Oder dass es von den Eltern vernachlässigt wird.

Leute, bitte: Bevor ihr jemanden verurteilt, oder noch besser: Eure Esoterik-Weisheiten Euer Nicht-Wissen verbreitet an Leute, die unterm Strich eigentlich professionelle Hilfe brauchen, informiert euch!

Danke.

31 Gedanken zu “ADHS – ein paar Worte vorab.

  1. Hallo Michi, ich musste sehr schmunzeln, als ich diesen Beitrag las. Den hätte zum Teil auch meine Mom schreiben können. 😉 Ich kann deinen Unmut gut nachvollziehen. Mein Bruder ist selbst ein Hyperaktiver und bringt meine Mom bis zum heutigen Tage (er ist inzwischen 22) zeitweise noch immer zur Verzweiflung. 😉 Er hat sehr gelitten unter den vielen Besuchen von Ärzten, Therapeuten, Psychologen – denn alle haben ihn als „zurückgeblieben“ und „nicht sozialfähig“ eingestuft. ADHS war damals erst im Kommen und wurde noch unter „Esoterik“ geführt. Ebenso hatten wir alle, die ganze Familie, unter den „gutgemeinten“ Erziehungs-Ratschlägen von anderen Eltern, Lehrern, etc. zu leiden. Mein Bruder hat eine Zeit lang auch Medikamente bekommen, diese aber nicht mehr nehmen wollen, da er, wie er es damals ausdrückte mit seinen 7 Jahren, „nicht mehr klar denken und sehen“ konnte. Vermutlich waren sie nicht richtig eingestellt. Ich sehe die Behandlung mit Medikamenten selbst eher kritisch, da ich finde, wir versuchen diesen meist schon genialen Menschen unsere Sichtweise aufzudrängen, wie ein Mensch zu funktionieren hat. Aber das ist meine eigene Ansicht.
    Ich finde es toll, dass du dich soviel mit damit auseinandersetzt und es nicht, wie vermutlich die meisten, einfach von dir und auf das Kind schiebst. Lass dir da von anderen nicht reinreden. Eine persönliche Frage habe ich allerdings, falls du gestattest: Würdest du dich selbst als einen geduldigen Menschen bezeichnen? Und wenn dein Sohn eher einen „schlechten“ Tag hat, bist du dann trotzdem ausgeglichen?
    Liebe Grüße,
    Christine

    1. Erst mal danke für deine ehrlichen Worte =) Ich würde sagen, vom Gemüt her bin ich definitiv nicht besonders geduldig. Doch in Zusammenarbeit mit Therapeuten und meiner sozialpädagogischen Familienhelferin, welche uns fast drei Jahre begleitet hat, habe ich sozusagen gelernt, mit Sohnis Besonderheit umzugehen. Ich nehme vieles gelassener seit ich weiß, was mit ihm los ist und kann sehr viele schwierige Situationen augenzwinkernd entschärfen. Natürlich gelingt es nicht immer, und dann wirds auch schon mal ein bisschen lauter bei uns. Wenn Sohni einen schlechten Tag hat, hängt es daher immer noch von meiner eigenen Tagesverfassung ab, wie der Tag läuft.

      1. Ich danke dir für deine ehrliche Antwort. Und das Lauterwerden kenne ich nur zu gut. Sie stellen eben den eigenen Geduldsfaden enorm auf die Probe. 😉 Ich glaube auch, Augenzwinkern ist eine der besten Methoden, mit ihnen umzugehen. Sie haben eben einen riesigen sturen Dickkopf, aber gerade den liebe ich tatsächlich so an meinem Bruder. 😉 Liebe Grüße, Christine

  2. Hi Michi,
    sehr gut beschrieben, ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Den Königsweg gibt es leider nicht. Trial and Error. Mein Sohn hat Ritalin überhaupt nicht vertragen und ein leichtes Tourette ( Ticks ) entwickelt. Also war Ritalin keine Option mehr. Ich habe das Zeug mißbraucht, liegt an meiner Vorgeschichte und meiner Suchtpersönlichkeit. Ich kenne aber genug Beispiele, wo sich das Ritalin als wahrer Segen erwiesen hat. Bloß nicht dogmatisch werden.

    Wir sind damals an die Schule gegangen, haben mit Jannis ( mein Sohn ) Therapeuten Vorträge gehalten. Und teilweise haarsträubendes erlebt. Werde ich in meinem Blog noch einiges zu schreiben.

    By the Way: Feines Blog hast du hier.

    Liebe Grüße

    Ralf

    1. Danke für deine offenen Worte. Bei uns war es eher umgekehrt, er hat Medikinet nur in ganz schwacher Dosierung vertragen und hat sehr bald mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen gehabt [nahezu keinen Appetit mehr, abends stundenlanges Wachliegen bzw. massive Einschlafschwierigkeiten] und sind deshalb auf Ritalin umgestiegen, wodurch Sohni – zum Glück – wieder einschlafen kann und auch seinen Appetit wiedergefunden hat.

    2. Achso, was ich wegen den Tics noch schreiben wollte: Sohni hatte vor der Medikation extrem ausgeprägte Tics. Zappeln war noch das Harmloseste davon. Die sind ab dem ersten Tag der Medikation nahezu zur Gänze verschwunden.

  3. Hey Michi, freut mich, dass du meinem Blog folgst. Darf ich diesen Artikel auf meinem Blog verlinken? Finde deinen Bericht und deine Meinung sehr aussagekräftig und interessant. lg

      1. Ich habe zu danken. Die allermeisten tatsächlich betroffenen Familien bleiben auch im Internet lieber „unter sich“, soll heißen in entsprechenden ADHS-Communities, weswegen man zum Beispiel hier bei wordpress von ihnen wenig bis gar nichts zu lesen bekommt. Dem entsprechend nutzen diesen „freien“ Raum eher Naturheilkundler bzw. Esoteriker, um die [leider weniger gut informierte] Gegenseite zu vertreten. Unter anderem aus diesem Grund habe ich mich für einen Blog bei WordPress entschieden, um nicht-selbst-Betroffenen einen Einblick zu gewähren. =)

      1. Ich würde sogar behaupten, das ist mit abstand das best-recherchierte Stück Film bezüglich diesem Thema das ich jemals gesehen habe. Und besser als jede geschriebene und sonstwie medial veröffentlichte Abhandlung dazu.

  4. Dieser Beitrag im Bereich ADS / ADHS ist gut und richtig.

    Aber ich darf vielleicht ganz kurz noch auf eine wirre These zu Autismus hinweisen.

    http://innerwelt.wordpress.com/2014/04/15/offener-brief-an-das-hannover-congress-centrum-und-die-stadt-hannover-betriebsausschuss-stadtische-hafen-und-hannover-congress-zentrum/

    Dieser wird oft mit ADHS und ADS verwechselt oder tritt gemeinsam auf. Da wir beides bei den Kindern haben, regt mich der Gedanke, mit Bleichmitteln diesen wegätzen zu können massiv auf.

    Die Unterschriften – Liste ist noch offen.

  5. Hallo Michi,
    am Wochenende bin ich zufällig auf Deinen Blog gestoßen und irgendwie hat er mich nicht mehr losgelassen. Nicht weil ich jetzt akut Hilfe benötige, sondern weil ich vor acht Jahren genausowas im Internet gesucht, aber nicht gefunden habe. Damals war ich in der gleichen Situation, wie Du sie hier so offen beschreibst.

    In allen Foren kam es bei dem Thema ADHS irgendwann zum Streithema um die Medis. Für Eltern, die Hilfe und Erfahrungswerte suchten, wenig hilfreich. Die ohnehin präsenten Sorgen und Ängste wurden nur verschlimmert, aber den einen richtigen Weg gab es auch nicht. Also hielt ich es wie Dein Lieblingsmensch: ADHS + Internet = Tabu!

    Stattdessen las ich mich durch dicke Wälzer und ging Kinderärzten und-psychologen auf die Nerven, um Input zu bekommen. Mein Großer war sechs Jahre alt, als er über ein halbes Jahr medizinisch auf den Kopf gestellt wurde. Er war schon im Kindergarten verhaltensauffällig, fand keine Freunde, hatte Schwierigkeiten sich auf eine Sache zu konzentrieren und wurde als Störfaktor angesehen. Für mich war mein Junge ok, er war halt lebendig, hatte Flausen im Kopf und meistens gute Laune. Das letzte, was ich wollte, war meinem Kind irgendwelche Drogen zu geben und ihn lethargisch in einer Ecke sitzen zu haben.

    Bei ihm wurde ADHS festgestellt, u.a. psychomotorisches Turnen in die Therapie einbezogen und letztendlich bekam er auch MPH. Er ist kein “Ritalin-Zombie” geworden, dafür ist er derselbe aufgeweckte Junge geblieben, der damit die Möglichkeit bekommen hat, Freundschaften zu schließen und sein ganzes Potenzial, auch in der Schule, auszuschöpfen. Mittlerweile sind wir in seiner Pupertät angekommen, ADHS ist hier nur noch ein Randthema.

    Es gibt anscheinend doch noch die gleichen Vorurteile und Aufklärungsbedarf wie damals, die Ängste vor Langzeitschäden usw.. Ich könnte jetzt einen Roman schreiben, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Du veranlasst mich dazu, mein ganz persönliches Tabuthema doch auf meinem recht neuen Blog anzugehen;-) Mal schauen.

    Liebe Grüße
    Sam

    1. Hallo Sam! Und danke für deinen ausführlichen Kommentar und dein positives Feedback. =) Dass sich an der allgemeinen Haltung gegenüber Ritalin noch nichts spürbar geändert hat liegt mE hauptsächlich an der immer noch sehr einseitigen allgemeinen Berichterstattung. Eine Schande ist das, dabei könnten erwachsene ADHS-Betroffene und die Eltern von den betroffenen Kindern wirklich ein Sprachrohr gebrauchen, und nicht nur das. Aber wem sag ich das, du weißt ja genau, worum es hier geht.
      Ich bin übrigens wahnsinnig neugierig darauf, von „Leidensgenossen“ zu lesen.
      Bis bald und liebe Grüße,
      Michaela

  6. Toller Aufklärungsartikel. Was ich auch schlimm finde, sind die, die einfach Diagnosen stellen, ohne, dass sie ernsthaft gesichert sind – oder noch schlimmer: Eltern, die sagen: Mein Kind hat ADHS – und das Kind hat noch kein Arzt gesehen deswegen. Ich hoffe der Artikel kommt hier und da an der richtigen Stelle an. Ich weiß wie $/()$%/ das ist, wenn andere meinen über eine „KRankheit“ bestens BEscheid zu wissen und man deswegen abgestempelt wird. Traurig.

  7. Hey Michi!
    Danke für diese wertvollen Informationen!
    Ich hoffe, Du reißt mir jetzt nicht den Kopf ab, aber ich muss gestehen, dass ich vor einigen Jahren noch zu den Leuten gehörte, die ADHS unterschätz haben. Diese Diagnose wurde nämlich bei meinem Lieblingsneffen gestellt. Die Eltern kamen dank medikamentöser Behandlung recht gut damit zurecht und er auch.
    Ich allerdings dachte eher sowas wie „Ach Mensch, ADHS? Nur, weil er ein Bisschen lebhafter ist?“ und hielt die zwischenzeitigen Berichte der Eltern und ihre „Beschwerden“ für absolut übertrieben.
    Was soll ich sagen? Jugendliche Dummheit und Arroganz halt…
    Und dann – muss so ca. 10 Jahre her sein – musste mein Neffe „umgestellt“ werden, weil er das Medikament nicht mehr vertrug und überhaupt keinen Appetit mehr hatte.
    Und da habe ich ihn das erste Mal OHNE Medikamente erlebt.

    Das hat mir einen ganz schönen Dämpfer versetzt; und das war nur eine lumpige halbe Stunde!
    Seitdem reiße ich meine Klappe nicht mehr so weit auf, wenn ich keine Ahnung habe… Da habe ich mich ganz schön für mich selbst geschämt!
    Insofern kann ich Dir nur beipflichten: Wenn die Medikamente helfen, dann sollte man sie auch helfen LASSEN! Man kann manchmal ein wenig über Ernährung oder Sport „abfangen“, aber das geht nicht bei jedem und reicht auch oft nicht aus.
    Also warum dann nicht ein Medikament geben? Wie soll so ein junger Mensch denn sonst all das schaffen, was andere können? Oder auch einfach mal selbst zur Ruhe kommen?
    Ach ja, und bezüglich der „böse Drogen-Fraktion“: Da kommt ja auch oft das Argument, man wolle auch keine „böse Chemie“ im Körper haben. Hab ich nie verstanden: Der menschlichen Körper ist Chemie!
    Ich drücke Dir bzw. Euch ganz ganz fest die Daumen, dass Ihr alle zusammen ein wunderbares Leben führen könnt!
    Und meine Hochachtung, dass Du Dich und Ihr Euch nicht unterkriegen lasst! 🙂

    1. Ich danke dir für deine lieben Worte =) Ebenso wie du hatte ich keinen blassen Schimmer von der Materie, als der Kinder- und Jugendpsychotherapeut das Thema „mögliche ADHS“ bei unserem Sohn, ich glaube er war gerade fünf, erstmals ansprach. Es war ein Prozess, während dem ich mich in großem Maße damit auseinandersetzte, alles an Informationen verschlang, um diese Störung zumindest ansatzweise begreifen zu können. Nebenbei beschlich mich der Verdacht, dass ich selbst ebenfalls betroffen sein könnte. Ich werde, sobald ich ein bisschen Luft habe, selbst bei einem ADHS-Spezialisten vorstellig werden.

      1. OK, dann drücke ich Dir mal die Daumen! Nur wofür? Eigentlich ist es ja immer gut, eine Krankheit/Störung NICHT zu haben; andererseits, wenn man das Gefühl hat, mit einem könnte „etwas nicht stimmen“, kann es eine große Erleichterung sein, dies per Diagnose „bestätigt“ zu bekommen. Zumal man dann ja auch aktiv was dagegen tun kann!
        Also: Drücke ich die Daumen, dass Du es hast, oder dass Du es NICHT hast? 😉

      2. Danke fürs Daumendrücken =) und um deine Frage nach dem Wofür zu beantworten: Dass das Kind unter Umständen endlich einen Namen hat. Und vielleicht damit ich weiß, dass ich mich deshalb mein ganzes Leben lang schon abkämpfe, nur um wieder und wieder zu erfahren, dass ich in vielen Belangen einfach anders funktioniere als die meisten anderen.

      3. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, ich hatte auch schon mal Hoffnungen in einen ganz bestimmten Test gesteckt… *Daumendrück* 🙂

  8. Heyhey,

    muss sagen das ich Deinen Bericht, so einseitig wie er gehalten ist, nicht wirklich gutheißen kann. Das ADHS existiert steht außer Frage. Nein, die Frage ist, ob es wirklich bei den meißten nötig ist.

    „Also: Wenn Eltern sich dazu durchringen [weil anders kann man das wohl kaum bezeichnen], ihrem Kind Methylphenidat zu geben, dann tun sie das,
    weil sie ihrem Kind helfen wollen. Sie haben höchstwahrscheinlich alles andere schon versucht und sind an einem Punkt angelangt,
    an dem das Kind trotz aller Anstrengung [und Unterstützung seitens der Eltern] nicht mehr voran kommt.“

    Das kann ich nicht glauben. Nicht alle Eltern tun das, genau das ist das Problem. Das es Kinder gibt die vernachlässigt werden ist keine Fiktion.
    Ich kann nicht nachvollziehen wie Du Dich fühlst, aber ich glaube da Dein Kind wirklich ADHS hat, bist Du für die Problematik hypersensibiliert. Was sich auch
    durch die mehrfache Darlegung, dass es Dich auf die Palme bringt, äußert. Man kann es einfach nicht auf 100% der 250.000 Kinder, die in Deutschland
    Ritalin nehmen, projezieren. DAS ist das große Problem. Denk an die Kinder die tatsächlich vernachlässigt werden. Menschen sind so.

    Geh nicht von Dir aus. Gute Menschen glauben an das Gute im Menschen.
    Das ist sympathisch, aber naiv.

    „Meine Erfahrung sagt: Mütter, deren Kinder tatsächlich von ADHS betroffen sind, schämen sich viel zu sehr, weil sie natürlich die Schuld [aufgrund oben genannter einseitiger bzw.
    gezielter Falsch-Berichterstattung der Medien] bei sich selbst suchen“

    Auch wenn das Wort „tatsächlich“ in diesem Satz meine Aussage, bezogen auf den Satz, falsch macht, muss ich es einfach fragen. Wer würde zugeben, dass er seinem Kind Ritalin gibt, weil er sich nicht
    um es kümmern will/kann, unabhängig eventueller guter Gründe, wie Dauerstress? Wer würde zugeben, dass er nicht alles/fast alles probiert hätte? Es gibt eine Menge Gründe nicht herumzutragen das man seinem Kind Amphetamine gibt. Das ist ein Problem. Du kennst Menschen, die wirklich krank sind, und projezierst es auf alle, da es Dich so bewegt und die Ignoranz der Menschen, es auf Faulheit der Eltern zu reduzieren, gerechtfertigterweise wütend macht. Doch da greift unbewusst der Effekt des Aberglaubens. Menschen merken sich nur die Dinge die positiv ins Raster passen und nicht die, auf die es nicht zutrfft. So entsteht Abgerglaube. Das kann man nicht aktiv beeinflussen, auch wenn man sich dieses Effekts bewusst ist. Ich wollte es jedoch aussprechen, da Kinder die fälschlicherweise Ritalin kriegen, existieren und Dein Bericht nur sehr latent darauf eingeht. ADHS ist kein Witz, aber ich sorge mich um die Kinder schlechter Eltern. Bitte projeziere Deinen Kampfgeist auf das Wohl der Kinder auch aus dieser Richtung. Dein Bericht ist eine Gewissenserleichterung für Raben.

    Ich bin mir sicher das Du über Ritalin wesentlich besser bescheid weisst als ich. Ich muss jedoch sagen, das wir Methylphenidate als Droge konsumieren. Das Zeug knallt… Ist halt ein Amphetamin… Als Dein Sohn Appetitlosigkeit und Schlafstörungen hatte, war er high. Sehr gut, dass er dieses eine Präparat nicht mehr kriegt und sry das ich Dir Angst mache. Die Dosierung machts. Ich bin auf Deinen Blog gestoßen, da ich von diesem Zeug gerade seit über 48h wach bin. Unfreiwillig. Und es darum einfach mal gegoogelt habe. Ich bin überzeugt, Du musstest Dich durchringen, da es in Deinem Fall alternativlos ist, aber denk an die Kinder die es nicht brauchen und „auf Drogen“ sind. Hast Du es mal selbst genommen? Wenn Dein Sohn schlafen kann ist das ein sehr gutes Zeichen! Obwohl schlechter Schlaf leider auch nicht so einfach darauf zu reduzieren ist… Ich wünsche Euch das beßte und schäme mich ein wenig zu sagen, dass ich diese Seite wohl nicht wieder besuchen werde. Aber nicht aus Ablehnung 😉 Einfach aus egoistischem Desinteresse. Meine Scham bezieht sich dabei vorwiegend darauf, Dir effektiv nicht die Möglichkeit zu geben, Dich mir gegenüber zu erklären. Hoffentlich kriegst Du keinen Burnout. Meine Mutter musste Sich allein um alles kümmern, ich glaube Du weisst auf was ich hinaus will…

    Beste Wünsche, David

  9. Hallo Michi,
    ich bin durch ein bisschen Hier-und-da-Gelese auf diesem Blog gelandet. Gut so! Ehrlich gesagt habe ich keinen wissentlichen ADHS-Fall in meinem Umfeld, mein Cousin passt aber gut in das Schema (jetzt erwachsen). Wahrscheinlich hätte ich mich mit diesem Wissen im Hinterkopf besser in ihn hineinversetzen können. Und auch (aber das ist utopisch, war selbst noch ein Kind) seine Mutter unterstützen können. Ich danke Dir auf jeden Fall für die Energie und den Aufwand, den Du betreibst, und mit dem Du uns hier ins die Thematik ADHS einweihst.
    Ist, ich muss da auch an unsere Komiker denken, tatsächlich ein einseitig betrachtetes Feld in den Medien/in der Gesellschaft. Wobei Humor ja irgendwie alles erlaubt.
    Naja, viele Grüße und alles Gute!
    aprilwirbel

  10. Moin aus Schleswig-Holstein, lass dich bloss nicht verunsichern 🙂 Es wird immer wieder Menschen geben, welche die Existenz von ADHS leugnen oder Eltern verteufeln, welche ihren Kids Medis geben. Kopf hoch 🙂 GLG Sprotte

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