Anamnesegespräch

Heute war ich mit der Tochter bei meinem ADHS-Facharzt. Eine Woche zuvor hatte bereits der erste Teil des Gesprächs stattgefunden, allerdings ohne sie. Da bei solchen Gesprächen teils negative Aspekte besprochen werden hatte  mich die Ärztin gebeten, meine Tochter zu  Hause zu lassen.  Es wurden die obligatorischen Fragebögen abgearbeitet und ich nannte die Reizfilterschwäche als Hauptursache für ihre Schwierigkeiten im [Schul-]Alltag.

Heute kam also das persönliche Gespräch zwischen der Ärztin und meiner Tochter an die Reihe. Mich schickte sie gleich zu Anfang aus dem Raum, einfach um die kleine Patientin unverfälscht zu erleben.

Da ich selbst die gesamte Diagnostik bereits zweimal erlebt habe, einmal als es um meinen Sohn ging und einmal bei mir selbst, habe ich natürlich eine ungefähre Ahnung, was sich abgespielt haben dürfte: diverse kognitive und motorische Tests, um eine Vorstellung vom Entwicklungsstand des Patienten zu bekommen.

Nach anderthalb Stunden verließen beide  den Raum und die Ärztin bat mich zum kurzen Fazit zu sich. Im Großen und Ganzen habe sie nicht viel feststellen können, meinte sie. Doch so ein Gespräch sei eben immer nur eine  Momentaufnahme und zeige daher lediglich einen Bruchteil des Ganzen. Jedoch sei auffällig dass meine Tochter auf jeden kleinen Reiz von Außen reagiere und ihre Antennen im Grunde genommen immer auf Empfang stünden. Was sich wiederum mit den von mir gemachten Beobachtungen deckt. Ich stimmte ihrer Aussage daher zu und fügte hinzu dass ihre Reizfilterschwäche tatsächlich ein massives Problem darstelle.

Jedoch muss man ihr zugestehen,dass sie in den vergangenen Monaten im Hinblick auf nahezu jede ihrer „sozialen“ Baustellen enorme Fortschritte gemacht hat. Dies bestätigte sogar ihre Klassenlehrerin beim Elterngespräch am vergangenen Donnerstag. Alles in allem habe sie sich enorm stabilisiert, was meiner Vermutung zufolge nicht zuletzt der Abmeldung im evangelischen Kinderhort geschuldet sein dürfte.

Was besagte Hortbetreuung angeht…  Rückblickend habe ich mich in mehr als nur einer Variablen vertan : die Kompetenz der dortigen Betreuer habe ich über- und die Ausprägung ihrer Reizfilterschwäche dagenen grob unterschätzt. Sie direkt nach der Einschulung – was an sich schon eine völlig neue Situation darstellt – in die Nachmittagsbetreuung zu stecken hat sie schlichtweg überfordert.

Was meine persönliche Bewertung der Kompetenz dieser Betreuer angeht mag ich ungerecht wirken oder eine überzogene Anspruchshaltung haben, zumindest in den Augen Einiger von euch. Doch es gab dort genau zwei Betreuer, einer von ihnen der Hortleiter, die mit meiner Tochter umgehen konnten. Unmöglich scheint es also nicht zu sein.

Wie dem auch sei, die Hausaufgaben macht sie seit einem halben Jahr zuhause und hier klappt es meistens absolut reibungslos, was im Hort zum Schluss ein einziger Kampf war und sie sich trotzdem zuhause nochmal hinsetzen musste, weil sie im Hort trotz ausreichender Zeit nicht fertig geworden ist.

In drei Wochen ist ihr nächster Termin, diesmal zur eigentlichen Diagnostik, ich bin ja schon sehr neugierig darauf, was wohl der Arzt dazu meint.

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