Gedankenkotze

Jetzt, da ich die Medikamente seit etwa zwei Monaten einnehme, merke ich wie ich mich langsam aber sicher an die Gelassenheit gewöhne, die ich die meiste Zeit des Tages empfinde.

Eine äußerst willkommene Gewöhnung. Da ich jetzt weiß wie es sich anfühlt bzw. dass ich überhaupt – wenn auch mit Hilfe von außen – dazu fähig bin, so etwas wie Gelassenheit zu empfinden, weiß ich ebenso dass ich nie wieder dorthin zurück will wo ich noch vor wenigen Monaten stand.

Es ist bitter, sich selbst eingestehen zu müssen, dass die Anderen Recht hatten.

Menschen die mich heute hassen oder zumindest verachten…

Menschen die Dinge schrieben und sagten lediglich in der Absicht, mich damit bloßzustellen, mich zu verletzen, mein Leben zu zerstören. Menschen die ich einmal sehr gern hatte. Menschen denen ich nur zu gern vertraut hätte.

Doch ich konnte nicht. Vielleicht war es eine Art selbsterfüllende Prophezeiung dass sie sich gegen mich wandten, vielleicht war es auch einfach nur mein Instinkt der mich davon abhielt zu glauben, was jene Menschen mir gegenüber äußerten.

Weil sich letzten Endes heraus stellte, dass nichts von alldem stimmte, was sie zu mir sagten. Alles Lüge.

Aggressiv, hasserfüllt, verbittert, verletzend.

Ja, all das war ich. All das bin ich, wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle.

Vor einiger Zeit führte ich ein Telefonat mit meiner Ma. Sie meinte, ich sei meinem Vater wahnsinnig ähnlich.

Mein Misstrauen in meine Mitmenschen.

Die Tatsache dass ich Menschen mögen kann – sehr sogar – und ihnen dennoch nicht weiter traue als ich sie werfen kann.

Dieses Misstrauen, es ist Segen und Fluch zugleich.

Ich fühle mich durch dieses Misstrauen zumindest ein Stück weit sicher vor den Spielchen, die meine Mitmenschen spielen.
Menschen die sich das Vertrauen anderer Menschen erschleichen um sie an ihrer verwundbarsten Stelle treffen zu können.
Welches kranke Hirn spuckt solche Ideen aus?

Und ich? Ich lege Fallen aus. Und dann warte ich. Und beobachte. Ich denke mir nichts dabei, ich tue es einfach. Und wenn wieder mal eine Falle zuschnappt dann weiß ich, dass ich Recht hatte.

Menschen deuten mein Schweigen als Desinteresse. Ich bin durchaus interessiert. Nur eben nicht daran, zum drölften Mal irgendeinem verlogenen A****loch auf den Leim zu gehen.

Und dann hindert mich dasselbe verdammte Misstrauen daran, Freundschaften zu schließen mit Menschen, die mir vielleicht gar nichts Böses wollen. Menschen, die mich möglichweise sogar mögen [könnten].

Aber ich lasse sie nicht. Ich will nicht, dass sie mich mögen. Menschen die mich mögen sind mir suspekt.

Manch Einer würde jetzt sagen, das wird schon daran liegen dass ich mich selbst nicht mag. Und vielleicht hätte er damit sogar Recht.

Der Mensch von dem ich noch am ehesten behaupten könnte, ich würde oder könnte ihm vertrauen, ist mein Lieblingsmensch. Wir sind jetzt über sechs Jahre zusammen und gaaaaanz langsam aber sicher sprießt ein Pflänzchen, das man durchaus als Vertrauen – zumindest ansatzweise – bezeichnen könnte.

Und dann…

Dann biegt eine alte Bekannte ums Eck.

Angst. 

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Ein Gedanke zu “Gedankenkotze

  1. Es ist bitter, wenn die anderen Recht hatten. Aber genauso bitter, wenn sie immer falsch lagen.
    Warte ab. Der grösste Unterschied mit Medi ist, neben der Gelassenheit, zwischen sich und den Anderen unterscheiden zu lernen und einen Selbstwert entwickeln zu können.
    Dann braucht es keine Fallen mehr.
    Denn mit dem Selbstwert kommt das Vertrauen, in das eigene Urteil, auch über andere.
    Kopf hoch!

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