Family affair

Vor einiger Zeit gab es bei Twitter das Hashtag „regrettingmotherhood“, das bedeutet  Frauen sprechen / schreiben darüber, warum sie [manchmal] bereuen, Kinder in die Welt gesetzt zu haben.

Ich habe lange darüber nachgedacht ob das vielleicht auch auf mich zutreffen könnte. Und kam zu dem Schluss dass ich was die Kinder angeht durchaus zwiegespalten bin.

Ich würde jetzt nicht so weit gehen und behaupten, dass ich es bereue, denn das tue ich nicht. Zumindest würde ich es nicht als Reue bezeichnen.

Nur… wenn ich all das was ich heute [über mich] weiß schon damals gewusst hätte… ich weiß nicht ob ich nochmal dieselben Entscheidungen treffen würde. Aber nicht weil ich es bereue, sondern weil ich mich schuldig fühle, verantwortlich dafür, dass meine Kinder erhebliche Schwierigkeiten haben und auch künftig haben werden. Ob ihnen das in Zukunft ermöglicht, über sich herauszuwachsen oder ob es Underachiever aus ihnen macht, kann ich jetzt noch nicht absehen.

Mein Sohn hat AD[H]S. Meine Tochter allem Anschein nach ebenfalls. Sie zeigt viele Symptome und typische Verhaltensweisen und ob sie es hat oder nicht wird sich nächsten Monat im Kinderzentrum herausstellen.
Nun weiß ich seit einigen Wochen, dass ich selbst ebenfalls davon betroffen bin.

Der Facharzt hat bei einem unserer Termine etwas zu mir gesagt, was ich zwar schon länger vermutet doch nicht mit Sicherheit gewusst habe. Es hat sich in mein Hirn eingebrannt: „Es gibt zwei Dinge die ziehen sich wie ein roter Faden durch die Generationen einer Familie: AD[H]S und Depression.“

Vielleicht ist es idiotisch, mit Sicherheit jedoch sind es irrationale Schuldgefühle, die ich aber nicht so ohne Weiteres abstellen kann. Ganz sicher habe [unter anderem] ich die Veranlagung an meine Kinder weitergegeben. Und womöglich auch eine genetische Disposition die Depressionen begünstigt.

Damit muss ich leben. Und irgendwie meinen Frieden damit machen.

Ich bzw. wir geben unser Bestes, um den Kindern so viel wie möglich mit auf den Weg zu geben… das muss wohl genügen, um mein Gewissen zu beruhigen.

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7 Gedanken zu “Family affair

  1. Ich kenne dich nur von deinem Blog.. aaaaber.. bei Leibe nicht alle Eltern machen sich soviele Gedanken um ihre Kinder, beileibe nicht alle sorgen so sehr für sie wie du. Frau (lehrerin) berichtet immer wieder von Eltern, die sich weigern, mit ihrem Kinderarzt oder einem Schulpsychologen zu sprechen.
    Schudig fühlen für Krankheiten… das mag bei Geschlechtskrankheiten nach einem Seitensprung angezeigt sein, ganz sicher aber nicht für ADS oder Depressionen. Mal ganz davon abgesehen werden deine Kids behandelt, du gibst ihnen damit Wege, die dir nicht offenstanden.
    „Ich bzw. wir geben unser Bestes, um den Kindern so viel wie möglich mit auf den Weg zu geben… das muss wohl genügen, um mein Gewissen zu beruhigen.“
    Das sollte nicht nur dein Gewissen beruhigen, sondern dich ganz schön stolz auf euch machen.

    1. Danke für deine aufmunternden Worte 🙂
      Ich hab halt kaum Vergleichsmöglichkeiten, und sehe mich selbst immer als… naja, vielleicht sehe ich eher meine Schwächen als meine Stärken -.-*

  2. Kenne ich. Geht mir auch so. Habe ähnliche Diagnosen. Mein Mann hat auch ADHS und Depressionen und unsere Tochter wird gerade getestet.
    Ich quäle mich auch immer wieder mit der Schuldfrage, wobei ich glaube es ist gut zu wissen was man hat und das man sich wenn es nötig ist Hilfe holt.

    LG desweges

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