„Fettlogik überwinden“ und was ich jetzt damit anfange

Ist ja nun kein Geheimnis, dass ich ein erzaehlmirnix fangirl bin. Nun hat sie ein Buch geschrieben, und zwar nicht irgendeins, sondern „Fettlogik überwinden“ und sie räumt ordentlich auf mit all den bekannten Mythen rund ums Abnehmen.

Aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen habe ich es seit der Geburt meiner Tochter nicht geschafft, zu meinem Vor-Schwangerschafts-Gewicht zurück zu kehren. Nein, natürlich kenne ich die Gründe sehr genau, grob umrissen eine Mischung aus Inaktivität durch Burn-Out-bedingte Antriebslosigkeit und verändertem Essverhalten. Und die Tatsache, dass ich – im Gegensatz zu „davor“ sprich bevor ich Kinder hatte – keinen Sport mehr betreibe. Damals bewegte ich mich fast täglich, entweder draußen beim Skaten oder Schwimmen oder ich blieb drinnen und betrieb Krafttraining. Zusätzlich zur Vollzeittätigkeit im Handwerksberuf, bei dem ich ebenfalls körperlich arbeitete. Tatsächlich war ich damals jemand, der „soviel essen konnte wie er wollte“, ohne dabei zuzunehmen. Ein „intuitiver Esser“ also.

Nun geisterte tatsächlich die eine oder andere „Fettlogik“ – man glaubt es kaum – auch in meinem Hirn herum, beispielsweise war es bei mir ein Stück weit der Set-Point [welcher natürlich auch im Buch angesprochen wird] und die verzerrte Selbstwahrnehmung was das eigene Gewicht sowie Essverhalten betrifft.
Zum Setpoint: Mein Gewicht hatte sich im Laufe der Jahre irgendwo knapp über 70 kg, sprich bei knapp über meinem Normalgewicht eingependelt. Mein Essverhalten änderte sich während dieser Zeit nicht nennenswert, daher nahm ich weder zu noch ab. Außer während der Zeit, als ich bewusst die Ernährung umgestellt hatte, um mein Gewicht zu reduzieren. Ich schaffte es runter bis 60 kg, und dann… wurde ich schwanger.

Leichtsinnigerweise habe ich mein eigenes Essverhalten vor einiger Zeit dem von meinem Freund angepasst, der jedoch nicht nur a) größer und b) schwerer ist als ich, sondern auch noch c) mehr Stunden täglich und d) körperlich anstrengender arbeitet. Natürlich hat er einen deutlich höheren Energiebedarf als ich. Daher nahm ich, obwohl ich mein „Set Point Gewicht“ eigentlich fast schon wieder erreicht hatte, während dieser Zeit knapp zehn Kilogramm zu. Das heißt, als ich mich vor drei oder vier Wochen zuletzt auf eine Waage stellte, zeigt diese 85 kg an! Hilfe, wie konnte denn das nur passieren? Das ist ja mehr als ich in der vierzigsten Woche meiner ersten Schwangerschaft wog, das geht mal GAR nicht.

Irgendwie kam das Fettlogik Engagement von Erzaehlmirnix genau zum richtigen Moment und ich beschloss, da ich ihren Fettlogik Blog von Anfang an verfolgte, nun auch endlich ihr Buch zu lesen. Selbst wenn ich nicht würde abnehmen wollen, gäbe es dennoch genügend Gründe, allein der Aspekt Neugier im Hinblick auf Ernährung und die Hoffnung, endlich mal etwas Neues zu erfahren sowie die Tatsache, dass das Buch – selbstverständlich – von einigen Feminist_innen aka Mitstreiter_innen der Fat Acceptance Bewegung regelrecht zerrissen worden war – und das ohne dass eine_r von ihnen es je gelesen hätte. Der Fairness halber sei gesagt, dass durchaus einige Feministinnen das Buch gelesen und auch positiv rezensiert haben.

Nun traf das Buch einen Nerv bei mir, es war genau der Anstoß den ich brauchte, um meine mittlerweile leicht frustrierenden Gewichts-Issues endlich anzugehen. Über fünf Jahre nach meinem Burn Out traue ich mich endlich, diese Baustelle in Angriff zu nehmen.

Ein gutes Stichwort ist hier die Selbstwirksamkeit, auf die ebenfalls im Buch eingegangen wird.

Eigentlich hatte ich seit ich mich erinnern kann ein sehr ausgeprägtes Gefühl für meine Selbstwirksamkeit. Ich wusste, wenn ich etwas erreichen wollte und mich nur genug anstrengte, würde ich es schaffen. Ausbildung, Umzug nach Salzburg, Gewichtsreduktion aus gesundheitlichen Gründen [beginnende Arthrose, und das mit gerade mal 20 Jahren!], Meisterprüfung, der Shadowrun Kurzfilm etc. pp, all das flog mir zwar nicht zu, doch mit genügend Anstrengung bewältigte ich all das, was ich mir als Ziel gesetzt hatte.
Dann wurde ich schwanger und als mein Sohn vier Monate alt war, war ich bei einer Größe von 170 cm schon wieder auf 64 Kilo runter und somit trennten mich nur noch vier Kilo von meinem Vor-Schwangerschafts-Gewicht. Vier Wochen später wurde ich erneut schwanger, doch diesmal klappte das irgendwie nicht mehr so wie bei der ersten Schwangerschaft. Kurz vor der Entbindung meiner Tochter wog ich knapp über 90 [!] Kilo.
Mein Vater starb ein halbes Jahr später – geschwächt durch jahrelanges Ankämpfen gegen den Krebs – an den Folgen einer Magenentzündung, das Unternehmen lief nicht wie es hätte laufen sollen, der Trennungsschmerz, weil die Kinder von Vater oder Tagesmutter betreut wurden, trieb mich fast in den Wahnsinn, von den Geldsorgen ganz zu schweigen. Long story short: ich hatte mehr Stress und weniger Schlaf als gut für mich war und irgendwann schaffte ich es überhaupt nicht mehr, von dem Stresslevel herunterzukommen.

Dann, ganz schleichend aber irgendwann so deutlich spürbar [Magenschmerzen, heftige Migräneschübe die Tage andauerten, heftige Neurodermitis, die einfach nicht mehr abheilte sondern direkt in den nächsten Schub überging] dass ich es nicht mehr verleugnen konnte, kam der Burn Out und änderte so ziemlich alles.
Ich war erstmalig an meine eigene Belastbarkeitsgrenze gestoßen, und hatte noch weit darüber hinaus weitergemacht.

Nun arbeite ich seit etwas mehr als fünf Jahren daran, mich wieder aufzurappeln. Es gibt noch einige Großbaustellen, mein Gewicht ist definitiv nicht die größte, doch eine die mir wichtig ist, nicht zuletzt da ich wieder mehr oder weniger regelmäßig Schmerzen in Hüfte und Knie habe, bedingt durch meine verschieden langen Beine und die beginnende Arthrose im Hüftgelenk. Und außerdem fühle ich mich nicht nur unwohl, weil ich so un-fit bin wie wahrscheinlich noch nie zuvor in meinem Leben sondern weil ich meine Figur mit fünfzehn Kilogramm weniger einfach attraktiver finde.

Erstes Ziel ist Normalgewicht, und dann würde ich eigentlich noch gern bis zu meinem Idealgewicht [~60 kg] runter.

Zum Buch: Lest es wenn ihr euch für Ernährung interessiert, und zwar egal ob ihr abnehmen wollt oder nicht. Es hält mit Sicherheit die eine oder andere Erkenntnis für euch bereit.

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