Das Drama um einen C 180 T [Teil 2]

Teil 1

Eigentlich würde ich gern einige Runden drehen und mir vor allem das Auto etwas genauer ansehen. Statt dessen versuche ich nach einer viel zu kurzen Runde auf dem Parkplatz, das Auto [wieder rückwärts, weil auch  wenn ich sonst nicht viel kann: einparken kann ich] zurück in seine Parklücke zu bugsieren. Es geht ziemlich gut, nur wie lang das Auto ist kann ich noch nicht so hundertprozentig einschätzen.

Zugegeben, gefallen tut er mir schon irgendwie. Aber er ist ziemlich alt. Ich wollte eigentlich kein Auto, welches 17 Jahre auf dem Buckel hat. Auch nicht eins mit Stern. Doch Kerls Augen leuchten. Er hat früher, als er noch jung und knackig war, selbst mit seinen Kumpels an Autos herumgeschraubt. Und er beginnt jetzt schon, davon zu schwärmen, dass er dies und das und jenes bei dem Kombi herrichten will. Und vor allem hat er den Panda vom ersten Tag an gehasst. Ich darf mir heute noch anhören, wie ich den Panda immer verteidigt habe, wenn er anfing, über ihn herzuziehen. Ich sag immer, lieber Panda als überhaupt kein fahrbarer Untersatz.

Ich hab so ein Gefühl, dass ich diese Schlacht gerade verliere noch bevor sie richtig angefangen hat.

Kerl fragt den Verkäufer, ob er den Panda in Zahlung nimmt. Er fragt, was das Auto hat, warum er keinen TÜV bekommt. Wir spielen mit offenen Karten, erzählen ihm von dem undichten Getriebe. Der Verkäufer verzieht das Gesicht, stimmt aber zu. Doch nicht ohne zu mich darauf hinzuweisen, dass ich das Getriebe unnötig in Mitleidenschaft ziehe, je mehr ich das Auto jetzt noch bewege. Im Gegenzug frage ich ihn, was er sich vorstellt, wie ich sonst zur Arbeit kommen soll, nachts bei einer Strecke von 23 km bis zu meinem Arbeitsplatz?

Der Rest ist schnell geklärt und wir machen einen Termin für die Übergabe aus. Der Mercedes hat nur noch einen Monat TÜV, aber das werden wir auch noch hinbekommen. Ein bisschen Bauchweh habe ich, denn wir haben das Auto nicht wirklich genau angesehen. Doch der Verkäufer hat uns versichert, dass der TÜV kein Problem sein wird, und in meiner – wie ich einige Zeit später sehr zu meinem Leidwesen wieder einmal erfahren soll – manchmal grenzenlosen Naivität glaube ich ihm. Zu sehr gehe ich immer wieder davon aus, dass jeder Mensch so ehrlich ist wie ich. Doch alles der Reihe nach.

Während der Heimfahrt gönne ich mir ein kleines bisschen Vorfreude. Ich warte schon so lang darauf, endlich ein großes Auto zu bekommen, über das ich mich nicht bei jedem Großeinkauf aufs Neue ärgern muss. Oder eines, bei dem ich die Fahrräder von den Kiddies endlich ohne größere Schwierigkeiten in den Kofferraum bekomme. Klar, ein Van wäre mir lieber gewesen, aber bei unserem Budget muss man einfach realistisch bleiben.

Als wir uns in der darauffolgenden Woche zum vereinbarten Termin treffen, ist es kalt. Es ist Montag [ich HASSE Termine an Montagen, speziell diese Termine, die man Vormittags abhalten muss, weil sie mich um meinen wohlverdienten Schlaf bringen. Wir erinnern uns, ich arbeite nachts, wenn normale Leute schlafen] und ich will einfach nur, dass es schnell vorbei ist. Wir machen die Übergabe und fahren gleich zur Zulassungsstelle, um den Kombi anzumelden.
Es geht relativ zügig, doch für meinen Geschmack dauert es dennoch zu lang. Der Verkäufer gibt uns noch gleich einige Tipps mit auf den Weg, wo wir das Auto vorführen sollen [„da geh ich auch immer hin mit meinen Autos, die sind da etwas lockerer als beim TÜV direkt“] und falls etwas repariert werden muss, nennt er uns noch seine Händlerwerkstatt [„da bring ich meine Autos auch immer hin, der ist nicht so teuer wie ´ne normale Werkstatt, die anderen wollen doch nur möglichst viel Profit machen mit euch“]. Doch falls er damit beabsichtigt, mir meine Zweifel zu nehmen, geht das Vorhaben gewaltig nach hinten los. Ich glaube es war ein Fehler, dieses Auto zu kaufen.

Aber jetzt – wie sagt man so schön – isch de Käs scho gessa [Hochdeutsch: ist der Käse schon gegessen] und was auch immer mit diesem Auto auf uns zu kommt, das müssen wir geradebiegen.

Ich brauche eine Weile, um mich an das Auto zu gewöhnen. Als ich in der ersten Nacht den Motor starte, um ihn etwas warmlaufen zu lassen, leuchtet nach kurzer Zeit das Warnlämpchen für die Kühlflüssigkeit auf. Na das fängt ja gut an. Zudem beschlagen die Scheiben sehr stark, als ich die Lüftung anschalte. Innerlich verfluche ich zuerst den Verkäufer und als nächstes meine eigene Gutgläubigkeit. Wenigstens habe ich gerade – warum auch immer – ein sauberes Geschirrtuch im Rucksack, so kann ich die Innenseite der Windschutzscheibe trocken wischen und muss nicht noch ewig warten, bis die Heizung das erledigt.

Als ich am selben Tag vormittags die Tochter in die Schule bringen will, erlebe ich die nächste böse Überraschung. Der rechte Blinker hängt lose raus, die Stoßstange hat zwei Risse und ist zerkratzt. Offensichtlich ein Unfall mit Fahrerflucht, na danke fürs Gespräch. Wir sind schon spät dran und stehen unter Zeitdruck. Es ist immer an solchen Tagen. Rufen wir jetzt die Polizei, kommt die Tochter zu spät zur Schule. Andererseits hätten wir zumindest den Hauch einer Chance auf Klärung dieser Angelegenheit. Ich denke an den Allgemeinzustand des Fahrzeugs und die Tatsache, dass ich verbotenerweise entgegen der Fahrtrichtung geparkt habe, wäge kurz das Für und Wider ab und entscheide mich schließlich dagegen.

Als Kerl und ich zurück kehren, spricht uns der ehemalige Bürgermeister unseres Dorfes, er wohnt vis-à-vis, auf den Schaden an. Fragt, ob wir die Polizei gerufen haben – nein, haben wir nicht – er meint schade, aber man könne ja trotzdem ein bisschen die Augen offen halten. Vielleicht wars ja jemand aus der Nachbarschaft.

Aber was machen wir jetzt mit dem Sch*** Blinker? SO kann ich nicht mit dem Auto fahren. Also öffnet Kerl kurzerhand die Motorhaube und sieht sich den lädierten Blinker genauer an. Die Halterung ist beschädigt, doch wie es den Anschein hat, kann man ihn provisorisch wieder hineinschieben. Ich bin skeptisch. [Hebt des? – Na klar, des hebt!] aber der Hobbybastler meint, das müsste halten. Na gut, meinetwegen. Sollte es nicht halten, werde ich es schon merken.

Den restlichen Dezember bin ich erst mal abgelenkt: Weihnachten steht vor der Tür, in den Ferien sind die Kinder und der Kerl zwei Wochen lang zuhause und diese beiden Wochen werden mich derart auf Trab halten, dass ich ohnehin keine Kapazitäten haben werde, mir über das Auto Gedanken zu machen.

[Fortsertzung folgt]

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