Déjà-vu

Diese Woche fand das Elterngespräch mit Tochters Klassenlehrerin statt und ich fühlte mich zurück versetzt in die Zeit, als wir noch mit Sohnis Diagnose haderten. Kognitiv ist sie sehr stark aber das gesamte soziale Drumherum ist ein Problem.

Tochter wurde vergangenen Herbst hier im Dorf eingeschult. Sie war im Kindergarten nicht ganz so auffällig wie ihr Bruder, das lag aber hauptsächlich daran, dass ihr viele Dinge dort einfach mehr Spaß machten. Malen, Basteln, Singen, Bücher, all das war genau ihr Ding. Sohni konnte das nicht so, generell hatte [und hat] er mehr Schwierigkeiten, sich zu fokussieren, hinzu kommt die Tatsache dass er extrem zappelig ist. Tochter dagegen nicht so sehr.

Zurück zum Elterngespräch. Zugegeben, ich war extrem müde, hätte auch beinah das Gespräch verpasst. Ich bin seit zwei Wochen gesundheitlich angeschlagen und komme nicht wirklich dazu, mich auszukurieren. Keine guten Grundvoraussetzungen für ein konstruktives Gespräch. Vielleicht hätte ich es absagen sollen.

Entsprechend verlief das Gespräch. Sie redete, ich hörte zu. Nickte hin und wieder, sagte jedoch zuerst nichts. Blickte immer wieder auf den Zettel, der vor mir auf dem Tisch lag. Darauf waren all die Dinge notiert, welche der Lehrerin im Laufe des ersten Halbjahres im Verhalten meiner Tochter aufgefallen waren.

Findet schwer Anschluss, lässt sich leicht ablenken, verschlampert/vergisst ihre Sachen, im Hort ist ihr Verhalten auffällig, es gibt häufig Konflikte die von ihr ausgehen, ich muss sie regelmäßig früher als zur vereinbarten Uhrzeit abholen weil sie wirklich ü-ber-haupt nicht klar kommt, etc. pp.

Wie gesagt, ich hatte ein Déjà-vu.
Nicht gut. Gar nicht gut.
Irgendwann unterbrach ich die Lehrerin [die ich eigentlich sehr sympathisch finde und die auf mich einen kompetenten Eindruck macht] überhaupt nicht sozialverträglich mitten im Satz in ihrem Monolog.
Sie wusste nicht, dass ich die Tochter bereits letztes Jahr im Kinderzentrum vorgestellt habe. Sie wusste auch nichts von der ADHS-Verdachtsdiagnose, von den zwanghaften Tendenzen in Tochters Verhalten. Und sie wusste auch nichts von dem IQ-Test, den der Psychologe mit ihr durchgeführt hat.

Jetzt weiß sie es. Und einen weiteren Termin im Kinderzentrum habe ich auch schon angefordert.
Ich wünsche mir wirklich, dass sie es dort – sprich auf der Regelschule – schafft. Denn die Tochter hat jetzt schon klargestellt, dass sie nicht die Schule wechseln möchte.

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2 Gedanken zu “Déjà-vu

  1. Ich wünsche Dir alles Gute für die Kleine. Bei meinem Bruder wurde auch stets ADHS vermutet aber nie diagnostiziert. Trotzdem schwieriges Kind. Aber auch wunderbares Kind. Sicher sind Lösungen nicht pauschalisierbar aber Sport und Aktivitäten mit der Peergroup haben ihn sicher ausgelastet. Jedenfalls ist er heute genauso hyperaktiv und laut wie früher aber einfach ein witziger und charismatisch Mensch der viel besser ankommt und weniger ankommt und wenn doch, dann meistens weil er eben sagt was er denkt und ist damit oft im Recht. All the best -Nele

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