Archiv für den Monat April 2015

Das Drama um einen C 180 T [Teil 2]

Teil 1

Eigentlich würde ich gern einige Runden drehen und mir vor allem das Auto etwas genauer ansehen. Statt dessen versuche ich nach einer viel zu kurzen Runde auf dem Parkplatz, das Auto [wieder rückwärts, weil auch  wenn ich sonst nicht viel kann: einparken kann ich] zurück in seine Parklücke zu bugsieren. Es geht ziemlich gut, nur wie lang das Auto ist kann ich noch nicht so hundertprozentig einschätzen.

Zugegeben, gefallen tut er mir schon irgendwie. Aber er ist ziemlich alt. Ich wollte eigentlich kein Auto, welches 17 Jahre auf dem Buckel hat. Auch nicht eins mit Stern. Doch Kerls Augen leuchten. Er hat früher, als er noch jung und knackig war, selbst mit seinen Kumpels an Autos herumgeschraubt. Und er beginnt jetzt schon, davon zu schwärmen, dass er dies und das und jenes bei dem Kombi herrichten will. Und vor allem hat er den Panda vom ersten Tag an gehasst. Ich darf mir heute noch anhören, wie ich den Panda immer verteidigt habe, wenn er anfing, über ihn herzuziehen. Ich sag immer, lieber Panda als überhaupt kein fahrbarer Untersatz.

Ich hab so ein Gefühl, dass ich diese Schlacht gerade verliere noch bevor sie richtig angefangen hat.

Kerl fragt den Verkäufer, ob er den Panda in Zahlung nimmt. Er fragt, was das Auto hat, warum er keinen TÜV bekommt. Wir spielen mit offenen Karten, erzählen ihm von dem undichten Getriebe. Der Verkäufer verzieht das Gesicht, stimmt aber zu. Doch nicht ohne zu mich darauf hinzuweisen, dass ich das Getriebe unnötig in Mitleidenschaft ziehe, je mehr ich das Auto jetzt noch bewege. Im Gegenzug frage ich ihn, was er sich vorstellt, wie ich sonst zur Arbeit kommen soll, nachts bei einer Strecke von 23 km bis zu meinem Arbeitsplatz?

Der Rest ist schnell geklärt und wir machen einen Termin für die Übergabe aus. Der Mercedes hat nur noch einen Monat TÜV, aber das werden wir auch noch hinbekommen. Ein bisschen Bauchweh habe ich, denn wir haben das Auto nicht wirklich genau angesehen. Doch der Verkäufer hat uns versichert, dass der TÜV kein Problem sein wird, und in meiner – wie ich einige Zeit später sehr zu meinem Leidwesen wieder einmal erfahren soll – manchmal grenzenlosen Naivität glaube ich ihm. Zu sehr gehe ich immer wieder davon aus, dass jeder Mensch so ehrlich ist wie ich. Doch alles der Reihe nach.

Während der Heimfahrt gönne ich mir ein kleines bisschen Vorfreude. Ich warte schon so lang darauf, endlich ein großes Auto zu bekommen, über das ich mich nicht bei jedem Großeinkauf aufs Neue ärgern muss. Oder eines, bei dem ich die Fahrräder von den Kiddies endlich ohne größere Schwierigkeiten in den Kofferraum bekomme. Klar, ein Van wäre mir lieber gewesen, aber bei unserem Budget muss man einfach realistisch bleiben.

Als wir uns in der darauffolgenden Woche zum vereinbarten Termin treffen, ist es kalt. Es ist Montag [ich HASSE Termine an Montagen, speziell diese Termine, die man Vormittags abhalten muss, weil sie mich um meinen wohlverdienten Schlaf bringen. Wir erinnern uns, ich arbeite nachts, wenn normale Leute schlafen] und ich will einfach nur, dass es schnell vorbei ist. Wir machen die Übergabe und fahren gleich zur Zulassungsstelle, um den Kombi anzumelden.
Es geht relativ zügig, doch für meinen Geschmack dauert es dennoch zu lang. Der Verkäufer gibt uns noch gleich einige Tipps mit auf den Weg, wo wir das Auto vorführen sollen [„da geh ich auch immer hin mit meinen Autos, die sind da etwas lockerer als beim TÜV direkt“] und falls etwas repariert werden muss, nennt er uns noch seine Händlerwerkstatt [„da bring ich meine Autos auch immer hin, der ist nicht so teuer wie ´ne normale Werkstatt, die anderen wollen doch nur möglichst viel Profit machen mit euch“]. Doch falls er damit beabsichtigt, mir meine Zweifel zu nehmen, geht das Vorhaben gewaltig nach hinten los. Ich glaube es war ein Fehler, dieses Auto zu kaufen.

Aber jetzt – wie sagt man so schön – isch de Käs scho gessa [Hochdeutsch: ist der Käse schon gegessen] und was auch immer mit diesem Auto auf uns zu kommt, das müssen wir geradebiegen.

Ich brauche eine Weile, um mich an das Auto zu gewöhnen. Als ich in der ersten Nacht den Motor starte, um ihn etwas warmlaufen zu lassen, leuchtet nach kurzer Zeit das Warnlämpchen für die Kühlflüssigkeit auf. Na das fängt ja gut an. Zudem beschlagen die Scheiben sehr stark, als ich die Lüftung anschalte. Innerlich verfluche ich zuerst den Verkäufer und als nächstes meine eigene Gutgläubigkeit. Wenigstens habe ich gerade – warum auch immer – ein sauberes Geschirrtuch im Rucksack, so kann ich die Innenseite der Windschutzscheibe trocken wischen und muss nicht noch ewig warten, bis die Heizung das erledigt.

Als ich am selben Tag vormittags die Tochter in die Schule bringen will, erlebe ich die nächste böse Überraschung. Der rechte Blinker hängt lose raus, die Stoßstange hat zwei Risse und ist zerkratzt. Offensichtlich ein Unfall mit Fahrerflucht, na danke fürs Gespräch. Wir sind schon spät dran und stehen unter Zeitdruck. Es ist immer an solchen Tagen. Rufen wir jetzt die Polizei, kommt die Tochter zu spät zur Schule. Andererseits hätten wir zumindest den Hauch einer Chance auf Klärung dieser Angelegenheit. Ich denke an den Allgemeinzustand des Fahrzeugs und die Tatsache, dass ich verbotenerweise entgegen der Fahrtrichtung geparkt habe, wäge kurz das Für und Wider ab und entscheide mich schließlich dagegen.

Als Kerl und ich zurück kehren, spricht uns der ehemalige Bürgermeister unseres Dorfes, er wohnt vis-à-vis, auf den Schaden an. Fragt, ob wir die Polizei gerufen haben – nein, haben wir nicht – er meint schade, aber man könne ja trotzdem ein bisschen die Augen offen halten. Vielleicht wars ja jemand aus der Nachbarschaft.

Aber was machen wir jetzt mit dem Sch*** Blinker? SO kann ich nicht mit dem Auto fahren. Also öffnet Kerl kurzerhand die Motorhaube und sieht sich den lädierten Blinker genauer an. Die Halterung ist beschädigt, doch wie es den Anschein hat, kann man ihn provisorisch wieder hineinschieben. Ich bin skeptisch. [Hebt des? – Na klar, des hebt!] aber der Hobbybastler meint, das müsste halten. Na gut, meinetwegen. Sollte es nicht halten, werde ich es schon merken.

Den restlichen Dezember bin ich erst mal abgelenkt: Weihnachten steht vor der Tür, in den Ferien sind die Kinder und der Kerl zwei Wochen lang zuhause und diese beiden Wochen werden mich derart auf Trab halten, dass ich ohnehin keine Kapazitäten haben werde, mir über das Auto Gedanken zu machen.

[Fortsertzung folgt]

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Das Drama um einen C 180 T

[Das hier habe ich bereits im Februar geschrieben, doch vorerst nur auf meinem anderen Blog veröffentlicht, wo mich meine Leser etwas besser kennen, einige sogar persönlich. Warum? Tja, gute Frage. Ich habe eigentlich grundsätzlich erst mal keine Angst davor, Fehler einzugestehen oder Dinge, die einfach dumm gelaufen sind. Aber DAS… das ging in sämtlichen Belangen weit über meine Schmerzgrenze hinaus, deshalb habe ich so lang gezögert. Doch hier ist es, bittesehr. Have fun!]

Das Drama um einen C 180 T oder: traue einem Gebrauchtwagenhändler nicht weiter, als du ihn werfen kannst.

Es ist November 2014. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wenig begeistert stelle ich fest, huch da war ja was, das Auto muss zum TÜV.

Seit 2007 leistet mir der Panda mehr oder weniger treue Dienste; Ursprünglich angeschafft als Zweitwagen mit Hauptfunktion als Lieferauto wird er ein halbes Jahr später, als ich meinen Punto im Zuge eines spontanen Anfalls von Sekundenschlaf auf der Autobahn am Anhänger eines LKW zerlege, zu meinem einzigen motorisierten Fortbewegungsmittel.

Sieben Jahre und 180tkm später eröffnet mir der Werkstattmeister das traurige Ergebnis der ersten Vorabkontrolle im Zuge des Reifenwechsels: Das Getriebe ist undicht. Kostenpunkt fürs Abdichten etwa 1000 €, Dauer ca. zwei Wochen weil das Getriebe eingeschickt werden muss. Geht nicht, selbst wenn ich wollte, ich kann unmöglich zwei Wochen auf mein Auto verzichten. Wie soll ich denn zur Arbeit kommen? Mit Bus und Bahn? Ha ha, sehr witzig. Ist in meinem Fall schlicht unmöglich.

Doch zurück zum Getriebe. Ich hab ein Déjà-vu, das hatten wir nämlich schonmal. Vor drei [oder vier?] Jahren war das glaube ich, da hielt ich es noch für eine gute Idee, den Kübel [der sich sehr bald als Montagsauto outete] für viel Geld reparieren zu lassen. Nun sind wir genau am selben Punkt wie damals, mit einem Unterschied: Diesmal nicht. Nicht noch einmal werde ich dieses Auto reparieren lassen.

Damals ging das noch, irgendwie, vier Personen und so ein kleines Auto; Die Kinder waren noch kleiner, entsprechend auch deren Fahrräder und sonstiges Gepäck das sie üblicherweise dabei haben. Mittlerweile ist jeder Großeinkauf und jeder Ausflug schlicht eine Zumutung.

Also muss ein größeres Auto her. Kerl klappert die nahegelegenen Angebote ab und wird schon bald fündig. Ruft dort an, vereinbart einen Besichtigungstermin.

Als wir uns einige Tage später zum vereinbarten Termin treffen, merke ich zuerst nicht, dass ich den Verkäufer bereits kenne. Beim zweiten Hinsehen kommt er mir irgendwie bekannt vor, doch ich habe ein katastrophales Gedächtnis bei Gesichtern, besonders wenn ich sie in einem anderen als dem „vertrauten“ Zusammenhang sehe, und kann ihn nicht zuordnen. Er selbst ist da fitter, erkennt mich gleich und kann auch noch sagen, woher. An dieser Stelle werde ich nicht darauf eingehen, woher genau ich ihn kenne,  nur so viel sei gesagt: man hat zwangsweise mehr oder weniger regelmäßig miteinander zu tun. Wie gesagt, katastrophales Gedächtnis.

Unser Objekt der Begierde ist ein Opel Astra Caravan, doch der Verkäufer rät uns vom Kauf ab. Das Thermostat sei defekt, das Auto würde innerhalb kürzester Zeit heißlaufen und müsse zuerst in die Werkstatt.

Aha? Für einen Moment werde ich stutzig, doch ich komme nicht wirklich dazu, den Gedanken zuende zu denken, der Verkäufer redet einfach weiter. Er versucht kurz, mir einen Fiat Bravo anzudrehen doch ich lehne dankend ab. Der Panda war mein dritter Fiat, und das reicht für ein Leben, finde ich. Außerdem will ich einen Kombi und nichts Kleineres!

Er hätte da noch einen Mercedes C 180 T, meint er. Da drüben, der hätte auch noch gar nicht so viele Kilometer, ob wir den haben wollen. Naja, nee, eigentlich nicht. Ich will keinen Mercedes, wollte ich noch nie. Los meint er, setz dich mal rein.
Ich setze mich – pardon, falle in den Sitz – und finde es irgendwie auf Anhieb sympathisch. Ob ich ihn mal probefahren dürfte? Leider nein, er habe kein Nummernschild dabei. Mh, schade. Aber auf dem Parkplatz darf ich eine Runde drehen meint er. Ich glaub, der verarscht mich, versuche dennoch den Motor zu starten [wasn das fürn komischer Schlüssel? Und überhaupt, wie gehört der da rein? oÔ] und scheitere kläglich. Überfordert von einem 17 Jahre alten Mercedes, das muss man sich mal vorstellen.
Der Verkäufer lacht und zeigt mir, wies geht. Der Motor springt an – ich suche erstmal den Rückwärtsgang – und bugsiere schließlich das Schlachtschiff vorsichtig rückwärts aus der Parklücke. Natürlich bin ich schon große Autos gefahren, auch Transporter, aber das ist schon über zehn Jahre her.

Der Kombi ist echt ungewohnt, alles geht viel schwerer als beim Panda, die Kupplung, das Gas, und überhaupt: Ich seh nix.

[Fortsetzung folgt]

Hobbypsychologischer Bullshit?

Vor etwa einer Woche veröffentlichte ich unter anderem hier bei wordpress diesen Beitrag. Das Feedback war gemischt, doch größtenteils positiv.

Wenn ich etwas veröffentliche, dann tue ich das nicht, um Likes zu sammeln. Ich versuche, zu sensibilisieren. Ich versuche nicht, jemanden von der Richtigkeit meines Vorgehens zu überzeugen. Dieses Blog bietet jedoch für den geneigten Leser sicherlich den einen oder anderen Denkanstoß, und das genügt mir.
Ich kann [mittlerweile] gut damit leben, dass ich mit meiner Vorgehensweise regelmäßig anecke. Denn: Wenn nicht die Tatsache, dass wir die ADHS-Diagnose beim Sohn akzeptieren, beim Gegenüber Empörung hervorruft, dann ist es oft spätestens die Tatsache, dass er [unter anderem] medikamentös behandelt wird. Doch das soll hier erst mal nicht das Thema sein.

Es geht um eine spezielle Reaktion, die mich etwas ratlos machte.

Versteht mich nicht falsch: Ich halte durchaus Rücksprache mit dem behandelnden Psychologen meines Sohnes, und er wird auch regelmäßig im Kinderzentrum vorgestellt. Falls sich im Verhalten des Sohnes etwas gravierend ändert, setze ich den Psychologen umgehend in Kenntnis. Selbiges gilt [natürlich!] für eine eventuelle Veränderung der Dosis seines Medikaments.

Das Computerverbot war kein „Experiment“. Es war die Konsequenz dafür, dass die Kinder [und zwar beide!] sich einen ziemlichen Schnitzer geleistet haben. Vielleicht [ziemlich wahrscheinlich sogar] werden das wieder einige anders sehen, aber wie ich bereits schrieb, ich warte nicht darauf dass Leute [hier: Leser / Kommentatoren] mir sagen, wie ich meine Kinder zu erziehen bzw. unseren Familienalltag zu gestalten habe.

Ich erziehe die Kinder nicht über Strafe. [Kennen wir das nicht alle? „Und zur Strafe gehst du jetzt auf dein Zimmer/bekommst du jetzt den Hosenboden voll“ etc. pp.] Eher über Lob und natürlich auch über [möglichst logische bzw. nachvollziehbare] Konsequenz, auch wenn ich natürlich weiß, dass ich dennoch bei all meinen Bemühungen Fehler mache. Versteht mich richtig: Ich gebe meinen Kindern so viele Freiheiten, wie ich meine, ihnen zutrauen zu können. Meine Tochter geht zB nach der Schule alleine [bzw. mit Schulkameraden] zum Hort, um dort zu Mittag zu essen und Hausaufgaben zu machen. Ich hole sie am frühen Nachmittag ab, und wenn sie zuhause mit allem fertig ist [sofern sie noch Hausis zu machen hat] darf sie mit ihrem Fahrrad zum Spielplatz fahren, welcher sich direkt neben dem Hort befindet. Sie hat einen Helm auf, weiß wie sie sich an der Straße und am Zebrastreifen zu verhalten hat, und dass sie den kürzesten Weg nehmen muss. Ebenso weiß sie, dass sie nach Hause kommen muss wenn der Hort schließt, und dass sie nirgendwohin mitgehen darf. Weder zu einer Freundin noch zu sonst jemandem den sie kennt [oder auch nicht kennt]. Alles im grünen Bereich.

Sohn darf auch mit dem Fahrrad zum Spieli oder ins Dorf um sich ein Eis zu holen, denn auch er ist mit den Verhaltensregeln vertraut. Wenn jedoch eines der Kinder plötzlich beschließt, dass es viel interessanter wäre, [ungefragt] zu einem Spielkameraden zu gehen, dann wäre die logische Konsequenz, dass betreffendes Kind eben nicht mehr allein mit dem Fahrrad oder sonstwie auf den Spielplatz darf. Und das wissen sie.

Unsere Vereinbarung bezüglich elektronischer Geräte und Spielsachen war also folgende: Kinder dürfen sie benutzen [unter Aufsicht, und zwar auch diejenigen, die sie sich vom eigenen Geld gekauft haben!] und sorgsam damit umgehen. Tun sie das nicht, kommen die Geräte/Spielsachen weg. So einfach ist das.

Nun haben Sohn und Tochter ungefragt Sohnis Carrera-Bahn ausgepackt, im Kinderzimmer verteilt und als Krönung noch mit dem Controller bzw. dem Kabel des Controllers „Tauziehen“ gespielt. Es kam was kommen musste: Der Controller ist hinüber weil sich das Kabel natürlich – wenn man nur  fest genug dran zieht – heraus löst.

Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass der Sohn mit der kaputten Carrera-Bahn schon genug gestraft ist. Lassen wir aber nicht gelten, da die Verhaltensregeln bezüglich der elektronischen Geräte ganz genau abgesteckt waren.

Nun zur Aussage in der Überschrift. Natürlich muss ich mir als Mutter eines [oder mehrerer] ADHS-betroffener Kinder ein gewisses „Grundwissen“ aneignen, um überhaupt erst mal halbwegs konstruktiv mit dem Kind umgehen bzw. angemessen auf seine Verhaltensweisen reagieren sowie auf seine Bedürfnisse eingehen zu können.

Wüsste ich zB nicht was ich weiß, dann wüsste ich nicht wie wichtig geregelte Abläufe [Rituale] für meine Kinder [und damit meine ich den Sohn UND die Tochter] sind.
Ich wüsste außerdem nicht, dass er nichts für sein Gezappel kann. Egal wie nervtötend es für uns Eltern auch sein mag, er tut es nicht mit Absicht, er tut es einfach, es ist ein Teil von ihm.
Wahrscheinlich hätte ich auch keine Ahnung, warum mein Sohn so vieles einfach vergisst. Oder dass er sich nicht aus mangelndem Interesse nach fünf Sekunden Ansprache wegdreht, sondern weil er einfach nicht anders kann. Dass er zwar über Dinge wie Schweißdrüsen an menschlichen Füßen einen Vortrag halten kann, aber dass er nicht fähig ist, sich an so banale Dinge wie Tischregeln – die er theoretisch kennt – zu halten.

Long story short: Kinder erziehen ist IMMER erst mal Neuland, für alle Eltern die ihr erstes Kind bekommen, beim zweiten ist es ebenso Neuland, weil man zwar einige Dinge schon weiß und erlebt hat, aber weil Kinder trotzdem einfach unterschiedlich sind. Selbiges gilt für Eltern mit besonderen Kindern. Sie müssen ihre Kinder – genauso wie Eltern von neurotypischen Kindern – erst mal kennen lernen und in all das hineinwachsen. Mit Hobbypsychologie hat das aber reichlich wenig zu tun.

Just my two cents.

ADHS und Videospiele – Ein Erfahrungsbericht

Anfang dieser Woche rief mich – zum wiederholten Male – Sohnis Klassenlehrerin an. Mich an unsere letzten beiden Telefonate erinnernd wappnete ich mich innerlich dafür, was nun kommen würde.

Besagte Telefonate verliefen nicht besonders positiv. Sohni hatte im ersten Schuljahr enorme Fortschritte gemacht, was sein Verhalten allgemein und seine Konzentrationsfähigkeit anging. Doch aus irgendwelchen Gründen begann sein Verhalten sich nach den Weihnachtsferien massiv zu verschlechtern. Er war zwar nach wie vor interessiert am Unterricht und erledigte seine Aufgaben motiviert, doch er war wieder extrem zappelig und fahrig geworden. Zuerst dachte ich, es könnte an der angespannten Situation zuhause liegen.

Nun erzählte mir die Lehrerin bei unserem letzten Telefonat, dass Sohni seit Ende der Osterferien wieder viel ruhiger geworden sei, auch seine Tics habe er weitestgehend wieder abgelegt. Ob sich zuhause irgendetwas verändert hätte?
Ja, in der Tat. Ich hatte es befürchtet, doch nicht wirklich damit gerechnet, dass es sich so extrem auf sein Verhalten auswirken würde. Die Rede ist von Videospielen.

Ich hatte bereits einiges über die Wirkung von Videospielen auf ADHS-Betroffene gelesen und nahm mir daher vor, einen möglichen Zusammenhang zwischen Sohnis Videospiel-Konsum und einer Veränderung seines Verhaltens im Auge zu behalten. Ehrlich: Wir reden hier von etwa einer Stunde täglich, für mehr hat der Sohn auch gar nicht die Zeit. Er ist von 7:00 bis 17:00 Uhr unterwegs, wann will er da noch groß spielen? Ein- bis zweimal die Woche hat er nach der Schule noch Taekwondo, da fällt Computer oder dergleichen sowieso aus.

Hier war er nun, der Beweis. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass der Sohn [wie die Tochter übrigens auch] momentan absolutes Computer-, Konsolen- und Tablet-Verbot habe. Die Lehrerin war wenig überrascht. Wir besprachen das Warum und wie man Sohnis Gezappel und Tochters unerträglichen Umgangston [sie schafft teilweise wirklich nicht, einen auch nur halbwegs erträglichen Umgangston an den Tag zu legen] möglicherweise mit einer strengeren Reglementierung in den Griff bekommen könnte.

Wir einigten uns darauf, vorerst das Verbot wie geplant beizubehalten. Wenn die Frist vorbei ist, wird es wohl darauf hinauslaufen, dass beide Kinder nur noch an einem, vielleicht zwei Tagen am Wochenende jeweils eine Stunde spielen dürfen. Und selbst dann sollten es nicht so actionlastige Spiele sein, da dies für beide Kinder pure Reizüberflutung bedeuten würde. Falls sich das Verhalten der Kinder selbst mit der neuen Regelung wieder verschlechtern sollte, werden wir Playstation & Co. wohl doch wieder abschaffen müssen.

Déjà-vu

Diese Woche fand das Elterngespräch mit Tochters Klassenlehrerin statt und ich fühlte mich zurück versetzt in die Zeit, als wir noch mit Sohnis Diagnose haderten. Kognitiv ist sie sehr stark aber das gesamte soziale Drumherum ist ein Problem.

Tochter wurde vergangenen Herbst hier im Dorf eingeschult. Sie war im Kindergarten nicht ganz so auffällig wie ihr Bruder, das lag aber hauptsächlich daran, dass ihr viele Dinge dort einfach mehr Spaß machten. Malen, Basteln, Singen, Bücher, all das war genau ihr Ding. Sohni konnte das nicht so, generell hatte [und hat] er mehr Schwierigkeiten, sich zu fokussieren, hinzu kommt die Tatsache dass er extrem zappelig ist. Tochter dagegen nicht so sehr.

Zurück zum Elterngespräch. Zugegeben, ich war extrem müde, hätte auch beinah das Gespräch verpasst. Ich bin seit zwei Wochen gesundheitlich angeschlagen und komme nicht wirklich dazu, mich auszukurieren. Keine guten Grundvoraussetzungen für ein konstruktives Gespräch. Vielleicht hätte ich es absagen sollen.

Entsprechend verlief das Gespräch. Sie redete, ich hörte zu. Nickte hin und wieder, sagte jedoch zuerst nichts. Blickte immer wieder auf den Zettel, der vor mir auf dem Tisch lag. Darauf waren all die Dinge notiert, welche der Lehrerin im Laufe des ersten Halbjahres im Verhalten meiner Tochter aufgefallen waren.

Findet schwer Anschluss, lässt sich leicht ablenken, verschlampert/vergisst ihre Sachen, im Hort ist ihr Verhalten auffällig, es gibt häufig Konflikte die von ihr ausgehen, ich muss sie regelmäßig früher als zur vereinbarten Uhrzeit abholen weil sie wirklich ü-ber-haupt nicht klar kommt, etc. pp.

Wie gesagt, ich hatte ein Déjà-vu.
Nicht gut. Gar nicht gut.
Irgendwann unterbrach ich die Lehrerin [die ich eigentlich sehr sympathisch finde und die auf mich einen kompetenten Eindruck macht] überhaupt nicht sozialverträglich mitten im Satz in ihrem Monolog.
Sie wusste nicht, dass ich die Tochter bereits letztes Jahr im Kinderzentrum vorgestellt habe. Sie wusste auch nichts von der ADHS-Verdachtsdiagnose, von den zwanghaften Tendenzen in Tochters Verhalten. Und sie wusste auch nichts von dem IQ-Test, den der Psychologe mit ihr durchgeführt hat.

Jetzt weiß sie es. Und einen weiteren Termin im Kinderzentrum habe ich auch schon angefordert.
Ich wünsche mir wirklich, dass sie es dort – sprich auf der Regelschule – schafft. Denn die Tochter hat jetzt schon klargestellt, dass sie nicht die Schule wechseln möchte.