Was anderes [Hat da gerade jemand Stereotyp gesagt?]

Beim Abendessen. In irgendeinem anderen Zusammenhang fällt das Wort „aggro“. Tochter zieht eine Schnute und merkt an

„Die Jungs nennen mich immer Aggro-Mädchen.“

Ich nicke wissend. „Mhm. Die können halt nicht damit umgehen, dass du dich nicht so benimmst, wie sie es von anderen Mädchen gewohnt sind.“

Lieblingsmensch mischt sich ein „Weißt du, Mädchen mit rosa Kleidchen robben normalerweise nicht so durch den Schlamm wie du das machst.“

Ich nicke zustimmend, erinnere mich an das morgens – auf eigenen Wunsch hin – adrett ganz in rosa gekleidete Kind, das ich eines schönen Nachmittags von oben bis unten mit Schlamm paniert aus dem Hort abgeholt hab.

Lieblingsmensch ergänzt: „Und die anderen Mädchen rennen auch nicht den Jungs hinterher und brüllen dabei „ATTACKEEEE!“

Tochter daraufhin trotzig: „Ich brüll nicht Attacke. Ich brüll was anderes.“

Natürlich haben wir ihr Verhalten befürwortet und ihr darin zugestimmt, das zu tun, was ihr gerade Spaß macht. Nächstes Mal dann vielleicht mit Matschhose und Gummistiefeln. 😉

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11 Gedanken zu “Was anderes [Hat da gerade jemand Stereotyp gesagt?]

      1. “Die Jungs nennen mich immer Aggro-Mädchen.”

        Ich nicke wissend. “Mhm. Die können halt nicht damit umgehen, dass du dich nicht so benimmst, wie sie es von anderen Mädchen gewohnt sind.”

        Ich hätte mich zunächst gefragt, ob an der Aussage der Jungs nicht etwas dran sein könnte. Diese Fragestellung kommt hier überhaupt nicht vor. 😉

        Ihr geht davon aus, dass die Jungs sich irren müssen und nicht mit einem selbstbewussten Mädchen klarkommen. Was aber wäre denn nun, wenn Eure Tochter tatsächlich „aggro“ wäre?

        Ein Hinweis darauf könnte z. B.

        „Lieblingsmensch ergänzt: “Und die anderen Mädchen rennen auch nicht den Jungs hinterher und brüllen dabei “ATTACKEEEE!”

        Tochter daraufhin trotzig: “Ich brüll nicht Attacke. Ich brüll was anderes.”

        sein. 😉

        Die Situationsbeschreibung ist etwas knapp.

        Wenn ich jetzt Feminist wäre, würde ich sagen, dass ihr in Rollenbildern… 😀
        Ich bin aber kein Feminist. Wie gesagt: Die Situationsbeschreibung ist etwas knapp gehalten.

      2. Das ist richtig, weil ich eigentlich diesen durchaus lustigen Moment der Situationskomik festhalten wollte. Als ich mir das dann nochmal durch den Kopf gehen ließ, fiel mir auf, wie dieser kurze Gesprächsteil eigentlich den Geschlechterkontext widerspiegelt.

        Ich habe das auch deshalb so kurz gehalten, weil ich keinen Roman schreiben wollte, so zwischen Tür und Angel.

        Meine Tochter hat ein Temperament, das hat sie von mir, und das ist durchaus ein kleinwenig „feurig“ um es mal freundlich auszudrücken.

        Trotz alledem hat sie einen Namen, und der lautet NICHT Aggro-Mädchen. Es geht mir darum, dass sie als Mensch verbal abgewertet wird, indem man es nicht für nötig erachtet, sie beim Namen zu nennen.
        Ein Junge, der übrigens selbst… ach, lassen wir das. Jungs dürfen ja aggro sein, Mädchen nicht, oder? 😉

        Kannst du dir vorstellen, worauf ich hinauswill?

      3. Wenn ich ehrlich bin kann ich mir das nicht vorstellen. 😛

        Ich erzähle meinem Sohn schon, dass es recht aggressiv ist, wenn er brüllend hinter anderen herläuft. 😛

        Das Geschlechterthema habt ihr gegenüber Eurer Tochter ins Spiel gebracht, indem ihr sagt, dass Jungs mit Mädchen, wie ihr nicht klarkommen. Die Frage ist nun, ob die Jungs Deine Tochter nur in solchen Situationen „Aggro-Mädchen“ nennen oder ständig. In einer solchen Situation finde ich das vollkommen in Ordnung.

        Wer sagt denn hier in dieser Situation, dass Jungs aggro sein dürfen und Mädchen nicht? Vermittelt ihr nicht gerade das Bild, dass sie als Mädchen aggro sein kann und es egal ist, wenn Jungs damit nicht klarkommen? Ich finde es in Ordnung, wenn die Jungs mit Aggro-Verhalten nicht klarkommen.

        So einfach ist das alles nicht. Was meinst Du, was ich mir immer wieder über das aggressive Verhalten meines Sohnes anhören darf, der überhaupt nicht aggressiv ist? Jungs dürfen heute eben nicht mehr aggressiv sein. Dass sie aber aggressiv werden kann ich nachvollziehen, da ich in Gesprächen mit den s. g. Pädagogen immer wieder erlebe, wie natürliches Verhalten von Jungs verurteilt und unterbunden wird.

        Das Problem hier ist doch jetzt allerdings, dass Kinder viele Situationen aus einer sehr subjektiven Perspektive erleben. Mein Sohn stellt z. B. viele Situationen mir gegenüber anders dar, als sie stattgefunden haben. Ich glaube auch, dass er die Situationen so wahrnimmt, wie er sie mir schildert. Daher ist es immer sehr schwierig, sich zu Erlebtem meines Sohnes, das ich nur aus Erzählungen kenne, zu äußern.

        Man kann es also letztendlich nicht beurteilen. Vielleicht sind die Jungs aber tatsächlich mit Deiner Tochter überfordert und fiese Säcke, die sich nicht anders helfen können als mit: „Aggro-Mädchen – Mädchen sind sowieso doof und Du bist noch aggro!“. Wer weiß. 😉

      4. Ich kann gerade weder freundlich noch sachlich antworten, deshalb lasse ich es.
        Vielleicht nehme ich mir mal die Zeit und versuche, dir zu erklären, worum es mir ging bzw. geht.
        Weil weißt du, manchmal werden Kindern auch einfach nur deshalb „Spitznamen“ gegeben, weil sie – tatsächlich – so unbegreiflich das für dich auch zu sein scheint, anders sind. Weil sie aus dem Raster fallen. Weil sie „weird“ sind.
        Willst du raten, woher ich das weiß?

      5. Ich kann gerade weder freundlich noch sachlich antworten, deshalb lasse ich es.

        Ich habe Dir keinerlei Grund gegeben für diese Äußerung. Daher möchte ich jetzt auch nichts raten. Ich möchte Dich ja nicht in eine Krise stürzen.

        Allerdings erscheint die obige Aussage ebenfalls „aggro“. 😉

      6. Kann schon sein. Bin müde.
        Und nein, in eine Krise stürzt du mich nicht, aber danke für deine Fürsorge. 😉

        In der Krise bin ich bereits. Das hat aber andere Gründe.

  1. Ich war ein „Aggro-Mädchen.“ Wenn auch anders. In mir war viel Zorn, den ich aber nicht an Jungs ausgelassen habe. Nur anfassen durften sie mich nicht. Dann gabs auf die Nase, aber richtig. Stolz darauf bin ich nicht, aber wusste ich es besser? Mein Instinkt ließ mich handeln.

    Ich finde es gut, wenn deine Tochter anders ist. Eben nicht im rosa Kleidchen die Prinzessin gibt und nur mit Puppen spielt. Schick sie ins Karate. Dort wird sie ruhig und lernt sich selbst besser kennen.

    1. Karate haben wir nicht versucht, aber Tae kwon-do.
      Das hat ihr aber nach einer Weile keinen Spaß mehr gemacht.
      Momentan läuft noch ihr Schwimmkurs, das macht ihr großen Spaß, und danach möchte sie reiten lernen.

      1. Was auch immer sie möchte, wo auch immer sie ihr / ein Ventil findet, solltet sie wenn möglich tun. Und wenn sie Jungs hauen will … dann schickt sie zu mir in den Kurs 😀 Ich gewöhne es ihr ab. Ich muss bei den Worten nun selbst lachen. Aber meine Drachenzwerge entwickeln sich prächtig und verlieren jede Art von Aggressivität, die nicht dem Training dient.

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