Archiv für den Monat November 2014

ADHS Verbieger und Verbrecher der Wahrnehmung

ADHS-Spektrum: Neues und Altes aus der ADHS-Welt

Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Selbst- und Fremdwahrnehmung bei ADHSlern ein Problem darstellt.

Dabei ist es aber häufig so, dass im Kern eine sehr richtige intuitive Erfassung besteht. Die Frage ist dann nur, was in dieser Wahrnehmung der Umgebung bzw. emotionalen Welt tatsächlich „wahr“ ist.

Einerseits gehört zu ADHS eine emotionale Entwicklungsverzögerung. Das ADHS-Gehirn hat halt also Probleme, in der emotionalen Erfassung bzw. Bewertung und Verarbeitung von Gefühlen, Spannungen, Frustrationen etc.

Kognitiv bestehen aber eben keine entsprechenden Störungen. Ganz im Gegenteil: Viele ADHSler sind ausgesprochen schnell (bis vorschnell) in der Erfassung von Zusammenhängen, Strukturen, Beziehungen, Abhängigkeiten. Sie kommen aber eher selten mit Gleichaltrigen klar. Und meistens (natürlich nicht immer) haben sie eigentlich RECHT.

Hier ist schon einmal eine mögliche Schere zwischen der emotionalen und der „rationalen“ Wahrnehmung der Welt zu erwarten.

Eine zweite Hürde ist die Reizoffenheit bei Reizfilterschwäche. Diese Problematik ist erfahrungsgemäss für die Umgebung…

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Lebenszeichen²

Vor lauter Lass-Mich-Auch-Mit hab ich gestern gar nicht geschrieben, wie es uns so ergangen ist in den letzten Wochen.

Sohni ist seit Mittwoch endlich [!!!] seinen Gips los. Natürlich soll er sich bzw. den Arm noch weitere zwei Wochen schonen, aber wer ihn kennt weiß, dass es so Etwas wie „Schonen“ oder „vorsichtig Sein“ im Zusammenhang mit körperlicher Betätigung in Sohnis Handlungsspielraum einfach nicht gibt. Er kann nur ganz oder gar nicht.
Jedenfalls ist das Ellbogengelenk ziemlich unbeweglich geworden, immerhin war es vier Wochen fixiert. Aber es tut sich was, wenn auch langsam, Stück für Stück wird das Gelenk wieder beweglicher.

Und heute waren die Kids auf einem Kindergeburtstag eingeladen. Joa. Versuch mal, so einen Wildfang im Indoorspieli dazu zu bringen, sich „vorsichtig“ zu bewegen und auf den Arm zu achten. Ha. Ha. Ha. Selten so gelacht. Es kam was kommen musste, auf dem Trampolin ging es rau zur Sache: Zuerst wurde Sohnis bester Freund, das Geburtstagskind, verletzt, und zwar ausgerechnet von meiner Tochter [ARGH, WEIB!] weil er sie „nicht freundlich genug gebeten hatte, damit aufzuhören, ihn zu kitzeln“, was sie direkt zum Anlass nahm, auszuholen und ihm mit der flachen Hand ins Gesicht zu schlagen und das Auge zu erwischen. Kurz darauf, ich wollte gerade meine Tochter wieder aus dem Trampolin pflücken, kam mir ein plärrender Sohni entgegen, was ist nicht passiert? Klar, ein anderes Kind hat ihm nen Bodycheck verpasst und er ist [natürlich!] auf den frisch entgipsten Arm gefallen.

Somit wurde es Zeit, die Zelte abzubrechen und nach Hause zu fahren. Und nun sitz ich hier und genieße mit „Imaginations Trough The Looking Glass“ die Vorfreude aufs Blind Guardian Konzert nächstes Jahr. YAY!

Lebenszeichen

Ist das wirklich schon wieder drei Wochen her? oÔ

In letzter Zeit schreibe ich hier sehr unregelmäßig. Das ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass mich dieses Geschlechterzeug doch mehr in Beschlag nimmt als ich das ursprünglich vorhatte. Da nimmt man sich vor, so ganz harmlos und nichts Böses ahnend, einmal im Monat einen Beitrag auf einem Gemeinschaftsblog zu schreiben, abonniert hier einen Blog, folgt dort jemandem auf twitter, schaut sich noch ein paar Videos bei youtube an, und schwups ist man mittendrin.

Ich habe lang überlegt, ob ich das Thema hier in meinem Blog wirklich aufnehmen möchte. So wie sich das entwickelt, führt wohl kein Weg daran vorbei. Dass ein paar  [?] Feministinnen, ähja, ein kleines Problem mit Selbstreflektion und Empathiefähigkeit zu haben scheinen, ahnte ich dank erzaehlmirnix schon länger, aber dass es SO schlimm ist, kam mir tatsächlich keine Sekunde lang in den Sinn.

In den letzten Monaten, sprich seit ich mich verhältnismäßig intensiv mit Geschlechterzeug befasse, habe ich ziemlich viel gelesen, hauptsächlich Blogs, viel männerrechtliches Zeug, aber auch den einen oder anderen feministischen Blog, und ich muss zugeben, dass mich das alles einigermaßen umgehauen hat. #killallmen, dafuq? „I bathe in male tears“? Was ist bei euch kaputt? #fappygate, #gamergate, und jetzt noch #shirtgate? W T F?

Diese derartige Doppelmoral, die seitens „der“ Feministinnen nahezu kollektiv aufgefahren wird, macht mich immer noch regelmäßig staunen. Dass Feministinnen nichts Besseres zu tun haben, als jemanden auf persönlicher Ebene anzugreifen, nur weil besagte Person die Dreistigkeit besessen hat, den hoch-heiligen Feminismus zu kritisieren, darüber wundere ich mich nicht mehr. Wundern tue ich mich jedoch über die Tatsache, dass sie scheinbar erwarten, für dieses Verhalten auch noch ernst genommen zu werden. oÔ

Im Moment weiß ich nicht, in welche Richtung oder besser gesagt auf welche Art und Weise sich mein Engagement entwickeln wird, ich weiß nur eines mit Sicherheit: Nur weil mich jemand als „Doofchen“ bezeichnet, mich des Lügens bezichtigt oder versucht, mich in eine von vornherein fruchtlose Diskussion zu verwickeln, werde ich ganz sicher nicht plötzlich die Seiten wechseln. Ebenso wenig werde ich die Finger still halten. Und erst Recht nicht werde ich schweigend und gesenkten Kopfes die Prügel einstecken, die jemand in meine Richtung auszuteilen gedenkt, nur weil besagte Person sich an anderer Stelle mit den falschen Leuten angelegt hat. Zu denen ich übrigens nicht gehöre. Sorry not sorry.

Daher werde ich ab sofort wohl immer mal wieder einen Beitrag schreiben, wenn mir wieder mal ein Thema unterkommt, was mich beschäftigt, ein Beitrag, den ich scheiße oder besonders gut finde, oder wenn ich mir einfach mal Luft machen muss.

Ich wünsch euch ein schönes Wochenende und lassts euch gut gehen 🙂

Wie das Leben so spielt.

Zufall? Heute halfen wir einem meiner Brüder beim Umzug. Er wohnte bis dato in dem Haus, welches mein Vater bis zu seinem Tod im August 2008 bewohnt hatte und wo meine Brüder und ich aufgewachsen sind. Das Haus ist mittlerweile verkauft und am Montag wird voraussichtlich die Übergabe stattfinden.

Seit Paps´ Tod war ich insgesamt vielleicht fünf mal dort. Nach wie vor ist es seltsam für mich, dorthin zurück zu kehren. Meine beiden älteren Brüder haben einiges an Renovierungsarbeit geleistet, kein Zimmer sieht mehr aus wie damals, und doch: jedes Mal wenn ich dort bin werden Erinnerungen wach.

Es sind Erinnerungen, auf die ich lange Zeit nicht zugreifen konnte. Irgendwann einmal hatte ich beschlossen, alles was schief gelaufen war zu vergessen, wegzuschließen, einfach nicht mehr daran zu denken, weil es zu sehr schmerzte.

Als ich vorhin in der Wohnung meines Bruders die Schränke vollends ausräumte und zuklebte, fiel mir der Inhalt von Paps´ Portemonnaie in die Hände. Es waren hauptsächlich Fotos. Passfotos jeweils von meinen Brüdern und mir, eines von meiner Ma als junge Erwachsene, zwei Fotos von Paps sowie sein Personalausweis.

Ich kann nicht beschreiben was ich fühlte, als ich diese Bilder ansah, doch ich glaube, es war Wehmut. Ich bin wehmütig weil diese Zeit, als wir eine „Familie“ waren, unwiederbringlich vorbei ist. Paps war wenn man so will das Bindeglied zwischen meinen Brüdern und mir. Aktuell habe ich mit genau einem von ihnen regelmäßigen Kontakt [interessanterweise ist es ausgerechnet derjenige, mit dem ich früher das Wenigste anfangen konnte, Selbiges galt umgekehrt] und auf absehbare Zeit wird sich daran auch nichts ändern. Das liegt zum Teil an mir und zum Teil an den beiden Anderen. Einerseits bin ich auch darüber traurig und andererseits auch wieder nicht. Klingt komisch, ist aber so. In den letzten Jahren habe ich eines gelernt: Ein Mensch, der nur das Schlechte in dir sehen will, der wird genau das sehen, und sonst nichts. Als Konsequenz dieser Erkenntnis habe ich damit aufgehört, denen gerecht werden zu wollen, die ohnehin nur meine Fehler sehen, und beschränke meine Aufmerksamkeit auf jene Menschen, denen ich auch tatsächlich etwas bedeute.

Auch wenn Paps´ Tod eine Lücke hinterlassen hat, die sich durch nichts wieder schließen lässt. Und selbst wenn ich nach jedem Traum, in welchem er mir begegnet, tieftraurig aufwache als sei er erst gestern gestorben: Mit jedem Tag, der vergeht, verblasst das Gefühl wie es war als er noch lebte, ein bisschen mehr.
Jetzt habe ich selbst eine Familie. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass es auch schön sein kann, eine Familie zu haben. Nein, wirklich. Was ich während meiner Kindheit erleben durfte, vermieste mir den Wunsch nach einer eigenen Familie, und zwar gründlich. Jetzt habe ich zwei Kinder und sage tatsächlich: Sie sind das Beste, was mir jemals hätte passieren können. Und meine es. Und mein Lieblingsmensch? Nun, wir sind nicht immer einer Meinung. Wir sind sehr unterschiedlich vom Gemüt. Bei allem, was uns voneinander unterscheidet, ergänzen wir uns erstaunlich gut. In den vergangenen fünf Jahren haben wir es doch tatsächlich irgendwie geschafft, uns zusammenzuraufen. Er gehört definitiv zu jenen Menschen, zu den ganz Wenigen, denen ich tatsächlich vertraue.

Ich würde niemals behaupten, ohne Fehler zu sein. Ich weiß recht genau, wo meine Schwächen liegen, und ja, ich weiß nur zu gut, wie anstrengend ich sein kann. Je größer die Belastung, desto anstrengender werde ich. Und dennoch: Eine Partnerschaft bedeutet wohl, nicht nur dann zusammen zu sein, wenn alles glatt läuft. Sondern auch in den schwierigen Zeiten immer wieder aufeinander zu zu gehen, einander die Hand zu reichen, füreinander da zu sein. Ich bin dankbar dafür, dass ich das erleben darf.

Schon spannend, was das Leben so an Überraschungen bereit hält. Oder, um einmal mehr mein Lieblingssprichwort zu bemühen:
Verstehen kann man das Leben nur rückwärts.
Leben muß man es vorwärts
.

Søren Aabye Kierkegaard

(1813 – 1855), dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller