ADHS, Ritalin und was ich mir sonst so dazu denke.

Irgendwie hängt mir das Thema ADHS schon wieder zum Halse raus. Dennoch, was jetzt kommt muss ich einfach noch los werden.

Immer wieder lese ich „Ritalin statt Liebe“ blah rhabarber. Und dann frage ich mich, was denken die Leute sich eigentlich? Und kann die Frage eigentlich selbst beantworten. Nichts. Sie denken sich rein gar nichts. Denn würden sie denken, würden diese Leutchens feststellen, wie absurd diese Unterstellung eigentlich ist. Als ob ich oder eines der Elternteile das ADHS-betroffene Kind im Schrank oder sonstwo „abstellen“ würde, nachdem wir ihm die tägliche „Drogendosis“ verabreicht haben. Als ob wir unsere Kinder nicht genauso lieben würden wie andere Eltern ihre Kinder lieben.

Mein Sohn bekommt viel Aufmerksamkeit. So viel, dass seine fünfzehn Monate jüngere Schwester sich mittlerweile chronisch benachteiligt fühlt, und zwar egal ob wir auf die Minute genau die gemeinsame Zeit abmessen und ich mit der Waage den Nachtisch für die Kinder abwiege.

Es ist einfach so. Wenn du als Mutter oder Vater eines ADHS-betroffenen Kindes irgend jemandem erzählst, dass es um ADHS geht, hast du eigentlich schon verloren. Wenn du auf Nummer Sicher gehen willst, musst du nur noch hinzu fügen, dass dein Kind Ritalin nimmt. Kaum einer wird dich mehr ernst nehmen.

Ich glaube, dass ich eine Ahnung habe, warum sich dieses Vorurteil so hartnäckig hält. Erstens: weil die Bezeichnung „Aufmerksamkeitsdefizits[-Hyperaktivitäts]-Syndrom“ leicht irreführend ist. Das mit der Aufmerksamkeit, das mag ja stimmen, und zwar insofern dass den Kindern die Fähigkeit fehlt, sich aufmerksam einer Sache zu widmen. Doch mit Aufmerksamkeit assoziieren wir nun mal nicht Konzentration auf eine Sache sondern Zuwendung zum Kind. Dumm gelaufen, wa?
Zweitens: Die breite Masse braucht einen Schuldigen. Und wer könnte besser taugen als Eltern, deren Kinder immer dümmer, fauler und dicker werden? Die Medien füttern uns ja fleissig mit allerlei neuen Erkenntnissen und Statistiken. Die breite Masse will gar nicht wissen, was ADHS ist oder warum gerade Ritalin den Betroffenen helfen könnte… fragt man jemanden, welcher Wirkstoff in dem Medikament enthalten ist, dürften die Allerwenigsten eine Antwort darauf haben. Und die „Brot und Spiele“ Massenmedien dürften kein Interesse haben, ihre Prügelknaben aufzugeben.

Mit Ego-Shootern verhält es sich eigentlich ganz ähnlich. Üblicherweise haben diese Spiele eine USK 18.  Mittlerweile gibt es sogar Forschungsergebnisse, die belegen, dass Spielen am Computer [speziell Teamplay] das Aggressionspotential senkt. Zu diesem Thema habe ich vor einiger Zeit bereits einen Blogeintrag geschrieben. Dennoch werden sie [und andere Spiele ebenso]  regelmäßig mit Amokläufen in Verbindung gebracht. Genauso wie einst Pen&Paper Rollenspiele dafür verantwortlich gemacht wurden. Oder irgendwann in grauer Vorzeit „gewaltverherrlichende“ Fernsehfilme. Es wird immer nach der einfachsten vermeintlichen „Lösung“ gesucht. Anstatt ernsthafte Ursachenforschung zu betreiben [zerrüttete Familie/Mobbing/Bullying in der Schule], wird der breiten Masse ein Schuldiger präsentiert, und die Lösung des Problems in Form eines Verbotes gleich hinterher gereicht. Problem erkannt – Gefahr gebannt. Nur warum zum Henker funktioniert keine dieser „Patentlösungen“?

Es ist immer komplizierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Doch nicht umsonst heißt es „der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem“. Jeder von denen, die ach so schnell ein Urteil zur Hand haben, ist der festen Überzeugung, so etwas passiere immer nur den anderen, und niemals ihm selbst.

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Ein Gedanke zu “ADHS, Ritalin und was ich mir sonst so dazu denke.

  1. Tatsache ist, dass Ritalin zu leichtfertig verschrieben wird und dass manche Ärzte AD(H)S als Verlegenheitsdiagnose stellen. So kommen auch Eltern und Ärzte in die Kritik, die das Medikament aus gutem Grund an ihre Kinder verabreichen. Schade, dass aus einigen Missständen immer Pauschalvorwürfe geschaffen werden.

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