Wenn man keine Ahnung hat…

Als ich vor wenigen Tagen nichtsahnend eine Buchkritik las, erwischte es mich eiskalt. Irgendwie bekam die Autorin über den Inhalt des Buches die Kurve zu Schule, schlechter Benotung von männlichen Schülern, Drogenmissbrauch und – natürlich – auch zu Ritalin. Es kam was kommen musste, natürlich wieder die Behauptung Ritalin sei eine Droge und würde unqualifiziert verschrieben dazu verwendet, um hyperaktive Kinder, vornehmlich Jungs, „ruhig zu stellen“.

Nochmal zum Mitschreiben:
– Methylphenidat wirkt richtig dosiert bei AD[H]S-Betroffenen beruhigend und konzentrationsfördernd und NICHT suchterzeugend.
– Bei Missbrauch, sprich bei Nicht-Betroffenen, wo es häufig mit Überdosierung einhergeht, wirkt es belebend bzw. aufputschend und leider oft genug gesundheitsschädlich.

Natürlich sagt das Verbreiten von Falschwissen zum Thema Ritalin nicht zwingend etwas über die Buchkritik oder gar die Person aus, welche sie verfasst hat. Bekanntlicherweise wächst der Idealismus mit der Entfernung zum Problem, von daher kann jeder davon halten, was er oder sie will.

Im ersten Moment jedenfalls glaubte ich nicht, was ich dort sah. Las es ein zweites, drittes Mal. Rang die aufkeimende Wut nieder.

Ich frage mich immer wieder: Was bringt Leute dazu, mit einer solchen Aussage pauschal mal eben so sämtliche Eltern abzuwatschen, die einfach nur ihren Kindern helfen wollen? Warum schreibt man „Droge“, wenn man genauso gut auch „Arzneimittel“ oder „Medikament“ schreiben könnte?

Daher aus gegebenem Anlass, eine Pressemitteilung vom 23.2.2012 vom bkjpp, dem Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V.

 

 

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Quelle

Abschließend, nochmal: Ja, es gibt Ritalin-Missbrauch. Und es gibt Missbrauch von Schmerzmitteln, Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln, Aufputschmitteln, Appetitzüglern, etc. pp. All das gibt es. Es ist NICHT richtig. Und es ist NICHT die Norm. In erster Linie sollen Arzneistoffe Menschen helfen. Warum zum Henker fühlt sich jeder, der schon mal „irgendwo was über Ritalin gelesen hat“, dazu berufen, diesen Mist weiter zu verbreiten?

Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal, naja ihr wisst schon…

kresse halten

 

 

 

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6 Gedanken zu “Wenn man keine Ahnung hat…

  1. Weißt du, viele denken sich nichts dabei, wenn sie etwas schreiben. Dass du als quasi Betroffene nun anders reagiert, das ist dann auch normal. Aber vielleicht hat es die Kritikerin nicht böse gemeint und war nur unbedacht. Auch ich sehe Ritalin als positiv für Kinder an. Und für immer müssen sie es nie nehmen.

    Zum Thema Ritalin hatten wir schon diskutiert. Ja, den Missbrauch gibt es leider. Und der ist krass. Vielleicht sollte ich auch …? 😀 Aber dann wäre ich kaum noch auszuhalten und im Dauereinsatz zwischen Autos, Karate und Blog *lacht*

    Also bleibe ich besser, was und wie ich bin. Und das ist schon mehr als genug 😉

    1. Weißt du was, ich glaube du hast Recht. Das Problem ist, dass aufgrund vieler solcher Leute, die einfach irgendwas schreiben ohne sich viel dabei zu denken, Leute wie ich, der Papa meines Sohnes sowie mein Sohn selbst vorverurteilt werden. Das ist einfach nur eines: zum kotzen.

  2. Ich denke, das Ritalin viel zu oft an Kinder verschrieben wird, die es gar nicht brauchen. Kinder sind nunmal lebhaft, deshalb haben sie noch lang kein ADHS. In meiner bisher 3 Jährigen Karriere mit „Verhaltensaufälligen“ (ich mag das Wort nicht) Jugendlichen, ist mir bisher nur einer untergekommen, bei dem ich die Vermutung habe, das ihm das helfen könnte. Naja, es gibt auch Ärzte die Schüler auf Grund von Muskelkater krank schreiben -.-

    1. Ritalin wirkt eben nur bei Kindern, die tatsächlich ADHS haben, beruhigend und konzentrationsfördernd. Verabreicht man es an Kinder ohne AD[H]S, werden sie ja NOCH unruhiger. oÔ Die Logik dahinter muss ich nicht kapieren, oder?

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