ADHS im Internet. Warum tue ich mir das eigentlich an?

Diese Frage stellte ich mir vorhin im Zuge eines kurzen Dialogs zwischen meinem Lieblingsmenschen und mir.

Unsereins, also Eltern die ihren ADHS-betroffenen Kindern Ritalin geben, wird der Einfachheit halber gern abfällig „Ritalin-Eltern“ genannt. Wir werden vorverurteilt und wahlweise als faul, bequem oder desinteressiert [oder alles zusammen] dargestellt. Lieblingsmensch meint daraufhin, schon allein deshalb täte er sich das gar nicht an, im Internet [oder sonstwo] über dieses Thema zu lesen. Einerseits richtig, auf den ersten Blick erscheint Vermeidungstaktik hier angebracht. Bei näherer Betrachtung allerdings muss ich sagen, würde ich es handhaben wir er, wäre ich zum Beispiel niemals auf die Seite ADHS-Spektrum geraten. Vieles was ich darüber weiß, habe ich dort gelesen.

Da ich weder die Kapazitäten habe, mich durch dicke Wälzer zu arbeiten, die das Thema ausführlich behandeln, noch die Möglichkeit, quer durch Europa zu reisen, um irgendwelche Kongresse oder Treffen diesbezüglich zu besuchen, muss ich mich mit dem begnügen, was das Internet hergibt und notfalls die Ärzte und Psychologen des Kinderzentrums zu Rate ziehen.

Daher werde ich auch weiterhin meine Fühler im Internet ausstrecken nach neuen Informationen bezüglich ADHS, auch wenn ich dabei Gefahr laufe, mich in Situationen zu begeben, die mich verunsichern. Ich werde hinterfragen, ob ich das Richtige tue. Ob es vielleicht bleibende Schäden bei Sohni verursacht.

Und dazwischen werde ich mich über seine Fortschritte freuen, darüber dass er motorisch und kognitiv riesige Fortschritte macht. Dass er in der Schule Spaß hat und sich dort wohl fühlt, dass er mit großer Freude malt, bastelt, rechnet und mittlerweile auch liest. Dass er seine Kreativität ausleben darf [und es jetzt auch endlich kann] und dass er trotzdem immer noch mein Sohn ist. Neugierig, regelrecht wissensdurstig, mich Löcher in den Bauch fragend, hilfsbereit, freundlich, laut, anstrengend, ständig in der Angst lebend sein Stück Kuchen könnte kleiner sein als das seiner Schwester, naseweis, manchmal schon ein richtig Großer und dann wieder ganz mein kleiner Grinsekeks.

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6 Gedanken zu “ADHS im Internet. Warum tue ich mir das eigentlich an?

  1. Weiss nicht, ob es bei adhs anders ist als sonst.. aber mir ging es noch nie besser, wenn ich nach einer Krankheit gegoogled habe..
    Ich würde mit dem behandelnden Arzt und mit den Lehrern reden, vorzugsweise mit einem lehrer, der relativ frisch von der ausbildung kommt. Meine Frau (Lehrerin) ist sehr zurückhaltend was medikamente angeht (wadenwickel statt ibu und sowas) aber bei manchen kindern ist ritalin halt wirklich ein segen. Leichtere Fälle gehen auch ohne, aber manche kids stehen sich derart im weg.. da ist ritalin sicherlich das deutlich kleinere übel..

    1. weißte, ich würde wohl eher darauf verzichten, wenn es bei meinem sohn weniger stark ausgeprägt ist. wir haben ja wirklich alles versucht, aber man kann ein kind nicht von der außenwelt abschotten, ohne dass man ihm dabei wichtige soziale kontakte und die entwicklung von sozialkompetenz vorenthält. fakt ist, bei meinem sohn ist die adhs so ausgeprägt, dass er unterm strich – wenn überhaupt – nur in einer absolut reizarmen und strukturierten umgebung ohne medis klarkommt. in einem „normalen“ umfeld hat er keine chance.

      1. na dann. sind wir froh, dass es ritalin gibt. Meine frau hat auch immer mal wieder einen in der klasse.. wenn der seine medis vergisst.. puh. das darf man den kleinen gerne ersparen.

  2. Hallo,

    ich habe meine Diagnose erst als Erwachsene erhalten. Ich war kein Störenfried. Ich war eine Traumerin und wurde von den Lehrern kaum wahrgenommen weil ich so still war. Aber ich habe auch gelitten. Ich habe mich oft gefragt was bei mir anders ist. Ich finde es bedenklich die Hyperaktivität als Maß für die Stärke der ADHS zu nehmen. Ich habe mich durch meine Schulzeit gequält und keiner hat’s gemerkt. Die Folge sind weitere psychische Störungen mit denen ich mich herum schlagen muss wie zum Beispiel rezidivierende Depressionen.

    Ich habe mich mein Leben lang versucht anzupassen und war damit auch relativ erfolgreich. Aber niemand sieht die Anstrengung die das für mich bedeutet hat und wie viel Energie ich dafür aufbringen musste. Das endete letztendlich in einer Depression.

    Ich nehme jetzt Medikinet adult mit dem gleichen Wirkstoff wie in Ritalin. Ich merke wie ich damit selbstsicherer werde, weil ich mich besser auf meine Fähigkeiten verlassen kann. Und manchmal denke ich darüber nach wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich schon als Kind damit behandelt worden wäre.

    Ich möchte alle Eltern darin bestärken, dass sie das richtige für ihre Kinder tun. Lasst euch nicht von Leuten verunsichern, die keine Ahnung von ADHS haben. Und gerade die, die keine Ahnung haben, hacken am lautesten auf den Eltern rum.

    1. Naja. Das mit der Schwere der ADHS hängt ja durchaus mit der Hyperaktivität zusammen, unter anderem. Bei ADS siehts wieder anders aus, diese Leute sind hypo-aktiv, in solchen Fällen darf man natürlich nicht nach einer [nicht vorhandenen] Hyperaktivität beurteilen. Die sind schließlich nicht hyperaktiv. oÔ

      1. Das sehe ich genauso. Nur tun das viele andere Leute nicht. sogar Ärzte. Und in den meisten Köpfen wird AD(H)S mit Zappelphillip gleichgesetzt. Und somit mit schlechter Erziehung. Sie wissen einfach nicht, dass dahinter noch viel mehr Schwierigkeiten stecken.

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