Filmtipp: Keine Zeit für Träume.

Eine meiner Leserinnen [Dankeschön clumsy]  verlinkte gestern oben genannten Film, welcher das Thema ADS behandelt, auf meinem Blog. Sprich: Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, nur eben ohne Hyperaktivität.

Ich muss zugeben, ich bin extrem skeptisch, wann immer das Thema im TV behandelt wird. Die letzte Doku-Enttäuschung auf einem vergleichsweise seriösen Kanal bestätigte meine Einstellung eigentlich nur. Dennoch, ein kleiner Teil in mir will einfach nicht aufhören zu hoffen, dass es irgendwann mal jemand richtig macht. Was mit diesem Film zumindest in meinen Augen nun endlich geschehen ist.

Es geht um das elfjährige Mädchen Merle und ihre Familie: Eltern sowie die ältere Schwester Lea. Merle hat trotz hoher Intelligenz auf dem Gymnasium große Schwierigkeiten, weil sie sich ADS-typisch fast ständig „wegträumt“.

Was mir gleich zu Anfang sehr gut gefallen hat: Der Film versucht tatsächlich in einigen Szenen, die Welt so darzustellen, wie Merle sie wahrnimmt. Wie ein kleines, harmloses Geräusch die gesamte Wahrnehmung auf sich ziehen kann, und auf diese Weise nahezu jeden anderen Reiz übertönt  [der Lehrer tippt mit dem Bleistift auf dem Tisch, während er mit Merle spricht, daher bekommt sie nach den ersten Worten schon nichts mehr von seiner Ansprache mit].

Auch reell und so oder ähnlich schon selbst mit Sohni erlebt: Merle reagiert kaum oder gar nicht auf Ansprache, was die Eltern nervt. Sie hält keine Absprachen ein, womit sie sich nicht nur auf dem Schulhof regelmäßig Ärger einhandelt. Schließlich will sie gedankenverloren eine Straße überqueren und läuft geradewegs vor ein Auto.

Merle kann im Mannschaftssport [Hockey] nicht folgen, steht mehr oder weniger planlos auf dem Feld und wird natürlich deshalb auch zum Turnier nicht aufgestellt. Es folgen etliche Szenen, die ich aus meinem Leben mit Sohni nur allzu gut kenne. Den einen oder anderen Dialog habe ich tatsächlich nahezu Wort-für-Wort so mit Sohni schon geführt.

Die Diagnose ist natürlich erst einmal niederschmetternd, und die Eltern wollen zunächst nichts von einer medikamentösen Therapie wissen. Sie versuchen es ohne. Das Elternpaar, ohnehin ausgelastet weil selbständig, lernen von nun an täglich mit ihrer Tochter, was jedoch schulisch keine Veränderung bringt, sondern lediglich die familiäre Situation noch zusätzlich verschärft: Das Paar driftet auseinander und Merles Schwester fühlt sich vernachlässigt, weshalb sie schließlich von zuhause wegläuft.

Vorwürfe gibts zuhauf, die Eltern streiten sich unter anderem wegen Merles ADS, und zu guter Letzt behauptet eine „Freundin“ gegenüber Merles Mutter, sie sei selbst  schuld daran, weil sie sich „nicht um ihre Kinder gekümmert habe“. Auch das habe ich in etwa schon selbst so erlebt, und natürlich fühlt sich meine Tochter regelmäßig hintangestellt, wenn sich „wieder mal alles“ um ihren Bruder dreht.

Interessant fand ich, dass der Film es schafft, bei allen Schwierigkeiten, welche die Eltern im Umgang mit ihrer Tochter haben, dennoch Merles Feinfühligkeit und ihrer durchaus vorhandenen Begeisterungsfähigkeit Raum zu verschaffen.

Ich muss wirklich sagen, dass mich selten ein Film so berührt hat. Was natürlich daran liegt, dass ich selbst betroffen bin. Es wurden innerhalb der knapp neunzig Minuten so viele Probleme aufgefasst, welche eine ADS bzw. ADHS mit sich bringt, dass ich dazu tendiere, diesen Film pauschal mal jedem zu empfehlen, der sich für das Thema interessiert. Da hat jemand definitiv seine Hausaufgaben gemacht.

http://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/sendung/keine-zeit-fuer-traeume-100.html

Ihr könnt den Film noch bis zum 19.3. in der ARD Mediathek anschauen. Tuts euch an, der Film ist es wirklich wert.

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