Geduldsprobe Familienalltagswahnsinn.

Ich würde momentan gerne regelmäßiger bloggen. Doch – anders als erwartet – beschäftigt mich dieses Geschlechterallerlei massiv und ich tue mich schwer, einen Faden aufzunehmen; geschweige denn gelingt es mir, einen für längere Zeit zu verfolgen.

In der Vergangenheit hatte ich mich weder mit Feminismus noch mit Maskulismus sonderlich beschäftigt, und erst recht nicht mit den verschiedenen Auswüchsen.

Sohnis Besonderheit und die Notwendigkeit, irgendwie mit der Diagnose klarzukommen,  damit umgehen zu lernen [plus Beruf auf den ich jetzt mal gar nicht näher eingehe] und das alles in unseren Familienalltag zu integrieren, kostete [und kostet heute noch] viel Kraft und Geduld. Nach wie vor lerne ich Neues über die ADHS bzw. die davon betroffenen Menschen. Was den Umgang mit Sohni nur in begrenztem Umfang leichter macht.

Warum?

Weil ich manchmal den Eindruck habe, trotz Familie mit allem, was es schwierig und anstrengend macht, allein auf weiter Flur zu stehen.

Woran liegt es? Weil ich nichts [im Sinne von Verantwortung und/oder Erziehungsarbeit] „abgeben“ kann?

Meine ehrliche Antwort darauf lautet: Ich weiß es nicht.

Und um jetzt die Kurve zum Geschlechterthema zu kriegen mache ich es kurz: Sohni ist naturgegeben ein Junge. Ich bin eine Frau, seine Mutter, und tauge damit was meine Rolle als Erziehungsberechtigte angeht lediglich zum „Muttertier“. Nicht jedoch zur Vaterfigur.

Sohni braucht ein geordnetes Umfeld, Abläufe die jeden Tag gleich bleiben, an denen er sich orientieren kann, die ihm Sicherheit und Halt geben. Und mindestens genauso wichtig ist für ihn eine männliche Bezugsperson, die ihm zumindest ein Stück weit Vorbild sein kann, idealerweise ein Gutes.

Womit wir auch schon bei meinem eigentlichen Problem sind. Mein Lieblingsmensch [im Folgenden kurz „Kerl“ genannt] ist ein Mann, und als mein langjähriger Partner prädestiniert als Vaterfigur.

Wenn man uns und unsere [leider zum Teil] unterschiedlichen Erziehungsstils vergleicht, ist Kerl eindeutig der Strengere. Er lässt weniger durchgehen, drückt die Konsequenzen eher als ich auch gegen Geschrei [und anders geartete Gegenwehr] durch und ist alles in allem als nicht sonderlich nachgiebig zu bezeichnen.

Ich dagegen neige dazu, mich selbst in Sohni wiederzufinden. Das ist ein Problem. Natürlich gibt es Dinge, und das sind meines Erachtens gar nicht so wenige, die ich ebenso wenig durchgehen lasse. Bei denen ich allerdings weniger heftig reagiere. Ich für meinen Teil nehme vieles eher augenzwinkernd. Das ist meine Art, damit umzugehen, dass manches vieles bei Sohni unendlich viel Geduld braucht. Natürlich kann ich ebenso konsequent sein, aber… wie formuliere ich das jetzt, ohne dass es wie eine billige Ausrede daher kommt… okay, ich versuche es mal.

In meiner Rolle als „Muttertier“ muss ich den Alltag mit den Kindern gestalten und strukturieren. Ich muss Termine so legen, dass ich sie einhalten kann und trotzdem abends pünktlich gegessen wird, damit sich das Abendprogramm nicht nach hinten verschiebt und ich die Kinder zur gewohnten Zeit ins Bett bringen kann. Ich muss Regeln aufstellen, die den Kindern idealerweise einleuchten [auch wenn sie das natürlich in den meisten Fällen trotzdem nicht tun] und diese Regeln dann auch konsequent durchsetzen.

Jenes Elternteil, welches den Alltag gestaltet, hat üblicherweise auch den größeren Anteil an der Erziehungsarbeit zu leisten. Nehmen wir mal nur die Wochen, in denen Kerl Spätschicht arbeitet. Er ist von etwa 12 bis 23 Uhr außer Haus, sprich die Kinder sehen ihn – wenn überhaupt – morgens ganz kurz und den Rest des Tages gar nicht. Das heißt für mich: Den Tag gestalten, und zwar jeden Tag, von Montag bis Freitag.

Da an diesen Tagen Tagesgestaltung sowie Erziehungsarbeit ausschließlich an mir hängen bleibt, gelten jene Regeln, die ich für sinnvoll erachte und die ich ohne große Schwierigkeiten konsequent durchsetzen kann. Und da ich nach folgendem Grundsatz erziehe: Sag nur dann nein, wenn du sicher bist, es auch bis zum Schluss durchziehen zu können, auch wenn es bedeutet, dass die Kinder mit Genörgel und auch mal mit Geschrei reagieren.

Da Kerl jedoch nur jede zweite Woche Spätschicht hat [was einerseits natürlich positiv ist, da ihn auf diese Weise die Kinder wenigstens im Zweiwochentakt regelmäßig sehen] kann er sich in den Frühschicht-Wochen zumindest nachmittags in die Erziehungsarbeit einbringen. Was er – zum Glück – auch tut. Doch hier wird es problematisch. Wo ihn die Kinder in der Spätschicht-Woche vermissen und täglich nach ihm fragen, ergeben sich in den Frühschicht-Wochen regelmäßig Konflikte bezüglich der Einhaltung der „Hausregeln“ bzw. der Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung.

Nein, Eltern sollen sich nicht wegen der Erziehung in die Wolle kriegen. Heißt es. Dennoch tun wir es.

Und jetzt bei allem Alltagsernst noch etwas zum Schmunzeln:

Die Kinder sitzen gemeinsam am Tisch und bauen ein Puzzle. Man hört erst gemurmelte Unterhaltung, als plötzlich die Tochter mault:
„Du musst mir nicht erklären wie man puzzelt, Herr Klugscheißer!“

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