Freitags in der Sportschule – wie es weiter geht.

Hier berichtete ich über das mittlerweile allwöchentliche Drama um das Freitagstraining.

Beim Termin am Montag mit Sohnis Lehrerin spreche ich natürlich auch das Taekwondo an und die Problematik um das Training am Freitag.

Sie hört sich alles an und willigt ein, mit dem Rest des Teams darüber zu sprechen und mich über das Ergebnis zu informieren.

Am Mittwoch Nachmittag habe ich immer noch keine Zusage; dennoch schreibe ich eine Notiz ins Kontaktheft vom Sohnemann und hole ihn Donnerstag eine halbe Stunde früher von der Schule ab. Wieder sitzt er im Vorraum des Klassenzimmers. Er hat sich schon wieder mit einem Klassenkameraden geschlägert.

Ich bin enttäuscht. Frage ihn, warum er das immer wieder macht, obwohl er doch ganz genau weiß, dass er es nicht darf. Ich spiele die Vorbildfunktion-Karte. Sage ihm, dass er nicht nur während der Trainingsstunde ein Gelbgurt-Träger ist, sondern auch in der Schule. Dass sein Trainer ihm den gelben Gürtel wegnimmt, wenn ich ihm erzähle, dass er sich schon wieder geschlägert hat. Das will er natürlich auf keinen Fall. Er ist kein Anfänger mehr, er weiß wies läuft. Unter keinen Umständen will er wieder einen weißen Gürtel tragen.

Also gebe ich ihm eine allerletzte Chance. Ich werde das heutige Schlägern dem Trainer erst mal nicht erzählen. Und nehme ihm dafür das Versprechen ab, künftig wieder auf die Lehrkräfte zuzugehen, wenn ein anderes Kind ihn ärgert/schlägt/schubst oder sonstwie provoziert.

Als wir ins Training fahren, reden wir über den Schultag und was eigentlich genau vorgefallen ist. Ich versuche, ihm keine weiteren Vorwürfe an den Kopf zu werfen sondern ihn positiv zu bestärken. Ihn spüren zu lassen, dass ich an ihn glaube und daran, dass er das schafft.

Mit einigen Minuten Verspätung [mein Fehler] betritt Sohni den Trainingsraum. Ich setze mich wieder in „meine“ Ecke und lese. Hin und wieder blicke ich auf den Fernseher, und wann immer ich einen Blick auf Sohni erhaschen kann, sehe ich dass er konzentriert am Training teilnimmt.

Als die Stunde zu Ende ist, kommt Sohni mir freudestrahlend entgegen. „Ich hab kein einziges Mal in die Ecke stehen müssen!“ ruft er mir fröhlich entgegen. Ich wuschele ihm über den Kopf und sage, dass mich freue und dass ich es doch gewusst hab, dass er das kann. Unten passt mich wenig später sein Meister ab und informiert mich darüber, dass Sohni heute großartig am Training teilgenommen hat. Er sei „wie ausgewechselt“ gewesen und habe auch seine Formen aus dem FF beherrscht. Willkommen in meiner Welt, denke ich.

„Gell Sohni, macht doch viel mehr Spaß wenn man nicht in die Ecke stehen muss.“ stelle ich fest. Er nickt. „Dann machen wirs nächste Woche wieder so.“

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3 Gedanken zu “Freitags in der Sportschule – wie es weiter geht.

  1. Karate, Taekwon-Do, Kung Fu haben in Deutschland ein Problem: Es wird meist nur der körperliche Aspekt vermittelt. Schlag – Block – Schlag / Tritt. Das mag zur Ausdauer reichen, mehr auch nicht. Die Philosophie hinter der Selbstverteidigung bleibt leider auf der Strecke. Deutsche Trainer kennen die oft nicht.

    Ich war ein kleines Mädchen, als mein Papa mich zu unterrichten begann. Aikido, Kendo, Karate. Natürlich habe ich „gekickt“ und hatte massig Spaß. Aber er legte auch Wert auf die Philosophie dahinter. Gleichzeitig mit dem Training, habe ich die japanischen Alphabete gelernt und durfte erstmals das Buch von Musashi lesen. Vielleicht war ich im gewissen Sinn auch „überaktiv“ als Kind. Wild auf jeden Fall! 😉 Das Training hat mir sehr geholfen. Vor allem aber, dass der Trainer mein geliebter Papa war.

    Für deinen Sohn ist still zu sitzen natürlich doppelt schwer. Aber vielleicht würde ihm geistige Führung auch weiterhelfen. Gürtel sind nur zweitrangig. Sie sehen gut aus, machen Lust auf mehr. Ich habe z. B. einen 2. Dan im Gōjū-Ryū-Karate. Das ist der zweite Meistergrad. Und vor 10 Jahren damit aufgehört weitere zu erwerben.

    Taekwon-Do ist als Sportart nicht schlecht. Ich habe das auch schon ausprobiert. Eigentlich fast alles schon. Für deinen Sohn ist es wichtig Selbstdisziplin zu lernen. Vielleicht ist der Anreiz die hohen Gürtel zu bekommen für ihn wichtig. Wenn nicht und wenn Taekwon-Do ihm keine Ruhe bringt, versuch etwas anderes. Yuki und ich sind vor knapp 2 Jahren ins Wing Chun Kung Fu gewechselt, das wir zusätzlich zu Aikido betreiben. Aber das alles nur so als Idee 🙂

    Liebe Grüße an dich und „Sohni“ 😀

    1. Das klingt gut was du sagst. Ich stimme speziell was die geistige Führung angeht ganz klar zu, die braucht er. Das mit dem Gürtel ist für ihn deshalb wichtig, weil er sich dadurch auch optisch ganz klar von den Anfängern abgrenzen kann. Er ist durchaus vernunftbegabt, so ists ja nicht. Oftmals so sehr, dass ich ihn fast nicht wiedererkenne. Aber andererseits ist er eben ein siebenjähriges Kind mit großen Schwierigkeiten, seine Impulse zu kontrollieren.
      Was das Wechseln angeht, müsste ich mal schauen was es hier in der Gegend gibt, weil zusätzlich zum Taekwondo noch etwas zu machen, das dürfte ihn [und auch mich selbst 😉 ] überfordern. Das geht schon rein zeitlich nicht. Ich hab mir auch schon überlegt, ob vielleicht Yoga für ihn interessant wäre, gerade in Punkto „zur Ruhe kommen“.

      1. Ich mag dir und ihm Taekwon-Do nicht madig machen! Es ist ein toller Sport. Aber aus der Sicht von 25 Jahren Training und vielen (schlechten) Trainern, kenne ich das Problem.

        Zu Korea haben Japaner ein schlechtes Verhältnis. Das ist wie Deutschland – England, vielleicht noch etwas schlimmer.

        Meine Familie ging seit jeher den Zen-Buddhistischen Weg. Wir sind zwar friedlich, wehren uns aber. Mir half das Training. Wo ich ohne Karate heute wäre? Vermutlich nicht dort, wo ich jetzt stehe.

        Ich denke wenn er sich auf SEINEN Sport konzentrieren kann, egal ob auf Taekwon-Do, Karate, Kung Fu, so wird ihm das helfen. Mir half auch die kindliche Neugier auf die Philosophie, auf Vorbilder.

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