Was bleibt.

Mit meinem Vater konnte ich irgendwann meinen Frieden machen. Nach seinem Tod, wohlgemerkt. Bei dem Rest seiner „Brut“ sieht es dagegen anders aus.

Zumindest zwischen meinem zweitältesten Bruder und mir herrschte seit geraumer Zeit Frieden. Bis, naja. Bis meine Katze Luna, welche seit vier Jahren bei ihm und dem Ältesten von uns auf dem Grundstück wohnte, „weg musste“. Beide setzten mich massiv unter Druck und seitdem herrscht wieder Eiszeit. Das Tierchen hat seit Monaten ein neues Zuhause, aber so richtig verziehen hab ich ihm das noch nicht. Natürlich ist das mein Problem, wenn ich es monatelang mit mir herumschleppe anstatt einen Strich drunter zu ziehen. Eigentlich weiß ich selbst nicht, warum ich immer noch beleidigt bin. Vielleicht – nein, sehr wahrscheinlich – weil es einfacher ist. Einfacher als ihn anzurufen und ihn zu fragen, wie es ihm geht und ob er Silvester gut rumgebracht hat. Vielleicht auch weil ich ziemlich gut darin bin, nachtragend zu sein.

Vielleicht wusste er nicht, wie wichtig es mir war, für sie ein gutes Zuhause zu finden. Weil ich mich für sie verantwortlich fühlte. Damals hatte ich sie vor dem sicheren Tod bewahrt, und deshalb sah ich es als meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie es gut haben würde, wenn ich mich schon nicht selbst um sie kümmern könnte. Vielleicht war es ihm auch einfach egal.

Tatsache ist, dass unser Vater nicht nur das Haus hinterlassen hat, sondern auch drei Söhne und eine Tochter, die ihm in Gemüt und Verhalten nicht unähnlich sind. [Wobei ich von uns allen wohl das hitzigste Temperament habe.] Er hat das Beste von sich an uns weitergegeben. Und das waren – bei aller Liebe – nur sehr wenige tatsächlich positive Eigenschaften. Und noch weniger waren untereinander verträgliche bzw. dem Miteinander zuträgliche Eigenschaften im Paket.

Vielleicht gehe ich mit uns allen zu hart ins Gericht. Natürlich hat jeder von uns seine guten Seiten. Auch wenn ich mich bei dem einen oder anderen ziemlich schwer tue, sie zu sehen.

Mit mehr als einem von meinen Brüdern herrscht seit Monaten Funkstille. Mit einem seit Jahren. Seit Paps´ Tod ist die Familie – zumindest was mich betrifft – noch weiter auseinander gedriftet als es ohnehin der Fall war. Gefühlt gab es zu keinem Zeitpunkt ein „Wir“ und „Unser“. Vielleicht habe ich deshalb kein Bedürfnis danach, mich bei einem von ihnen zu melden. Weil es nichts ändern würde. Weil es zu mühsam ist, etwas zu pflegen, was nicht vorhanden ist. Wir haben zufällig ein paar gemeinsame Gene und tragen den selben Familiennamen. Ist das genug? Ich sage nein. Man muss es wollen. Und erwiesenermaßen ist mindestens einer dabei, der das – zumindest mit mir – nicht möchte.

Die einzige, mit der ich gerne regelmäßigen Kontakt pflege, ist meine Mutter. Sie und mein Cousin mit Tochter und Enkelin. Das sind die einzigen Menschen aus meiner Familie, die mir auf Anhieb einfallen, zu denen ich einen nennenswerten Bezug habe. Und die sich auch hin und wieder von sich aus melden. Was man zumindest im Moment von keinem meiner Brüder sagen kann.

Ich weiß nicht, warum mich das gerade jetzt so wütend macht.  Vielleicht weil ich gerade jetzt darüber nachdenke. Die meiste Zeit ist es einfach so. Und alles Ärgern ändert ja doch nichts.

Naja. Ich glaube, ich werde ihn anrufen. Meinen Bruder. Den einen, der sich wenigstens in der Vergangenheit bemüht hat. Tut bestimmt auch nicht weh.

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