Michi und die Hühner [Teil 2]

Die Umzäunung war fertig, das einstige Spiel-/ Werkzeughäuschen würde als Schlafhaus für die Hühner herhalten, Futter- und Wasserschale waren auch bereit gestellt, nun stand dem Halten von Hühnern auf dem Grundstück nichts mehr im Wege.

Klein-Michi liebte ihre Hühner [wie alle ihre Haustiere *hust*] heiß und innig. Sie wurden gefüttert, bespaßt und durften jeden Tag bzw. wann immer jemand zuhause war, sprich spätestens ab Mittag frei im Garten herumlaufen. Nur nachts wurden sie eingesperrt, damit sie nicht irgendwelchen hungrigen Raubtieren zum Opfer fielen. Selbst im Winter quälte Klein-Michi sich jeden Tag mindestens einmal aus dem Haus, um den Hühnern frisches Wasser und Futter zu geben. Schließlich hatte sie ihrem Vater versprochen, sich gut um die Tiere zu kümmern. Sobald es warm wurde, grub sie mit der Hacke regelmäßig den Komposthaufen und einen Teil des Gartens um, damit die Hühner leckere Regenwürmer und eingegrabene Engerlinge fressen konnten. Die Hühnertiere hatten sehr bald verstanden, dass es wieder lecker Futter gab, wenn Klein-Michi mit dem Gartengerät angelaufen kam, und verfolgten sie auf Schritt und Tritt, um auch ja keine der Leckereien zu versäumen.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis die Henne [endlich!] das erste, winzigkleine Ei legte. Zuerst nahm Klein-Michi sich vor, es auszupusten und die Schale als Erinnerung aufzuheben. Doch schließlich landete es doch als Frühstücksei in ihrem Magen. Auch Mäxchen, der Hahn, begann bald, krähend den Morgen zu begrüßen oder besser gesagt das, was er für den Morgen hielt. Leider war in seiner inneren Uhr keine Information über „elektrisches Licht“ einprogrammiert, daher krähte er nicht bei Sonnenaufgang, wie er es hätte tun sollen, sondern sobald er in einem Fenster  der benachbarten Häuser ein Licht entdeckte. Dummerweise passierte dies auch schon mal zu Mitternacht, oder um drei Uhr früh, woran sich ihr Vater schon bald massiv störte.

So geschah es, dass eines Tages, als Klein-Michi von der Schule nach Hause kam, Mäxchen nicht mehr da war. Zur Rede gestellt antwortete Vater, dass er den Hahn in der Nähe des Nachbardorfes ausgesetzt hätte, das Krähen mitten in der Nacht sei schließlich nicht auszuhalten gewesen. Sie traute ihren Ohren nicht. Krank vor Sorge [der überlebt doch niemals in der Wildnis!] tobte und schrie sie, und schleuderte ihrem Vater ihren Zorn und ihre Trauer entgegen.

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