Memories.

Kürzlich schrieb ich über meinen [nicht vorhandenen] Bezug zu Weihnachten. Seitdem sind mir einige Dinge eingefallen, die ich noch ergänzen möchte.

Ich erinnere mich daran, dass meine Mom sich große Mühe gab, ein „Miteinander-Gefühl“ zu erzeugen. Natürlich nützt alles nichts oder nur begrenzt, wenn sich nur ein Elternteil diesbezüglich bemüht. Es gab natürlich auch bei uns zuhause Spieleabende, bei denen Rummikub, Stratego, Monopoly oder andere Spiele gespielt wurden, deren Namen mir gerade nicht einfallen. Und natürlich gab es alljährliche „Rituale“ wenn man es so nennen möchte. Hier spreche ich nicht von Festivitäten wie Weihnachten, Geburtstag oder dergleichen, denn das alles war uns aus religiösen Gründen verboten. Es waren mehr Dinge wie das Aufsammeln und Pflücken sowie das anschließende Einkochen der Mirabellen aus dem eigenen Garten.

Ich kann mich noch ganz genau an „meinen“ Ast erinnern, auf den ich als Kind immer kletterte, wenn mir in der schönen Jahreszeit mal wieder alle auf den Keks gingen. Dort oben richtete ich es mir richtig gemütlich ein, es war eigentlich eine Astgabel, wo ich wenn es sein musste stundenlang hockte. Ich meine mich zu erinnern, dass ich manchmal sogar etwas zu lesen mit nach oben nahm. Ich blickte auf den Waldrand, hibbelte den ersten reifen Mirabellen entgegen und beobachtete die Mäusebussarde, wie sie über den Gipfeln der Bäume ihre Runden drehten. Wann immer mir ein Fernglas in die Hände fiel, nahm ich es ebenfalls mit nach oben und erkundete die Gegend damit.

Beim ersten Frost gingen wir Heidelbeeren pflücken, woraus Muttern natürlich ebenfalls lecker Konfitüre zauberte. Im Herbst gingen wir [bis zum Reaktorunglück in Tschernobyl 1986] regelmäßig in den Wald, um Pilze zu sammeln und sie anschließend lecker zubereitet verspeisen zu können. Dabei muss jedoch einmal ein ungenießbarer Pilz dabei gewesen sein, denn ich bekam nach dem Essen fürchterliche Beschwerden, Übelkeit und Bauchkrämpfe, und wollte danach für viele Jahre erstmal keine Pilze mehr essen. 🙂

Im Winter waren wir jeden Tag draußen zum Schlittenfahren, ich hatte einen total übertrieben schnellen roten Plastikbob, links und rechts einen Metallgriff zum Steuern. Es gab einen Fußweg dort wo wir wohnten, da gings sachte bergab [Anlauf nehmen!], dann kamen einige Treppenstufen [Sprung! Der ultimative Kick!], und dann kam die eigentliche Schlittenstrecke. Erst ein Stück geradeaus, dann eine Rechtskurve und nochmal geradeaus. Weiter unten kam dann die Straße. War uns Kindern egal, wir landeten immer in der Wiese davor, wo der Schnee nahezu unberührt und oft kniehoch lag. Klatschnass und unterkühlt setzte ich mich dann erst einmal an die Heizung oder den Ofen, um mich daran aufzuwärmen.

Natürlich tue ich meiner Mutter regelmäßig Unrecht wenn ich über sie schimpfe und darüber, was mir als Kind alles entgangen ist. Was sie versäumt hat undsoweiter. Sie hat ja – wenn auch spät – irgendwann begriffen, dass der Glaube an Jehova, naja, wie sag ich das… eben nicht ihre Welt ist. Und sie hat ihr Bestes gegeben, bedauerlicherweise [?] hat sie einen schwer traumatisierten Mann – unseren Vater – geheiratet, der irgendwann beschlossen hatte, seinen Kummer und die ganze andere Schei**e die er mit sich herumtrug, im Alkohol zu ersäufen.

Erst langsam – seit Paps´ Tod – kommen langsam Einzelheiten aus meiner Kindheit aus den Tiefen der Verdrängung zurück in mein Bewusstsein. Und mittlerweile bin ich dazu in der Lage, diese Erinnerungen zuzulassen und als Teil meines Lebens zu akzeptieren.

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