Gedankengedöns.

Kürzlich las ich – wieder einmal – einen Artikel [die Quelle ist mir leider entfallen] über das Thema Familie, Familie zu Weihnachten, irgendsowas. Und wieder einmal begann ich, dies für mich selbst zu hinterfragen. Stellte fest: Ja, irgendwann im Laufe der vergangenen Jahre bin ich wies scheint zum Familienmenschen mutiert. Mittlerweile könnte ich mir sogar vorstellen, ein „Familienweihnachten“ zu feiern. Werde ich jetzt etwa alt? Oder ist es am Ende doch die Jahreszeit, die mich melancholisch werden lässt?

Dabei verbinde ich mit Weihnachten weder gemütliche Familienabende, noch hat sich während meiner Kindheit etwas diesbezüglich Positives in mein Unterbewusstsein eingegraben. Außer vielleicht eine Sehnsucht nach etwas, das ich als Kind nicht haben durfte. Was jedoch jeder um mich herum hatte. Ein schönes Familienfest, einen Christbaum, Geschenke und noch mehr Geschenke, leckeres Essen und Süßigkeiten im Überfluss. Verwandte die zu Besuch kommen, fröhliche Gesichter, gemeinsames Singen, so Zeug halt.

Ich beneidete die anderen Kinder, wie sie nach den Weihnachtsferien beisammen standen und sich darüber austauschten, was jedes von ihnen für tolle Geschenke zu Weihnachten bekommen hatte. Einige waren im Skiurlaub gewesen und hatten entsprechend viel zu berichten. Und ich – hatte nichts. Nichts bekommen und auch nichts zu erzählen. Anfangs wurde ich einige Male gefragt, was ich zu Weihnachten bekommen hätte, doch irgendwann wussten sie Bescheid und niemand fragte mehr nach meinen Weihnachtsgeschenken.

Ich habe beschlossen, meinen Kindern keine Märchen als wahr zu verkaufen. Denn was sich in mein Hirn eingebrannt hat war einzig die Enttäuschung, als ich als Zehnjährige erfuhr, dass alles woran ich mein gesamtes bisheriges Leben geglaubt hatte, eine Lüge gewesen sein sollte. Als meine Kinder auf der Welt waren nahm ich mir vor, dass ich ihnen niemals in vollem Bewusstsein Lügen oder Märchen über Weihnachtsmann oder Osterhase erzählen würde. Oder Gott. Jesus. Das fliegende Spaghettimonster. Gotteslästerung? Zum Teufel damit. Mir doch egal, ob sich ein Christ hiervon angegriffen fühlt. Bin ich veranwortlich für deren Seelenfrieden? Richtig: Nein, bin ich nicht. Verantwortlich bin ich nur für meinen eigenen, und in mir sträubt sich alles beim Gedanken daran, meinen Kindern zu erzählen „Warum, natürlich hat der Nikolaus die Stiefel vor der Türe gefüllt. Weil du so ein gutes Kind warst.“

Ich glaube, ich schweife ab. Familienmensch. Kann man Weihnachten auch ohne Weihnachtsmann bzw. Christkind feiern? Ich weiß nicht. Meine Kinder können sich dem Einfluss dieser christlichen Feierlichkeit kaum entziehen. Natürlich sind sie umgeben von Kindern, die alle mehr oder weniger an den Weihnachtsmann glauben, der Nikolaus der am Nikolaustag in den Kindergarten kommt, und natürlich ist es immer wieder auch Thema zuhause. Meine Tochter hat sich dazu entschlossen, dass sie an den Weihnachtsmann glauben möchte. Wie auch an den Osterhasen. Nicht dass ich das jemals ihr gegenüber behauptet hätte. Eher war das Gegenteil der Fall: Ich distanzierte mich von Anfang an klar von den Aussagen ihrer Kindergartenfreunde und Erzieherinnen, ließ ihr jedoch die Wahl, woran sie lieber glauben wollte. Das ist eben die Konsequenz, wenn man beschließt, die Kindererziehung „eher liberal“ zu gestalten. Man läuft Gefahr, dass die Kinder eher früher als später ihren eigenen Kopf entwickeln und eben auch recht früh mal einen Entschluss fassen, mit dem Mama und/oder Papa irgendwie nicht so recht einverstanden sind.  Sie findet es so schöner, und was wäre ich für eine Mutter, wenn ich es ihr verbieten würde.

Ich stelle gerade fest, dass ich ziemlich müde bin. Weil ich schon wieder dabei bin, am eigentlichen Thema vorbei zu schreiben.

Eigentlich war ich seit vielen Jahren ein Einzelgänger. Familie? Geh mir weg. Liebe? Wird überbewertet. Und jetzt? Freue ich mich wirklich wie ein kleines Kind auf Weihnachten, aber nicht weil ich Geschenke bekomme. Ich freue mich in erster Linie auf Zeit mit meiner Familie, ohne den nächsten Termin im Hinterkopf mit den Kindern und Chris einfach irgendetwas völlig Sinnbefreites tun zu können. Gemeinsames Kochen/Backen und anschließendes Genießen der Leckereien, Basteln, Malen, Spielen, Herumtoben, DVD Schauen, kurz: Familie sein. Und natürlich die leuchtenden Kinderaugen beim Öffnen der Geschenke. Das wofür wir mal mehr mal weniger geduldig den Alltag ertragen, Tag für Tag tun was getan werden muss um genug zum [Über-]Leben zu haben [und vielleicht mal ein bisschen mehr]; uns zanken und versöhnen, tagein tagaus immer wieder dasselbe. Das was meine eigenen Eltern uns Kindern zu geben nicht in der Lage waren. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit. Wärme. Geborgenheit.

Hilfe. Ich glaub, ich werd wirklich noch sentimental so kurz vor Weihnachten.

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