Der ganz normale Wahnsinn. Oder: Sind sie nicht einfach herzig?

Die Woche war anstrengend. Jede Nacht arbeiten, nebenher noch eine Torte für den Sohnemann einer lieben Freundin zaubern, mit den Kids war ich zum Kindergeburtstag eingeladen, Donnerstag und Freitag jeweils ein Kind ins Taekwondo bringen, mit der Tochter war ich vormittags noch Ponyreiten weil Freitag in der Kita Pädagogischer Tag war [sprich das Töchterchen war vormittags zuhause], so nebenher noch das sprichwörtliche bisschen Haushalt, das ist schon ein bisschen viel gewesen, ich gebs ja zu.

Jedenfalls war ich am Freitag platt. Hoffnungslos übermüdet und körperlich ziemlich erledigt. Als ich abends nach dem Essen noch wegen einem dringenden Geschäft im Bad war hörte ich schon, wie die Kinder draußen anfingen, sich gegenseitig hochzupushen. So schnell wie möglich machte ich mich fertig und versuchte, das Schlimmste zu verhindern. Aber zu spät, der Zug war schon abgefahren, die Kinder in bester „wir ignorieren was Mama sagt“ Laune und es spielte sich Folgendes ab.

Kinder jagen sich gegenseitig durch die Wohnung.

Michi: „Tochter, kommst du dann zum Zähneputzen ins Bad?“

Das Kind, in nullkommadrei Sekunden von null auf Hundertachzig: „OCH MANNO! WARUM MUSS ICH IMMER ANFANGEN??? ICH WILL NICHT IMMER ANFANGEN!!!!!“ Schreits und rennt schnurstracks ins Kinderzimmer.

Ich überlege kurz, versuche Plan B: „Sohn, fängst du dann bitte an?“

Sohn krakeelt aus dem Kinderzimmer: „NEIN!!! ICH-FAN-GE-NIIICHT-AN!“

Dafuq? Also DAS glaub ich jetzt nicht.

So Mama, und jetzt kommst du. Wie ich weiter oben bereits erwähnte, ich war komplett erledigt. Normalerweise bin ich eine Mama, die sich durchzusetzen weiß. Aber an diesem besagten Freitag war ich tatsächlich zu kaputt, um diesen Kampf auszufechten. Chris hatte Spätschicht, war deshalb nicht zuhause und würde auch erst in anderthalb Stunden heimkommen. Also, was mach ich?

Ich gehe ins Kinderzimmer. Sehe, wie zwei Kinder auf dem Sofa sitzend miteinander balgen.

Stelle fest: „Seh ich das richtig, dass niemand von euch anfangen möchte?“

Kinder nicken. Also doch ein Machtkampf. Ich überlege kurz. Fasse einen Entschluss und schalte das Licht aus.

Sohn, erbost: „Heyyyy! Ich will aber spielen!“

„Jetzt ist Schlafenszeit. Das weißt du ganz genau.“

Nach einer kurzen dramaturgischen Pause fahre ich fort: „Folgendes: Ich gehe jetzt ins Bett. Meine Woche war anstrengend, ich bin müde. In anderthalb Stunden kommt Papa nach Hause, ihr könnt ja dann ihm erklären, warum ihr noch wach seid. Und falls ihr es euch anders überlegt, wisst ihr ja, wo ihr mich findet. Gute Nacht.“

Sags, drehe noch die Glühbirne raus und mache mich vom Acker. Beim Griff in Richtung Glühbirne kommt noch ein kurzes, halbherziges Aufbegehren aus Sohnemanns Richtung, aber das geht schnell wieder vorbei.

Die Kinder zeigen sich im Großen und Ganzen wenig beeindruckt und balgen sich im Dunkeln weiter, von draußen fällt auch noch ein wenig Licht ins Zimmer. Aber ich bin so müde, dass mir selbst das egal ist. Das Bedürfnis zu schlafen ist übermächtig.

Fünf bis zehn Minuten später geht unerwartet die Wohnzimmertüre auf und ein Sohn kommt herein.

Schau an.

Sohn, plötzlich lammfromm: „Wir habens uns anders überlegt. Ich fang doch an mit Zähneputzen.“

„Und deine Schwester dann morgen früh?“

Er nickt.

„Super. Find ich klasse, dass ihr euch noch einigen konntet.“

Wir führen das Abendprogramm wie immer durch und es kommt zu keinen weiteren Eskapaden.

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