Elternsein. Gute Vorsätze versus Realität.

Vorhaben: Ich werde mein Kind mindestens drei, besser sechs Monate stillen. Wenn möglich noch länger. Realität: Als mein Kind vier Wochen alt ist, bekomme ich einen heftigen Magen-Darm-Infekt. Die Milch verschwindet und kommt nicht wieder. Zum Glück bleibt wenigstens das Kind gesund. Dieses Mal.

Vorhaben: Ich werde mein Kind immer bedingungslos lieben, niemals einen Groll gegen mein Kind hegen [wie kann man nur auf ein solch niedliches Würmchen wütend sein?] und stets dankbar sein, dass es gesund ist. Realität: Ja, es stimmt. Ich liebe mein Kind. Immer. Doch oft bin ich wütend auf es, weil es genau dann schreit / fragt / an meinen Rockzipfel hängt und etwas von mir möchte wenn ich so dringend eine Mütze Schlaf oder zumindest etwas Ruhe benötige. In der Tat bin ich dankbar, dass es gesund ist, und dennoch unterdrücke ich regelmäßig den Impuls, es für einige Stunden einfach im Schrank zu verstauen.

Vorhaben: Ich werde konsequent sein. Realität: Das Kind ist soooo süß. Es ist dein Sonnenschein und willst nur, dass es dich liebhat und glücklich ist; und wenn es dich mit diesen großen blauen / braunen / blaugraugrünen Augen anschaut [wie-ein-Engelchen, und ja, ein Kind lernt schnell auf welche Knöpfchen es bei Mama/Papa/Oma/Opa drücken muss, um zu bekommen was es möchte], im Blick die unausgesprochene Bitte, ja dann…. „schon gut, du kriegst / darfst xyz, ist ja nur dieses eine Mal.“ Und nein, es wird nicht bei „diesem einen Mal“ bleiben. 😉

Klassiker I.
Vorhaben: Ich werde alles richtig machen. Realität: Du wirst als Elternteil nahezu jeden nur denkbaren Anfängerfehler begehen. Mindestens ein Mal. Egal, wie gut du vorbereitet bist oder zu sein glaubst, besser, du freundest dich jetzt schon mit dem Gedanken an. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und auch 99% aller entspannten, liebevoll fürsorglichen und gleichzeitig konsequenten Eltern haben das in jahrelanger Arbeit am [eigenen] Kind erst lernen müssen. Ja, echt.

Klassiker II.
Vorhaben: Wenn ich nur alles [oder möglichst viel] richtig mache, wird mein Kind auch „richtig“ funktionieren. Es wird mir gehorchen wenn ich etwas zu ihm sage und keinen Tobsuchtsanfall am Süßigkeitenregal bei Edeka/Aldi/Netto haben. Realität: Mitnichten wird dein Kind „funktionieren“, zumindest nicht so wie du es dir vorstellst. Es wird auch nicht gehorchen. Es sei denn, es hat gerade Lust dazu. Die restliche Zeit wird es trotzen und dir widersprechen, dich beschimpfen [sobald es halbwegs sprechen kann], dich möglicherweise schlagen und Grenzen ausloten. Es wird Tobsuchtsanfälle haben, mit großer Wahrscheinlichkeit den einen oder anderen vor dem Süßigkeitenregal bei Edeka/Aldi/Netto. Wieder und immer wieder. Bis es irgendwann erwachsen ist und in die eigene Wohnung zieht. Nein, nicht früher.

Vorhaben: Ich werde uns gesund ernähren. Immer selbst kochen, keine oder möglichst wenig Süßigkeiten, kein Fast Food. Realität: Kochen ist eine nette Sache, selbstgekochtes Essen ist noch netter, aber irgendwann siegt der Pragmatismus. Hin und wieder Fast Food hat noch niemanden umgebracht. Ein bisschen Schokolade auch nicht. Und spätestens wenn die Kinder begreifen, wozu es Fernsehwerbung gibt, hast du ohnehin verloren.

Klassiker III.
Vorhaben: Ich werde meine Kinder niemals vorm Fernseher parken. Niemalsnimmernicht. Sowas tun nur schlechte Eltern. Realität: Sofern du nicht zu den ganz wenigen Eltern gehörst, die kein Fernsehgerät im Wohnzimmer haben, wirst du es tun. Trotz aller guten Vorsätze. Weil du irgendwann einfach nur dankbar bist, wenn du mal fünf Minuten Ruhe hast und Luft holen kannst. Und solange es sich in [eng gesteckten] Grenzen hält und das Programm dem Alter des Kindes angemessen ist, gibt es auch nichts, was dagegen spricht.

Diese Liste erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sind meine persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen sowie Erzählungen anderer Eltern. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

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