Aus dem Nähkästchen geplaudert: Mein Meisterstück.

Eigentlich finde ich, dass ich noch zu jung bin, um „aus dem Nähkästchen“ zu plaudern. Dieses Wortspiel ist in meinem Kopf aus irgendwelchen Gründen mit einer „Oma“ verknüpft, aber unterm Strich ist mir das dann doch egal, weil ich finde, es passt trotzdem. Schließlich liegt der praktische Teil meiner Konditorenmeisterprüfung bereits acht Jahre zurück, was ja schon irgendwie – zumindest gefühlt – ein halbes Leben ist.

Als ich damals [wie sich das anhört, DAMALS *kicher*] mit meiner Ausbildung begann, beschloss ich sehr bald, dass ich nach [den damals noch vorgeschriebenen] drei Gesellenjahren die Meisterprüfung absolvieren würde. Ich hatte noch keine Ahnung, wie es anstellen würde; wovon ich das alles würde finanzieren können, Meisterschule, Verdienstausfall, und trotzdem ein Dach über dem Kopf sowie einen vollen Kühlschrank zu haben. Doch eines war damals schon in Stein gemeißelt: Ich wollte Konditormeisterin werden, Punkt.

Tatsächlich dauerte es gute fünf Jahre, bis ich es finanziell halbwegs schultern konnte, und auch das ging eigentlich nur mit der Unterstützung meines Vaters. Natürlich war es trotz der Hilfe kein [Achtung, der kommt flach!] Zuckerschlecken, zumal ich nach wie vor meiner Vollzeit-Tätigkeit als Konditorin nachging. Dennoch schaffte ich es, die notwendigen Kurse zu absolvieren, und zwar abends, über mehrere Wochen hinweg.

Die theoretische Prüfung fand innerhalb weniger Tage statt. Die praktische Prüfung sowie im Anschluss der mündliche Teil, was insgesamt zweieinhalb Tage dauerte, erst einige Wochen später.

Ich wollte unbedingt etwas aus Zucker machen, und als Experte auf diesem Gebiet fiel mir nur eine Person ein: Mein ehemaliger Lehrherr und seines Zeichens Obermeister der hiesigen Konditoren-Innung. Also nahm ich Kontakt auf und bat um „Nachhilfe“. Freundlicherweise erklärte er sich bereit, mir einige Kniffe zu zeigen und mir bei der Wahl des Motivs sowie dessen Umsetzung beratend zur Seite zu stehen.

Und wenn man schon die Möglichkeit hat, mit einem Innungs-Obermeister zusammen zu arbeiten, dann macht man auch  gleich etwas richtig Cooles. Zum Beispiel das Blasen einer Zuckerkugel. Diese sollte die Erdkugel darstellen, im Hintergrund zu sehen die Sonne [eine Platte aus gegossenem Zucker], und ruhen sollte die [mit Lebensmittelfarben angemalte] Erdkugel auf zwei Händen aus Kuvertüre, ganz simpel in Handschuhe gegossen. Davor wollte ich, ganz im Zeichen des Themas „Sommer“, Blüten und Blätter aus Zucker sowie eine Schnecke drappieren. Soweit die Theorie.

In der Praxis lief einiges anders als geplant. Allem voran die Tatsache, dass ich zuwenig Kuvertüre dabei hatte, um zwei Hände daraus gießen zu können. Und die Erdkugel, naja, die Kugel war schön. Sehr schön sogar. Sie war so schön, dass ich sie vor lauter lass-mich-auch-mit schon mit Lebensmittel-Lack angesprüht hatte, als mir einfiel, huch, da war doch noch was mit anmalen… auf dem Lack wollte die Farbe natürlich nicht halten, und um eine neue Kugel zu formen, dazu fehlte mir die Zeit. Also ließ ich die Kugel wie sie war und hoffte, die Jury würde über ausreichend Fantasie verfügen, um sich die Farben der Erdkugel einfach hinzu zu denken.

Der Rest, zumindest der Rest des Meisterstücks, funktionierte wie geplant, und nun mag ich euch auch gar nicht länger auf die Folter spannen.

Tadaa!
Tadaa!
Tadaa!²
Tadaa!²
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