Archiv für den Monat Oktober 2013

ADHS-Medikation: Wer fragt den Philipp?

ADHS-Spektrum

Bin gerade mal wieder über einen Online-Artikel zu einer ADHS-Veranstaltung von Pädagogen der Uni Trier gestolpert.

Während sich die Herren und Damen Wissenschaftler/innnen so ihre Gedanken darüber machen, wie man denn möglichst umfassend und als „ultima ratio“ auch mal an Medikamente denken kann (als ob es nun ein Kontaktallergen wäre), wird dann in einem Nebensatz auch mal ein betroffenes Kind befragt :

„Erst als andere Wege keinen Erfolg zeigten und der Leidensdruck ihres Sohnes immer größer wurde, ließ sie sich gemeinsam mit ihm aufklären. “Ich erinnere mich, wie wir im Sprechzimmer des Arztes saßen und er uns erklärte, was Methylphenidat sei und wie es wirke”, sagt sie. Es sei ihr Sohn gewesen, der schließlich gesagt habe: “Wenn es ein Medikament gibt, das mich macht wie die anderen Kinder, dann will ich es nehmen”. Die Mutter sagt: “Es hat mir das Herz zugeschnürt, ihn das sagen zu hören”. Seitdem Philipp Methylphenidat…

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Ritalin auch an Wochenenden?

ADHS-Spektrum

Ausgehend von der Grundhaltung, Kindern so wenig Medikamente wie möglich zu verschreiben, verordnen einige Ärztinnen und Ärzte die Einnahme der Stimulanzien nur während der Schulzeiten. Trotz guter Absicht erwies sich dieses Therapieschema in den meisten Fällen als kontraproduktiv. Warum?

Stimulanzien nur während der Schulzeiten zu verabreichen bedeutet normalerweise, ADHS-Kinder an den Wochenenden wieder ihren Symptomen auszuliefern. Gerade die Wochenenden und Ferienzeiten bieten den Kindern ein ideales Lernfeld, um soziale Kompetenzen zu erlernen. Lernen können sie aber nur dann, wenn sie aufmerksam genug sind, um auch die leisen Töne der zwischenmenschlichen Interaktionen wahrnehmen zu können.

Ausserdem bieten Wochenenden und Ferienzeiten Kindern viele Gelegenheiten, Seelennahrung aufzutanken. Dies setzt voraus, dass die Kinder sich diesen Erlebnissen – etwa während eines Museumsbesuches mit dem Grossvater – hingeben, sie abspeichern und sich später daran erinnern können. ADHS-Kinder müssen also auch daheim und während eines Ausflugs aufmerksam und ausreichend geduldig sein, um ihre Persönlichkeit ganzheitlich entwickeln…

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Störungen der Emotionsregulation bei ADHS

ADHS-Spektrum

Lange Zeit wurden die Besonderheiten der Emotionsregulation bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS-Spektrum-Störungen von der Forschung nicht beachtet. Dies schon allein deswegen, weil sie nicht direkt in den Diagnosekritierien von ADHS auftauchten. Sie wurden daher als unbedeutend bzw. nicht erforschbar angesehen.

In den sogenannten Wender-Utah-Kriterien für ADHS im Erwachsenenalter wurde dann zumindest von Paul Wender die Affektive Labilität bzw. die Probleme der erhöhten emotionalen Labilität und Stressempfindsamkeit stärker dargestellt.

Nun gibt es eine (für mich neue) Abkürzung, die sich auf dieses Thema bezieht.
DESR steht für Deficient Emotional Self Regulation.

Dabei definiert sich diese Besonderheit durch:

  1. Ein Problem bzw. eine Entwicklungsverzögerung in der Reaktion des physiologischen Arousals auf starke (negative) Gefühle. Also quasi die Reaktion des vegetativen Nervensystems auf Stressbelastungen.
  2. Probleme, ein unangemessenes Verhalten auf positive oder negative Gefühle oder externe Stressore  zu unterdrücken. Das bezeichnet man als „Inhibition“, also eben eine „innere Bremse“ in…

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Gastartikel: Ritalin-Bashing und kein Ende

ADHS-Spektrum

Gastartikel von Dr. med. A Alfred, Facharzt für Kinderheilkunde und Kinder- und Jugendpsychiatrie

im Namen der Praxisgemeinschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. A. Alfred, K. W. Heuschen und T. Palloks sowie des ADHS-Zentrums München,

Ritalin-Bashing und kein Ende

In regelmäßigen Abständen, in der Regel alle 1-2 Jahre, nehmen die Massenmedien ritualähnlich und unisono Stellung zum Thema der medikamentösen Behandlung von ADHS bei Kindern und Jugendlichen. Diese Stellungnahmen sind immer mit deutlichen Warnungen verknüpft, die die zunehmende Zahl der Verschreibungen von methylphenidathaltigen Präparaten anprangern, die angeblich häufigen Nebenwirkungen betonen und den betroffenen Eltern sowie den verschreibenden Ärzten generell Verantwortungslosigkeit unterstellen. Dieses Mal wurde der Reigen schon am 25.10. 2011 auf der Titelseite (!) der Süddeutschen Zeitung eröffnet. Es folgte am 7. 2. 2012 der Fernsehfilm “ Ritalin – Medizin, die krank macht?” auf 3SAT, dem sich in der Tendenz bald zwei weitere Zeitungsartikel anschlossen: am 13. 2. 2012 “Deutschland, das Land…

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C. Neuhaus: ADHS-Kinder sind hypersensibel und leicht zu traumatisieren

ADHS-Spektrum

Wie wahr …

Bedingt durch Kontakte im sog. ADD-Forum Berlin schaue ich gerne auf Webseiten aus Luxembourg zum Thema ADHS. Hier war Corrie Neuhaus zu Besuch und in einem Artikel werden gut die Besonderheiten von ADHS-Mädchen (und Jungen) mit der fehlenden Bremse im Gehirn (gerade für die Gefühlsregulation) dargestellt. Der Artikel fasst auf einer A4-Seite so ziemlich alle Grundlagen zur ADHS-Erklärung als Störung der Reizfilter mit Reizoffenheit, Affektlabilität und eben auch der Gefahr der Traumatisierung auf.

Lesenswert, also auf zum Artikel hier.

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ADHS – Medizinethik aus Sicht der ADHS-Kinder

ADHS-Spektrum

ADHS-Voices ist eine Webseite bzw. eine Studie, die sich u.a. mit ADHS und der Stimulantientherapie bei Kindern beschäftigt.

Ist es moralisch vertretbar, Kinder mit Medikamenten zu behandeln oder ist es unterlassene Hilfeleistung, dies nicht zu tun ?

Da ich mich familiär bedingt gerade mit Asthma-Behandlung beschäftigte, ist dies manchmal auch eine geradezu absurd anmutende Diskussion. Mein Sohn muss derzeit neben Cortison in absteigender Dosierung drei Dosieraerosole nehmen (o.K., eins ist „Notfall“). Budenosid, der Wirkstoff von einem häufig angewandten Spray, wird gerade intensiver angefeindet, dass möglicherweise das Wachstum der Kinder um 1,2 cm kleiner bleibt. Kommt uns aus ADHS-Sicht bekannt vor, oder ?

Aber wenn man erlebt hat, wie die Luftnot meinen Sohn akut beeinflusst, so stellt sich doch gar nicht die Frage, ob man Asthma behandelt, sndern höchstens wie.

ADHS und Asthma haben viel gemeinsam. Nicht nur in der Häufigkeit, dem chronischen Krankheitsverlauf und letztlich auch in den  Auswirkungen…

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Verdauungsprobleme und Obstipation bei ADHS-Kindern

ADHS-Spektrum

Viele Eltern von ADHS-Kindern werden die leidvolle Erfahrung gemacht haben, dass in Hinblick auf Verdauung bzw. Blasen- und Mastdarmkontrolle die Entwicklungsverzögerungen bzw. Besonderheiten von ADHS-Kindern sich einmal mehr niederschlagen.

Ein besonders hartnäckiges Problem kann dann die Obstipation, also „Verstopfung“ darstellen. Wer das in seiner Familie mit den Kids schon hinter sich hat, weiss von der Problematik.

Aktuelle Studien belegen, dass ADHS und entsprechende Defäkationsbeschwerden eben gehäuft zusammen auftreten. Wobei hier der Einfluss von Psychostimulantien sich wohl in der Häufigkeit und Schwere der Symptomatik nicht bemerkbar macht.

ADHS-Kinder leiden häufiger unter Verstopfung (aber auch Inkontinenz-Probleme einer sog. Enkopresis mit längerem Einkoten), haben daher auch häufiger Bauchschmerzen bzw. müssen wieder und wieder beim Kinderarzt deshalb vorgestellt werden.

Mehr zur Studie hier

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Schmerzempfinden bei ADHS unter MPH

ADHS-Spektrum

Den meisten Eltern von ADHS-Kids wird die häufig anzutreffende besondere Empfindsamkeit für Schmerz geläufig sein.

Wobei es schon merkwürdig ablaufen kann: Bei groben Schürfungen bzw. Verletzungen kennen die Jungs und Mädels – wie die Indianer – keinen Schmerz. Geht es hingegen um eine Spritze, reichen dann aber keine sieben Helfer in der Praxis …

Wie auch immer. Eine neue Studie untersuchte nun bei Erwachsenen mit ADHS quasi im Labor die Schmerzempfindsamkeit bzw. sogenannte Schmerzschwelle. Dabei stellte sich heraus, dass diese u.a. durch Methylphenidat zu beeinflussen ist. MPH wirkte also quasi als eine Art „Schmerzmedikation“. Weniger im Sinne eines Analgetikums wie Paracetamol oder andere Schmerzmittel. Sondern darüber, dass die Schmerztoleranz / Schmerzschwelle so verschoben wurde, dass das Schmerzempfinden besser auszuhalten war.

Viele chronische Schmerzerkrankungen (wie beispielsweise die Fibromyalgie) werden heute eher als Stress- oder Emotionsverarbeitungsstörung gesehen. Hier könnte der Einfluss der Schmerztoleranz bzw. Hypersensitivität für Berührung / Schmerz bei Reizoffenheit eine grosse Rolle…

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Getrennt lebende Eltern.

Wann immer im Zuge eines Gesprächs das Thema „getrennt lebende Eltern“ aufkommt und ich von meiner bzw. unserer familiären Situation erzähle, dann finden das eigentlich die meisten erst mal klasse. Wie wir mit all dem umgehen und dass wir versuchen, bei allen Differenzen möglichst konstruktiv oder zumindest sachlich zu bleiben. Zwar sagen viele, dass sie sich nicht wünschen, an meiner Stelle zu sein und oft ernte ich verständnisloses Kopfschütteln. Doch meist findet mein Gegenüber es einfach nur gut und vorbildlich, wie wir diese Situation handhaben.

Vom Vater meiner beiden Kinder lebe ich seit Jahren getrennt. Anfangs war es naturgemäß erst einmal eine ziemlich hässliche Angelegenheit; ich behaupte mal frech, das sind Trennungen in den meisten Fällen. Selbständigkeit, Burn Out und Fremdunterbringung taten im Fall unserer Trennung ihr Übriges. Es hagelte von beiden Seiten Vorwürfe und gegenseitige Schuldzuweisungen. Man war entweder bis ins Mark verletzt oder bitter enttäuscht. Oder beides.

Das hätte im Laufe der vergangenen dreieinhalb Jahren sicher so weiter gehen können. Wir hätten uns ständig gegenseitig unsere Fehler und Unzulänglichkeiten vorhalten und uns [und natürlich auch den Kindern] auf diese Weise gegenseitig das Leben schwer machen können. Hätten wir. Haben wir aber nicht. Es blieb bei einigen meist kurzen Scharmützeln kurz nach der Trennung, die zum Glück nicht im Beisein der Kinder stattfanden.

Irgendwann sehr früh nämlich hatten wir uns im Zuge eines Gespräches darauf verständigt dass, sollte es zur Trennung kommen, wir unsere Differenzen nicht auf dem Rücken der Kinder austragen wollten. Ich habe zu diesem Thema mein eigenes Päckchen zu tragen und möchte meinen Kindern so etwas möglichst ersparen. Wobei ich diese Redewendung „etwas auf dem Rücken der Kinder austragen“ gerne ausführen würde. Weil ich glaube, dass es gar nicht so wenige sind, die sich darunter rein  gar nichts vorstellen können.

Eine Trennungs-Situation auf dem Rücken der Kinder auszutragen bedeutet meines Erachtens beispielsweise Folgendes:

– Beide Elternteile [plus evtl. Stief-Elternteil/e] fordern absolute Loyalität vom Kind. Notfalls mit Gewalt, verbal oder körperlicher Natur. Geht schief, darüber muss man mE nicht diskutieren.

– Ein Elternteil [oder beide] weiht eines oder mehrere Kinder in „persönliche Geheimnisse“ ein, die eventuelle Seitensprünge oder dergleichen beinhalten und macht das Kind auf diese Weise zum Komplizen. Kann das [vorher mit großer Wahrscheinlichkeit positive] Bild es Elternteils gehörig ins Schwanken bringen, wenn nicht sogar zerstören. Was man dem Kind hiermit auf den Lebensweg mitgibt: „Lug und Betrug sind okay.“ Ganz großes Kino.

– Eines der Elternteile versucht, das Kind über das andere Elternteil auszuhorchen. Spioniert dem anderen Elternteil und/oder dem Kind hinterher. Noch besser: Verwendet die so in Erfahrung gebrachten Informationen gegen das andere Elternteil. Bewirkt genau eines: Vertrauensverlust gegenüber mindestens einem Elternteil.

– Der Klassiker: Ständiges Streiten vor den Kindern. Besser: Das Kind / die Kinder zum Streit-Gegenstand machen. Das Kind erlebt: Papa und Mama haben sich nicht [mehr] lieb. Ganz sicher bin ich daran schuld.

– Noch ein Klassiker: Das genaue Gegenteil. Alles unter den Teppich kehren. „Bei uns gibt es keine Konflikte. Alles in bester Ordnung.“ Nach außen hin wird heiles Familienleben vorgespielt, dafür brodelt es unterschwellig umso heftiger. Sticheleien und emotionale DIstanz zwischen den Eltern sind vorherrschend. Kinder bekommen sowas mit, und können überhaupt nichts mit einem solchen Verhalten anfangen. Was man ihnen mitgibt: Ein total verqueres Bild vom sozialen Miteinander.

– Klassiker Nr. 3: Über das andere Elternteil lästern. Auf diese Weise versuchen, das Kind „auf die eigene Seite zu ziehen“. Wird den ohnehin im Kind herrschenden Loyalitätskonflikt ins Unermessliche steigern und vermutlich ebenfalls dafür sorgen, dass das Kind sich von mindestens einem Elternteil emotional zurückzieht. Vermutlich jedoch von beiden.

Versteht mich richtig: Ich war damals, als wir uns trennten, wirklich nicht für meine Sozialkompetenz berühmt, wenn ihr versteht was ich meine. Eher war das Gegenteil der Fall. Es brachte mich damals [und bringt mich heute noch] immer wieder an die Grenze meiner Leidensfähigkeit, und ich wage ganz dreist du behaupten, dem Vater meiner Kinder dürfte es hie und da ganz ähnlich gehen. Und ich kann nicht für mich beanspruchen, alles richtig zu machen. Kinder [gemeinsam] großzuziehen, ist Balance- und gleichzeitig Kraftakt. Doch tatsächlich braucht es, wenn man getrennt lebt und es möglicherweise ein Zieh-Elternteil gibt, noch ein Quäntchen mehr Balance und vor allem den unbedingten Willen, dem Nachwuchs das best-mögliche Beispiel bzw. der best-mögliche Mensch zu sein.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass es ziemlich hochgestochen klingen muss, was ich hier von mir gebe. Tatsächlich bin ich nur ein Mensch, der Vater meiner Kinder ist ein Mensch, und mein Partner [und Zieh-Papa der Kinder] ist ebenfalls nur ein ganz normaler Mensch. Wir alle sind Menschen und Menschen machen Fehler und haben mitunter seltsame Eigenheiten, welche in den seltensten Fällen mit denen der anderen kompatibel sind. Doch es liegt an uns, wieder und immer wieder zu reflektieren [was ist bei meinem Gegenüber eigentlich angekommen?] und zumindest zu versuchen, uns auch einmal in die Situation des anderen hinein zu versetzen. Denn ohne das gehts einfach nicht.

Freie Meinungsäußerung?

Ich war Opfer und ich war Täter. Opfer weil ich mich nicht wehren konnte und Täter weil ich mir nicht anders zu helfen wusste, um dem Opferdasein zu entfliehen. Ich wurde jahrelang systematisch fertig gemacht mit harmlosen und weniger harmlosen Späßen und ich selbst habe – Jahre später – systematisch andere Leute verbal niedergemacht.

Mittlerweile versuche ich, weder das eine noch das andere zu sein. Was natürlich nicht bedeutet, dass es mir zu hundert Prozent gelingt.

Theoretisch und praktisch leben wir hier in einem Land der freien Meinungsäußerung. Natürlich kann ich mich vor einen anderen Menschen hinstellen und ihm an den Kopf werfen, dass ich ihn für ein Arschloch/Versager/[hierbeliebigeAbwertungeinfügen] halte. Erst recht kann ich es tun, wenn ich der Ansicht bin, die betreffende Person hätte „es verdient“. Noch einfacher ist es natürlich, im www einen anderen Menschen zu beleidigen und niederzumachen. Alles natürlich immer schön unter dem Deckmantel der „freien Meinungsäußerung“.

Aber ich stelle mir folgende Frage: Muss ich das wirklich tun? Ist es wirklich so wichtig für meinen Seelenfrieden, diesem Menschen „mal so richtig meine Meinung zu sagen“?

Früher stand außer Frage: Klar. Unbedingt. Wer denn wenn nicht ich?

Mittlerweile denke ich mir in sagen wir mal 80 % der Fälle lediglich meinen Teil und spreche höchstens, wenn überhaupt, mit meinem Partner darüber. Beim Rest denke ich gründlich darüber nach und komme in vielen Fällen etwas später zu dem Schluss, dass diese Person vermutlich nicht davon profitieren würde [und ich selbst auch nicht], wenn ich ihr meine Meinung sage, und ich lege innerlich den Vorfall unter „Ablage P rund“ ab.

Hin und wieder allerdings stelle ich fest, dass es mir wichtig ist, meine Meinung kund zu tun, und dann versuche ich, es möglichst sozialverträglich zu gestalten. Meist betrifft es Menschen, die mir in irgendeiner Form am Herzen liegen. Natürlich gelingt es mir nicht immer, wo Menschen sind da darf es durchaus menscheln, aber ich wage mal mutig zu behaupten, es gelingt mir immer öfter.

Allerdings frage ich mich vermehrt, wie es hier im www wohl noch werden wird, wenn sich nicht etwas ändert. Ich weiß nicht, was, oder wie man es ändern könnte. Aber ich beobachte selbst vermehrt dieses systematische „Shitstorming“ bei etlichen Gelegenheiten, wo üblicherweise ein Rudel Gleichgesinnte auf einen [oder selten mehrere] offensichtlich Unterlegenen verbal eindrischt.

Natürlich kann man sich fragen, wie der „Empfänger“ der Beleidigungen das wahrnimmt. Kann man, muss man aber nicht. Schließlich macht man ja nur vom ur-eigenen Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch, nicht wahr?  Und was ist mit den Rechten des Empfängers? Recht auf seelische und körperliche Unversehrtheit? Ist das weniger wert als das Recht den ganzen Frust den man aus egal welchen Gründen aufgestaut hat, einfach mal unqualifiziert beim Erstbesten abzuladen, der einem quer kommt?

Ist es wirklich schon so weit mit unserer „Menschlichkeit“ und unserer „Nächstenliebe“ dass wir drauf scheißen, ob wir gerade einem Menschen den Boden unter den Füßen wegreißen [weil schließlich kennen wir die Person hinter der Internetpräsenz nicht] nur weil wir der Ansicht sind, er oder sie habe sich nicht korrekt verhalten? Weil es unser RECHT ist?

Oder, frei nach Schopenhauer: „Die Freiheit besteht darin, daß man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.“ 

My two Cents zum Thema freie Meinungsäußerung.