Methylphenidat – warum eigentlich nicht?

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, bin ich lange Zeit eine strikte Methylphenidat-Gegnerin gewesen. Wir haben wirklich alle Alternativen ausgeschöpft, und erst als die Situation für alle [!] Familienmitglieder unerträglich wurde, inklusive Sohnemann [der von allen am meisten darunter litt weil er ständig von uns eins auf den Deckel bekam, weil wir selbst irgendwann permanent gereizt waren], rang ich mich dazu durch, eine medikamentöse Behandlung in Betracht zu ziehen.

Generell bin ich auch jetzt noch eher skeptisch bei Medikamenten, die an Kinder verabreicht werden.

Sohnemanns ADHS ist mittelschwer, sprich es schränkt seine Konzentration massiv ein [Konzentrationsspannen von im schlimmsten Fall wenigen Sekunden sind regelmäßig der Fall!] und er wird spätestens in der Schule bedingt durch Frust einen massiven Verlust seines Selbstwertgefühls erleiden.

Natürlich gibt es auch schwächere Ausprägungen, denen man auf andere Weise und mit viel „Geduld und Spucke“ beikommen kann.

Allerdings glaube ich, dass schon allein der Verdacht auf ADHS und die Angst vor einer möglichen Methylphenidat-Empfehlung und die dadurch verursachte [befürchtete] soziale Ausgrenzung [Vorurteil: Unfähige/bequeme Eltern] etliche Eltern davon abhält, diesem Verdacht nachzugehen.

Und dann gibt es noch das Eltern-Ego. „Wir schaffen das ohne diese Drogen, sowas brauchen wir nicht. Wir sind sorgende und fähige Eltern und können das [im schlimmsten Fall] ohne Hilfe schaffen.“

Man hat natürlich Angst, ob man dem Kind dadurch unter Umständen langfristig schadet. Diese Angst ist realistisch, immerhin: „man hört doch so viel“, das Medikament unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz, und überhaupt gibt es viel zu wenige Langzeitstudien in diesem Bereich.

Das sehe ich genauso. Und – wenn irgendeine Möglichkeit besteht, dem Kind anders zu helfen, dann muss man es zumindest versuchen. Allerdings, falls wirklich nichts fruchtet [Sohnemann ist seit Monaten im zB im Taekwondo nicht seinen Fähigkeiten entsprechend weitergekommen, hat nur gesehen, wieviele andere Kinder  schon die ersten Prüfungen machen durften, und er schaffte es kaum einmal, eine Stunde lang durchzuhalten, ohne mindestens einmal rauszufliegen oder zumindest ermahnt zu werden], dann muss man sich als sorgendes Elternteil, schon allein im Interesse des Kindes und dessen seelischer Gesundheit, überlegen, ob nicht doch wenigstens über einen gewissen Zeitraum hinweg eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein könnte.

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