Angepasst. Nicht.

Das Töchterchen hat derzeit, wie ich in einem vorherigen Blogeintrag bereits erwähnt habe, etwa einmal täglich einen richtig heftigen Wutanfall, wärend dessen man nicht mit Ansprache an sie heran kommt, und am besten alles aus ihrer Griffweite schafft, womit sie sich selbst oder jemand anderes verletzen könnte.

Es dauert schon mal eine Stunde, bis sie sich beruhigt hat und man wieder normal mit ihr reden kann.

Natürlich macht das keinem von uns Spaß, daher haben Kerl und ich uns überlegt, ob es vielleicht etwas bringt, wenn wir den Verlauf des Abends etwas variieren. Es wird sonst einfach zu spät, bis die Kinder im Bett sind.

Also putzt das Mädel direkt nach dem Abendessen die Zähne, und danach erst wird das weitere Abendprogramm gestartet. Das verlief vorgestern auch recht unproblematisch, allerdings kam die Rechnung tags drauf am Mittag, als ich sie vom Kiga abholen wollte.

Wenn das Wetter schön ist, dürfen die halb-zwei-Uhr-Kinder mittags draußen vespern. So auch meine beiden. Als ich durch den Garten gehe, kommt mir schon mit den Worten „die ist heute unmöglich, ich weiß nicht was mit ihr los ist“ eine total entnervte Erzieherin von Sohnis Gruppe entgegen, an der Hand mehr oder weniger hinter sich herziehend: das bockende Töchterchen.  Als sie mich erblickt, stürmt sie auf mich zu und stürzt sich in meine Arme, als wäre sie eben nur knapp dem Grauen entkommen. Ich denk mir nur: gut, das kann ja lustig werden, und so kommt es dann auch.

Tochter folgt mir erst mal, nicht wirklich begeistert, aber immerhin: sie folgt. Doch sie möchte noch Sprudel trinken. Die Becher sind aber gerade abgewaschen, und so vertröste ich sie auf zuhause. Und das ist dann der Funken, den es braucht, um das wandelnde Pulverfass explodieren zu lassen.

Das Gewitter bricht los, ich schnappe mir das Kind samt Hausschuhen, die sie noch trägt, und bitte ihren Bruder, ihren Rucksack zu tragen. Unter verständnislosen Blicken trage ich die brüllende und sich in meinem Griff windende Tochter aus der Kita in Richtung Parkplatz. Unterwegs trage ich noch zur Belustigung eines befreundeten Papas bei, der dort wohnt, gerade zufällig auf dem Balkon steht und das Schauspiel beobachten kann.

Als nächstes sollte ich das Kind irgendwie ins Auto bekommen. Wer schon mal versucht hat, eine sich wehrende Katze in einen Transportkorb zu bekommen, dürfte eine Ahnung haben, dass geschätzte 20 kg Berserker nicht zu unterschätzen sind. Sie tritt und schlägt um sich und versucht außerdem, mich zu kratzen und zu zwicken. Aus Sorge, sie könnte ihren Zorn gegen ihren Bruder richten, schaffe ich seinen Kindersitz nach vorne.

Anschnallen is nich wie ich zu meinem Unmut feststelle, also starte ich erst einmal das Auto. Man lese und staune, das Kind tobt zwar, aber in ihrem Zorn merkt sie, dass Autofahren ohne angeschnallt zu sein irgendwie nicht so ganz richtig ist, und verlangt lautstark, angeschnallt zu werden. Also schnalle ich das Kind an. Ich werde während der Fahrt beschimpft [du bist hässlich, dein Auto ist hässlich, dein Computer ist hässlich, alle deine Sachen sind hässlich, ich hasse dich, ich mache nie wieder etwas mit dir, und ich steige auch nie wieder in dein Auto ein], und außerdem verlangt sie immer wieder lautstark nach Papa [wir erinnern uns, sie will immer das, was gerade garantiert absolut unmöglich ist] aber das kennt man ja; außerdem weiß ich, dass ihr diese Wutausbrüche später immer ganz fürchterlich unangenehm sind.

Zuhause angekommen stellt sie fest, dass sie eigentlich null Bock hat jetzt erst mal im Kinderzimmer zu sitzen, und hängt sich schluchzend an meine Hand.

Wie schön, dass sie sich jedes Mal wieder beruhigt. Irgendwann.

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2 Gedanken zu “Angepasst. Nicht.

  1. Joa. Die ersten paar Tobsuchtsanfälle waren nuja, grenzwertig. Aber mit jedem Mal kommt ein bisschen mehr die innere Gelassenheit, zumindest wars bei mir so. Ich hätt mir das vorher nie, niemalsnimmernicht vorstellen können, wieviel Geduld man plötzlich von irgendwoher mobilisiert bekommt. Selbst jemand wie ich.

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