Archiv für den Monat April 2013

Noch-nicht-soo-alt.

Tochter: „Mamaa… wer war eigentlich zuerst geboren, du oder Papa-Zwei?“

– „Papa-Zwei. Er ist ungefähr ein Jahr älter als ich.“

„Aber Mamaa, wie alt bist du eigentlich?“

„Vierunddreißig.“

„Und Papa-Zwei?“

„Fünfunddreißig.“

„Achso, dann seid ihr ja noch nicht soooo alt.“

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Sohnemann kann – und was es mit dem Rest der Familie macht. Teil 2: Mama.

Ich bin sowas von erleichtert, das könnt ihr euch überhaupt nicht vorstellen. Klar ich hätte es lieber ohne Medis in den Griff bekommen, aber lieber so als weitermachen wie bisher.

Vor einer Weile schrieb ich bereits, dass der Sohn sich seit Beginn der Medikamentgabe charakterlich nicht verändert hat. Er ist nach wie vor extrem neugierig, regelrecht wissensdurstig, will überall mitmachen und -helfen, und ist sogar gefühlt kreativer und auch motorisch viel geschickter geworden. Sprich er ist nach wie vor sehr agil. Außerdem wirkt er generell entspannter und auch selbstsicherer auf mich. Einfach „nur“ weil sein Hirn die Impulse plötzlich korrekt verarbeiten kann.

Für mich ist es insofern eine große Erleichterung, da ich nun auch mal Anweisungen geben kann, denen er [länger als drei Sekunden] zu folgen in der Lage ist, und nicht beim nächsten Gedanken den Kopf wieder „in den Wolken“ hat. Ich muss ihn nicht mehr ununterbrochen im Auge behalten aus Angst, dass er mir plötzlich unvermittelt auf die Straße rennt, weil er seine Gedanken nicht sortiert kriegt.

Erstmals erlebe ich meinen Sohn, wie er „dabei“ ist, so richtig mit seiner ganzen Konzentration, und es auch schafft, länger als fünf Minuten dabei zu bleiben.

Es macht auch mir plötzlich wieder viel mehr Spaß, etwas mit ihm zu unternehmen, weil er nicht mehr im Fünfminutentakt die Art der Beschäftigung ändert, wenn ich gerade erst richtig angefangen hab.

So gesehen, war DAS glaube ich so mit das Anstrengendste. Dass man sich bei ihm auf nichts richtig einstellen konnte, und immer, wirklich un-unterbrochen, gedanklich in Hab-Acht-Stellung sein musste, um notfalls sofort einzugreifen und so eine [unnötige] Eskalation abwenden zu können.

Wie anstrengend das wirklich war, erlebe ich wenn ich mal am Wochenende, wenns eigentlich nicht so tragisch ist, die Tablette weglasse. Es ist der reinste Eiertanz und die Kinder [beide!] sind gleich so viel anstrengender und kräftezehrender, dagegen ist ein Tag mit Sohnemann, wenn er eine Medikinet genommen hat, der reinste Frühlingsspaziergang.

Ich bin froh, dass wir  diesen Schritt gegangen sind, nicht nur wegen der gefühlten eigenen Erleichterung, sondern ebenso weil Sohnemann so viel zufriedener erscheint.

Talent.

Gestern hab ich zum ersten Mal „Spätzle g´schabt“. Hab mich unter neugierigen Blicken von Chris und Eric wohl nicht wie ein kompletter Vollhorst angestellt.

Eric fragt ungläubig „und du machst das wirklich zum ersten Mal?“

– „Jup.“

Chris: „Bisch halt doch´n Schwob.“ oder so ähnlich, jedenfalls sinngemäß. Also „eigentlich“ bin ich ja kein Schwabe sondern Baden[s]er, auch wenns Grenzgebiet ist, das Kaff in dem ich geboren und aufgewachsen bin, Baden ist Baden und bleibt auch erst mal Baden. Irgendwas meinte er noch mit „hier im Kaff sind wir auch Badener, aber da heißts know your enemy.

Mhm, whatever. Den Burner allerdings brachte Eric, der da meinte „Du hast halt ein Talent für Teige.“

Dafuq…

Talent?

TALENT??? Also ja, ich hab sicher gewisse Talente, aber mal so ganz unter uns: Teige sind keins davon. Das ist reines hart erarbeitetes Können und Erfahrung.

Er hat dann die Kurve [Glück für ihn harr harr] noch bekommen, indem er eiligst hinzugefügt hat, ja natürlich, und die viele harte Arbeit uuuund Erfahrung, versteht sich.

Mhm.

Wir sind…

…eine junge Familie, bestehend aus zwei Erwachsenen [Mittedreißig] und zwei Kindern, von denen eines dieses Jahr eingeschult wird.

Hier herrscht eine „Art“ Patchworksituation, sprich ich bin vom Vater der Kinder getrennt und er sieht sie regelmäßig. Aus der aktuellen Partnerschaft  sind bisher keine Kinder hervorgegangen und werden es mit großer Wahscheinlichkeit auch nicht mehr. Zum jetzigen Zeitpunkt „habe ich erst mal fertig“ mit Kinderkriegen.

Ich, das Weibchen, bin Konditormeisterin [derzeit sozusagen „im Ruhestand“] allerdings arbeite ich im Schnitt 20 Stunden pro Woche in der Plunderglasierabteilung einer hiesigen Großbäckerei.

Mein Holder ist mit Leib uns Seele Metaller, und zwar nicht nur beruflich sondern auch was seinen Musikgeschmack angeht. Langhaarig, tätowiert, sieht wild aus, [und psst, nicht weitersagen:] ist aber absolut friedliebend. Es lebe das Vorurteil!

Es gibt einen Sohn und eine 15 Monate jüngere Tochter. Beide sind für sich gesehen besonders, vor allem besonders unterschiedlich, doch im Team [Kinder versus Eltern] laufen sie zur Höchstform auf. Sie halten uns ordentlich auf Trab, und wir bemühen uns natürlich, in Erziehungssachen an einem Strang zu ziehen. Dennoch passiert es gelegentlich, dass wir uns uneinig sind, und natürlich finden die Kinder diese Schwachpunkte mit schlafwandlerischer Sicherheit. Dort wird bei der ersten sich bietenden Gelegenheit eingehakt, bis wir das Spiel durchschauen und dem Ganzen ein Ende setzen.

Wie in allen Familien, besonders in Patchworksituationen, gibt es natürlich auch bei uns einen Haufen und noch mehr Konfliktpotenzial. Nicht immer gelingt es, dies rechtzeitig zu bemerken und zu umschiffen, und kaum einmal schaffen wir es, einen Konflikt dauerhaft aus der Welt zu schaffen.

Dann gibt es noch das Thema ADHS, welches allerdings erst seit Kurzem wirklich greifbar ist, bis vor einem halben Jahr stand es mit einem großen Fragezeichen, unausgesprochen aber immer im Hinterkopf, im Raum, bis der Besuch im hiesigen Kinderzentrum Gewissheit brachte. Seit Frühjahr 2013 bekommt der Sohnemann daher Methylphenidat und spricht auch sehr gut darauf an. Nähere Infos findest du in der Sparte „ADHS“.

Mein Blog ist ein Sammelsurium aus Erlebtem sprich Vergangenheitsbewältigung [Stichwort Burn Out] und Aktuellem. Kindersachen, Elternsachen, Dialoge welche sich aus den unterschiedlichsten Situationen zu allerlei Themen ergeben und auch solche Ereignisse, die mich und je nach Anwesenheit auch die zwei Männer stellenweise bis an die Grenzen unserer Leidensfähigkeit bringen [Stichwort beim Sohnemann: ADHS, oder bei der Tochter: Berserker].

Dennoch gibt es auch immer wieder die schönen Momente, in denen wir es genießen, dass wir einander haben und alle soweit, ich sag mal „weitestgehend“ [bis auf ein oder zwei Zipperlein die so ab 30 anfangen] gesund sind.

Ansonsten gibts viel aus dem Familienalltag und hin und wieder ein Tortenprojekt.

Viel Spaß beim Schmökern!

Eure Michi.

Dei Mudder…

Irgendwie dachte ich, es würde länger dauern. Aber im Leben mit Kindern ist nur auf eines Verlass: Es kommt DEFINITIV anders, als du denkst.

Tochter schiebt schon länger Frust, weil sie nie ihre beste Freundin besuchen darf. Auf die familiären Umstände gehe ich gar nicht ein, denn ich kenne sie nicht. Man spricht in dieser Familie nicht wirklich mit mir.

Jedenfalls liegt es nicht an uns, dass Tochter dort nicht hindarf, ich habe schon mehrmals die Initiative ergriffen und bin einmal derart pampig abgefertigt worden, dass es selbst mir irgendwann zu dumm geworden ist. Hat sie eben Pech gehabt, ich kann die Leute ja nicht zwingen.

Jedenfalls haben wir uns mal wieder über das Thema „diese Freundin besuchen“ unterhalten, und schon einige Male habe ich versucht, ihr begreiflich zu machen, dass es eben einfach nicht möglich ist, alle ihre Wünsche zu erfüllen.

Vorhin meinte sie dann unvermittelt: „Weißt du was der Papa von E. zu ihr gesagt hat?“

Ich, neugierig geworden: „Nee…“

„Er hat gesagt, dass du immer noch ganz viele Pickel hast. Und dass du krank bist.“

Ich stutze. „Aha.“

Also, ich habe kürzlich wieder einen fiesen Schub Stress-Pusteln gehabt, das ist richtig. Aber  das kann der Papa von ihrer Freundin eigentlich nicht wissen, weil er mich gar nicht gesehen hat. Aber krank? Ehm, nein. Also zerpflückten Kerl und ich diese Erzählung und kamen zu dem Schluss, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von ihrem Papa ausging, sondern eher von ihr. Allerdings stritt Tochter unsere Vermutung vehement ab. „Die E. lügt nie!“

Mein Versuch, ihr zu erklären, dass ALLE Menschen lügen, und ebenso ihre Freundin, prallte offensichtlich vollkommen wirkungslos an ihr ab. Was wissen die Alten denn schon…

Naja, vielleicht hätte ich ihrem Papa letztes Jahr auch besser nichts von meinem Burn Out erzählen sollen…

Komische Mensche sin´  komisch.

Wurzelgespräche.

Tochter stellt enttäuscht fest: „Och… meine Pflanze ist vertrocknet…“

Mein Blick folgt ihr auf den Parkplatz, welcher seit neuestem mit Kies bedeckt ist. Und entdecke dort ein verwelktes Etwas. Auf dem Kies.

„Ja Tochter, wenn du die da hinlegst dann vertrocknet die halt.“

„Aber ich hab sie doch ein-ge-pflanzt!“

„Du musst sie auch erst ins Wasser stellen, bis sie Wurzeln bekommen, und dann musst du sie in Erde einpflanzen, und nicht in Steine.“

Sie kichert.

„Ich hab schon mal eine Pflanze mit Wurzeln gepflückt.“

Sohn schaltet sich ein: „Ich auch. Und soll ich dir sagen waas? Ein Gänseblümchen.“

„Eecht? Haben Gänseblümchen auch Wurzeln?“

„Ja klar. Alles hat Wurzeln. Wie sollen die sich sonst in der Erde festhalten?“

„Auch Steine?“

„Neiiiin, Steine haben keine Wurzeln…“

„…du hast aber gesagt: Alles.“

„Jaaa… ich meinte damit alle Pflanzen.“

Angepasst. Nicht.

Das Töchterchen hat derzeit, wie ich in einem vorherigen Blogeintrag bereits erwähnt habe, etwa einmal täglich einen richtig heftigen Wutanfall, wärend dessen man nicht mit Ansprache an sie heran kommt, und am besten alles aus ihrer Griffweite schafft, womit sie sich selbst oder jemand anderes verletzen könnte.

Es dauert schon mal eine Stunde, bis sie sich beruhigt hat und man wieder normal mit ihr reden kann.

Natürlich macht das keinem von uns Spaß, daher haben Kerl und ich uns überlegt, ob es vielleicht etwas bringt, wenn wir den Verlauf des Abends etwas variieren. Es wird sonst einfach zu spät, bis die Kinder im Bett sind.

Also putzt das Mädel direkt nach dem Abendessen die Zähne, und danach erst wird das weitere Abendprogramm gestartet. Das verlief vorgestern auch recht unproblematisch, allerdings kam die Rechnung tags drauf am Mittag, als ich sie vom Kiga abholen wollte.

Wenn das Wetter schön ist, dürfen die halb-zwei-Uhr-Kinder mittags draußen vespern. So auch meine beiden. Als ich durch den Garten gehe, kommt mir schon mit den Worten „die ist heute unmöglich, ich weiß nicht was mit ihr los ist“ eine total entnervte Erzieherin von Sohnis Gruppe entgegen, an der Hand mehr oder weniger hinter sich herziehend: das bockende Töchterchen.  Als sie mich erblickt, stürmt sie auf mich zu und stürzt sich in meine Arme, als wäre sie eben nur knapp dem Grauen entkommen. Ich denk mir nur: gut, das kann ja lustig werden, und so kommt es dann auch.

Tochter folgt mir erst mal, nicht wirklich begeistert, aber immerhin: sie folgt. Doch sie möchte noch Sprudel trinken. Die Becher sind aber gerade abgewaschen, und so vertröste ich sie auf zuhause. Und das ist dann der Funken, den es braucht, um das wandelnde Pulverfass explodieren zu lassen.

Das Gewitter bricht los, ich schnappe mir das Kind samt Hausschuhen, die sie noch trägt, und bitte ihren Bruder, ihren Rucksack zu tragen. Unter verständnislosen Blicken trage ich die brüllende und sich in meinem Griff windende Tochter aus der Kita in Richtung Parkplatz. Unterwegs trage ich noch zur Belustigung eines befreundeten Papas bei, der dort wohnt, gerade zufällig auf dem Balkon steht und das Schauspiel beobachten kann.

Als nächstes sollte ich das Kind irgendwie ins Auto bekommen. Wer schon mal versucht hat, eine sich wehrende Katze in einen Transportkorb zu bekommen, dürfte eine Ahnung haben, dass geschätzte 20 kg Berserker nicht zu unterschätzen sind. Sie tritt und schlägt um sich und versucht außerdem, mich zu kratzen und zu zwicken. Aus Sorge, sie könnte ihren Zorn gegen ihren Bruder richten, schaffe ich seinen Kindersitz nach vorne.

Anschnallen is nich wie ich zu meinem Unmut feststelle, also starte ich erst einmal das Auto. Man lese und staune, das Kind tobt zwar, aber in ihrem Zorn merkt sie, dass Autofahren ohne angeschnallt zu sein irgendwie nicht so ganz richtig ist, und verlangt lautstark, angeschnallt zu werden. Also schnalle ich das Kind an. Ich werde während der Fahrt beschimpft [du bist hässlich, dein Auto ist hässlich, dein Computer ist hässlich, alle deine Sachen sind hässlich, ich hasse dich, ich mache nie wieder etwas mit dir, und ich steige auch nie wieder in dein Auto ein], und außerdem verlangt sie immer wieder lautstark nach Papa [wir erinnern uns, sie will immer das, was gerade garantiert absolut unmöglich ist] aber das kennt man ja; außerdem weiß ich, dass ihr diese Wutausbrüche später immer ganz fürchterlich unangenehm sind.

Zuhause angekommen stellt sie fest, dass sie eigentlich null Bock hat jetzt erst mal im Kinderzimmer zu sitzen, und hängt sich schluchzend an meine Hand.

Wie schön, dass sie sich jedes Mal wieder beruhigt. Irgendwann.

Sohnemann kann – und was es mit dem Rest der Familie macht. Teil 1: Töchterchen.

Die Tochter kotzt. Aber so richtig. Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass sie Mama, Papa-Zwei und Papa-Eins sowie das Kinderzimmer mit ihrem Bruder teilen muss. Wo sie seit etwa zwei Jahren [bzw. seit sie halbwegs einen Stift zu halten lernte] das alleinige Monopol auf Beschäftigungen besaß, für die man Geschick UND Ausdauer brauchte [wie Puzzeln, Malen, Basteln und ausdauernd mit Lego bauen] und natürlich auch entsprechend Lob und Aufmerksamkeit einstreichen konnte, muss sie selbst dies seit einigen Tagen mit ihrem Bruder teilen.

Und ich dachte, das ständige Gerangel um Aufmerksamkeit, die Eifersüchteleien und Sticheleien hätten ihren Höhepunkt bereits erreicht. Pustekuchen. Ich glaube, das wird nochmal so richtig lustig, bis sich das Fräulein Tochter an die neuen Lebensumstände gewöhnt hat.

Berzwerkerin. Mein kleines, großes Mädchen.

Momentan dreht sich hier viel um Sohnemann. Das merkt natürlich auch das Töchterchen. Und, um ehrlich zu sein, es passt ihr erwartungsgemäß überhaupt nicht in den Kram.

Sohni macht einen Schwimmkurs. Töchterchen findet das toll und will auch, so wie sie alles, was ihr Bruder macht, erst mal toll findet und auch will. Das Spielchen hab ich zweimal mitgespielt, als es darum ging dass sie auch Taekwondo anfangen wollte, allerdings hat sie es sich zweimal wieder „anders überlegt“ bzw. hatte dann Angst vorm Trainer und den vielen fremden Kindern, so dass ich beschloss, es wieder zu beenden.

Nun, mit dem Schwimmkurs entwickelt es sich ganz ähnlich, natürlich will sie auch mitmachen. Allerdings kenne ich meine Pappenheimer, und weiß genau, wenn ich sie auch dort angemeldet hätte, dürfte ich zweimal Kursgebühren zahlen und hätte am Ende zwei Kinder, die immer noch nicht schwimmen können, weil sie während der Schwimmstunde viel zu sehr damit beschäftigt waren, sich gegenseitig aufzustacheln und den Unterricht zu stören. Deshalb macht Töchterchen eben nächstes Jahr ihren Schwimmkurs. Reicht ja.

Ansonsten macht sie derzeit einen gewaltigen Entwicklungsschub durch. Und wir mit ihr. Vor wenigen Wochen wurde sie sich der Endlichkeit allen Lebens bewusst. Sprich, wenn alle Menschen und alle Tiere sterben, dann bedeutet das in weiterer Konsequenz, dass Papa und Mama auch mal sterben, und sie selbst auch. Das macht ihr schwer zu schaffen. Ferner stellt sie Fragen zum Kinderkriegen [beim Machen sind wir noch nicht angelangt, aber bis dahin dürfte es nicht mehr allzu lang dauern] und allerlei anderer „Erwachsenenthemen“.

Das ist natürlich ganz schön viel auf einmal, wenn man sich plötzlich darüber klar wird, dass man selbst irgendwann einmal sterben muss. Dazu kommt, dass ihr Bruder sehr viel Aufmerksamkeit bekommt [was sich allerdings mit den Medis spürbar gebessert hat, da ich mittlerweile nicht ständig meine ganze Aufmerksamkeit auf ihn richten muss], und es kotzt sie nach wie vor mächtig an, dass sie die Kleinere von beiden ist. So fragte sie mich vor einiger Zeit erbost, warum eigentlich nicht sie „zuerst geboren werden durfte weil sie will nicht immer die Kleinere sein“. Tja. Klarer Fall von dumm gelaufen. Ich versuchte es ihr zu erklären, ich glaube sie hat es auch soweit verstanden, aber es käst sie trotzdem an.

Und so haben wir momentan tägliches Drama, wovon sich der Hauptteil – natürlich, wann sonst – abends abspielt, vorzugsweise vor dem Zähneputzen. Da wird das Kind zum Berserker, und geht auf wirklich alles los, was sich ihr in den Weg stellt. Da muss man schon mal das Kind in die Zange nehmen um es davon abzuhalten, das Kinderzimmer zu verwüsten, oder wahlweise sich selbst oder einen von uns zu verletzen. Berserker eben. Und genauso plötzlich wie es kam ist das Gewitter dann irgendwann wieder vorüber, und das Kind ist wieder ansprechbar.

Ich liebe sie.

Methylphenidat vs. ADHS, Tag 5.

Heute war der große Tag. Sohnis Gelbgurtprüfung stand an. Und er hat es wirklich – wer ihn aus der Zeit „davor“ kennt, weiß was ich meine – bravurös gemeistert. *.* Ich war selbst überrascht, WIE gut er ist. Und das obwohl ich immer dabei bin.

Der Sohnemann ist, hm, ich würde jetzt nicht sagen wie ausgewechselt, er ist schon noch „der Sohnemann“ den wir kennen, aber irgendwie ist er jetzt viel einfacher zu handhaben. Folgende Unterschiede sind mir besonders aufgefallen:

– Frustrationstoleranz. Er ist viel ausgeglichener. Ich sag jetzt nicht, dass ihm plötzlich alles scheißegal ist, aber er kann mit Frust viel besser umgehen. Eine Situation möchte ich kurz beschreiben, wie sie typischer nicht sein könnte. Vorhin wurden in alphabetischer Reihenfolge zuerst diejenigen Kinder aufgerufen, die Gelbgurtprüfung ablegen durften. Wir kommen bei sowas immer ziemlich zum Schluss an die Reihe, weil wir eben erst bei „U“ dran sind. So hieß es für Sohnemann erst mal: warten. Zuerst recht gelassen, merkte ich, dass er nach einiger Zeit anfing, sich mit zwei Mädels, die vor ihm saßen, zu kabbeln. Man konnte ihm ansehen, wie sein Frustpegel stieg, und er schlug sogar zweimal frustriert auf die Matte ein, auf welcher er saß. Zum Glück wurde er kurz danach aufgerufen, und konnte sich so problemlos aus der Situation lösen. Allerdings weiß ich, dass er ohne medikamentöse Hilfe hundertprozentig ausgerastet wäre. Weil das nämlich immer passiert[e]. Genau DAS sind die Situationen, welche im Kindergarten ein riesengroßes Problem darstellen. Generell im Umgang zwischen Sohni und anderen Kindern.

– Konzentration. Man glaubt es kaum, aber Sohnemann hat das Malen für sich entdeckt. Klar ein bisschen Kritzeln ging immer wieder mal, aber nach höchstens fünf Minuten konnte er nicht mehr. Heute saß er, wohlgemerkt nachdem er bereits hochkonzentriert die Prüfung im Tae Kwon-Do abgelegt hatte, zuhause am Tisch, und malte in aller Seelenruhe und mit viel Liebe zum Detail ein vielfarbiges Bild.

– Aufmerksamkeit/Konzentration/Lernfaktor. Sohnemann merkt sich plötzlich, was man zu ihm sagt. Schönes Beispiel: Ein herumliegendes Kabel. Einmal weise ich ihn darauf hin, einmal stolpert er darüber, und die folgenden Male achtet er darauf, wo er hintritt. Und er stolpert an diesem Tag kein einziges weiteres Mal über das Kabel. So etwas gab es „davor“ einfach nicht. Er hat sich nichts, aber auch wirklich rein gar nichts gemerkt, was man zu ihm gesagt hat.

Bewegungsdrang.  Er zappelt nicht mehr. Und wenn doch, kann es es relativ leicht regulieren. Und seine Tics haben mit Einnahme der ersten Tablette nahezu sofort aufgehört.

Appetit. Ich habe bei meinem Sohn noch nie, wirklich kein einziges Mal erlebt, dass er eine Mahlzeit ausgelassen hat. Und wenn doch [und diese Tage kann man an einer Hand abzählen], dann hatte er einen Magen-Darm-Infekt. Seit er Methylphenidat bekommt, hat sein Appetit spürbar nachgelassen. Er ist nicht übergewichtig, nicht mal ansatzweise, dazu ist er viel zu sehr permanent in Bewegung, aber er hat einen Appetit wie eine Heuschrecke. Er futtert nahezu alles, was ihm zwischen die Finger kommt. Seit er das Medikament nimmt, hat er bereits zweimal dankend abgelehnt. Natürlich hat er dann etwas später trotzdem etwas gegessen, aber bei weitem nicht so viel wie sonst. Klar, er ist ja auch nicht mehr ununterbrochen in Bewegung, wie es vorher der Fall war.

Interessant finde ich, wie sehr plötzlich Töchterchens spontane Anfälle von Berserkeritis ins Gewicht fallen, wenn man nicht mehr dauernd nebenher damit beschäftigt ist, Sohni davon abzuhalten, versehentlich sich selbst zu verletzen. Und ich finde es gut, dass ich seit einigen Tagen selbst spürbar entspannter bin, und demzufolge auch viel relaxter auf ihre Tobsuchtsattacken reagieren kann.