Burn Out – Drei Jahre danach.

Nun sind ziemlich genau drei Jahre vergangen, seit ich die Selbständigkeit aufgegeben habe. Ich finde, es ist wieder einmal an der Zeit für ein kleines Resümee.

Vorhin stellte ich Chris gegenüber erfreut fest, dass ich dieses Jahr gesundheitlich eigentlich ganz gut durch den Winter gekommen bin. Wenn man als Vergleich den ersten Winter „danach“ heranzieht bin ich geradezu topfit. Ich war kein einziges Mal ernsthaft erkältet dass es mich umgeworfen hätte, was noch vor zwei Jahren mit schöner Regelmäßigkeit [heute kaum mehr vorstellbar] einmal alle zwei bis drei Wochen der Fall gewesen ist. Ich hab wirklich – alles – mitgenommen, was die Kiddies ausm Kiga angeschleppt haben. Klar, bissel Triefnase und Husten war dieses Jahr auch dabei, aber alles noch im Rahmen des Erträglichen. Ein weiteres Indiz dafür, dass ich langsam aber sicher wieder auf die Beine komme. Zum Vergleich der in die andere Richtung geht: Während ich in Salzburg gewohnt hab ist es oft vorgekommen, dass ich vielleicht einmal im Jahr „leicht“ erkältet war, wenn überhaupt. Meistens sind nur alle um mich herum krank geworden, und ich hab ich nur gewundert, wie die das anstellen so oft krank zu sein.

Weiters arbeite ich wieder, und obwohl ich nach dreieinhalb Jahren Dauerstress eine regelrechte Stress- und Hektik-Allergie entwickelt hatte, komme ich heute wieder damit klar, einige Stunden unter Zeitdruck zu arbeiten. Allerdings frage ich mich jetzt, wie ich diese mörderischen 12-Stunden-Schichten sieben Tage die Woche durchgehalten habe. oÔ

Was mir allerdings auch letzte Woche erst sehr schmerzlich bewusst wurde, ist die Tatsache, dass ich sehr genau darauf achten muss, genug Schlaf abzugreifen. Es ist mir heute praktisch unmöglich, eine Nacht durchzumachen, ohne direkt im Anschluss die Rechnung dafür zu kassieren in Form von einer Müdigkeit, die sich durch absolut nichts in den Griff bekommen lässt. Außer einer gehörigen Portion Schlaf, versteht sich. Sprich, mein Körper wehrt sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen erneute Ausbeutung.

Und was auch ein sehr auffälliges Indiz dafür ist, dass der Burn Out Spuren hinterlassen hat: Meine „neue“ Energie-Effizienz. Ich achte sehr genau darauf, in welche Aktionen und/oder Menschen ich meine Energie und Nerven investiere. Früher war ich extrem leicht auf die Palme zu bringen. Kurzer Zünder könnte man es nennen. Heute läuft das folgendermaßen ab: Sofern ich in eine egal wie geartete Situation gerate, stelle ich mir sofort die Frage: „Ändert es irgendetwas, wenn ich mich darüber ärgere?“ Die Antwort lautet in 99,9% der Fälle nein, also ärgere ich mich nicht. Meistens klappt das sogar. ^^

Okay, klammern wir die Kinder hier mal aus. Die Kinder sind eine andere Geschichte, wobei ich auch hier mittlerweile im direkten Vergleich zu früher geradezu tiefenentspannt bin. Es gibt auch außerhalb von Haushalt und Kindern genügend potentielle Ärgernisse, über die man sich entweder tatsächlich ärgert, oder aber sich denkt „Ganz ruhig, das Karma wirds schon richten.“ und es dabei belässt.

Ich hab einfach nicht mehr die Kapazitäten, als dass ich weiterhin derart verschwenderisch mit meiner Energie umgehen könnte.

Mein Magen ist auch so eine Sache, aber ich weiß nicht inwiefern hier Veranlagung eine Rolle gespielt hat [Paps hatte es auch] und bis zu welchen Punkt tatsächlich der Stress um die Selbständigkeit bzw. der Burn Out ausschlaggebend war.

Noch ein gutes Stichwort ist Wertschätzung. Ich bin vorsichtig geworden. Nicht überängstlich würde ich sagen, aber nicht mehr so fast schon mutwillig unvernünftig wie noch vor wenigen Jahren. Und die wenigen Menschen die mir wirklich etwas bedeuten, bei denen gebe ich mir große Mühe, es sie auch spüren zu lassen, wie wichtig sie mir sind. Und ich versuche, solche Menschen möglichst nicht zu vergraulen. Aber ob ich das auch wirklich hinbekomme, das steht auf einem anderen Blatt.

Zusammengefasst sage ich nach wie vor: Ich habe viel und noch mehr gelernt, allerdings habe ich dafür teuer Lehrgeld bezahlt. In jeglicher Hinsicht.

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