Familienwahnsinn – Wahnsinnsfamilie.

Zwischendurch frage ich mich immer mal wieder, in welchem Zustand geistiger Umnachtung ich eigentlich befunden habe. Vor sieben Jahren, als mir irgendwann mal der Gedanke kam, es könne vielleicht doch ganz schön sein, Kinder zu haben.

Seit Sohni sich hier so extrem als kleiner Möchtegern-Diktator aufzuspielen versucht, noch mehr als es ohnehin schon der Fall war, passiert es vermehrt.

Töchterchen ist, für sich betrachtet, eigentlich ein recht pflegeleichtes Kind. Klar, sie hat auch so ihre Macken, sie ist bisweilen eine ziemliche „Tussi“, extrem zickig, versucht ständig ihren Bruder in die Pfanne zu hauen und außerdem ist sie enorm wählerisch beim Essen, aber es hält sich alles in einem [meist] erträglichen Rahmen.

In Kombination mit ihrem Bruder allerdings läuft auch das Töchterchen zur Höchstform auf. Die beiden sind ein wahres dream team wenn es darum geht, Chaos und Verwüstung zu verbreiten.

Der Sohnemann für sich ist eigentlich auch ganz gut auszuhalten, wobei er extrem zappelig ist und eigentlich permanent am fragen, hinterfragen und nachfragen. Er ist die Unruhe in Person und steckt alles um sich herum damit an. Außerdem ist er fürchterlich vergesslich und eigentlich permanent unkonzentriert.

Derzeit ists ohnehin recht aufreibend hier, ich arbeite neuerdings wieder, es steht ein wichtiger Zahnarzttermin mit Vollnarkose beim Großen an, die Woche drauf ist unser Termin im Kinderzentrum sowie Léons Schulanmeldung.

Heute war so ein Tag, vormittags gings zum Blutabnehmen wegen Sohnemanns Gerinnungswerten, eben wegen diesem Zahnarzttermin kommende Woche. Er war zwar tierisch aufgeregt aber dennoch ganz tapfer, hat nicht geweint, nur ein bisschen vor sich hin gewimmert, aber er ließ sich leicht von mir beruhigen. Danach gabs ein paar Hot Wheels für ihn, quasi als Belohnung weil er so tapfer war.

Ansonsten habe ich den Eindruck dass Montags gerade der Wurm drin ist. Die Kinder waren übel aufgedreht und partout nicht dazu zu bewegen, auch nur eine einzige Regel hier einzuhalten.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich es durchaus nachvollziehen kann, wenn es Eltern irgendwann einfach mal reicht, dieses ständige wieder-und-immer-wieder-Herunterbeten-von-immer-den-selben-Regeln. Diese Endlosschleife zermürbt. Da ist man tatsächlich das eine oder andere Mal versucht, einfach mal auszuholen. Doch ich halte nach wie vor absolut nichts davon, Kinder „körperlich zu züchtigen“, und nein, Liebesentzug oder dergleichen praktiziere ich auch nicht. Jedoch bin auch ich nur ein Mensch, ich werde hin und wieder wütend, und ich erlaube ich mir, Fehler zu machen. Und ja, ich entschuldige mich bei meinen Kindern, wenn ich mich daneben benommen habe.

Jedenfalls ist dann meist eine Kleinigkeit der Auslöser, das Kind muss nicht mal mordsmäßig was angestellt haben, ein kleiner Tropfen reicht ja auch, um das sprichwörtliche Fass überlaufen zu lassen.

So auch heute. Lieblingsmensch hat Spätschicht, Omatage waren die letzten Wochen eine einzige Katastrophe und wurden daher bis auf weiteres erstmal eingestellt, und entsprechend waren wir nur zu dritt beim Abendessen. Sohn, Tochter, Mama. Der Große hat nur seinen Becher umgeworfen, normalerweise ist mir das wurscht, aber irgendwie war grad wohl doch noch was am Brodeln, und schon bin ich ausgerastet und hab den Dreikäsehoch zusammengefaltet.

Bevor jetzt irgendwelche Ratschläge kommen: Ich weiß ziemlich genau, woran es liegt dass mich der Große so extrem auf die Palme bringt, und ich weiß auch dass das erst mal so bleiben wird. Es sind mehrere Faktoren die dazu führ[t]en dass es ist wie es ist, und daran lässt sich auf die Schnelle nichts ändern. Aber wir arbeiten daran.

Der Große ergriff die Flucht und ich saß erst mal heulend in der Küche, wie ein Häuflein Elend. Die Kleine saß auch erst mal nur da, aß ihren Teller leer und kam  dann zu mir rüber, um mich zu trösten.

Das war der Moment, in dem ich erst recht anfing zu heulen, aber nicht aus Trauer oder Wut sondern mehr weil mich diese Geste von ihr irrsinnig berührt hat. Sie brachte mir ein Taschentuch, und räumte noch die Spielsachen aus der Badewanne. Sie legte sogar ein Tuch in den Eimer, bevor sie das Spielzeug hineinräumte.

Mein erster Gedanke ist in solchen Situationen immer: Scheiße, das ist doch nicht richtig. Eigentlich soll es umgekehrt sein. Doch dann erinnere ich mich daran, dass es in den allermeisten Fällen tatsächlich umgekehrt ist, und dass ich für sie da bin, wenn sie Trost braucht. Und dann ließ ich es zu, weil ich sie einfach nicht zurückweisen wollte. Ich habe mehr als einmal den Fehler gemacht, eines meiner Kinder zurück zu weisen beim Versuch, mich zu trösten. Aber es heißt, man soll den Kindern das Gefühl geben, einen sinnvollen Beitrag zum Familienleben beitragen zu können, und ich glaube dies beinhaltet auch hin und wieder mal die Mama in den Arm zu nehmen wenn sie traurig ist.

Auch wenn ich das von mir selbst, von meiner eigenen Kindheit und meiner ganzen Geschichte, niemals so erlebt habe. Trost oder Geborgenheit oder sowas in der Art. Zumindest nicht bewusst wahrgenommen. Ich finde, es gibt genügend andere Dinge, die sich wie ein roter Faden durch meine Familiengeschichte ziehen; wir müssen wirklich nicht alle Fehler wiederholen, die unsere Eltern schon gemacht haben.

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