Ein fleissiges Bienchen ich bin.

Eigenlob stinkt, sagt man.

Ich versuche, Dinge die „man“ so sagt, möglichst nicht an mich ranzulassen. Doch mein innerer Schweinehund ist nicht so sehr die Faulheit, klar beherrsche ich in manchen Dingen die Prokastination ebenfalls, das sind meist Dinge die mit Papierkram in fast egal welcher Form zu tun haben. Ich hasse Papierkram.

Mein Schweinehund ist der Perfektionismus und ein Stück weit auch der Leistungsdruck. Wenn etwas nicht absolut [in meinen Augen] stimmig ist, bin ich nicht damit zufrieden. Wenn ich nicht genug geleistet hab, bin ich nicht zufrieden. Und wenn ich eine Situation nicht bestmöglich gemeistert habe, sondern mir im Nachhinein einfällt wie ich besser oder sozialverträglicher hätte reagieren können dann – ihr erratet es bestimmt – bin ich nicht zufrieden.

Nun bin ich diesbezüglich ja schon [für meine Verhältnisse] echt nachsichtig mit mir geworden. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass ich [jawohl, auch ich!] ein Mensch bin und somit Fehler machen darf. Ich ärgere mich auch nicht mehr annähernd so häufig und auch nicht mehr so intensiv über mich selbst, wie es vor wenigen Jahren noch der Fall war. Heute habe ich eine Vorstellung davon, welche Bedeutung das Wort „Gelassenheit“ hat.

Doch immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich immer wieder spätabends noch in der Küche stehe und den liegen gebliebenen Abwasch erledige. Oder dass mir vormittags einfach nicht für alles was zu tun „wäre“ die Zeit reicht, weil ich mittlerweile an einem Punkt angelangt bin, wo ich mir selbst Pausen zugestehe. Ich tue das aus reinem Eigennutz, weil ich genau weiß, wenn ich es nicht tue, bin ich innerhalb kürzester Zeit vollkommen angenervt und hab auf überhaupt nix mehr Bock. Dennoch habe ich immer noch oft genug ein schlechtes Gewissen, wenn ich eine Pause mache.

Ich merke, wie es bergauf geht mit mir, nicht nur kräftemäßig, auch meine Kreativität und meine Motivation ist wieder da, ich bin nicht mehr so chronisch frustriert. Doch ich fürchte, ich muss höllisch aufpassen, dass ich nicht wieder in dieses Hamsterrad hineingerate, aus welchem ich mich vor knapp drei Jahren mit nur sehr viel Mühe habe befreien können.

Die Erinnerung an die Zeit während des Burn Out verblasst langsam, und es kommt mir mittlerweile ein bisschen so vor, als wäre es ein Traum gewesen. Doch ich weiß wie real diese Monate waren, während derer ich – ohne Übertreibung – körperlich wie seelisch komplett am Boden war.

Daher bin ich sehr stolz, dass ich heute auf meine To-Do-Liste sah und tatsächlich 90 % der Punkte als „erledigt“ abhaken konnte.

Natürlich kommt immer wieder etwas hinzu, und gerade als Mama ist das nicht gerade wenig. Die ganzen Frühförderungskurse, Arztbesuche, der Papierkram, bald ein neuer Job, [vom Haushalt fange ich mal lieber nicht an] das braucht Zeit und somit einen Teil meiner Kapazität.

Aber zum Glück bin ich immer noch auf dem Wege der Besserung, obwohl ich natürlich weiß dass irgendwann ein Punkt erreicht sein wird, an dem es nicht weiter aufwärts geht.

Aber für den jetzigen Zeitpunkt bin ich mal zufrieden, weil ich vor drei Jahren noch nicht geglaubt hab, dass ich mich überhaupt mal wieder für irgend etwas würde begeistern können.

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