Patchworkfamilien.

Eine Familie ist ja an sich schon ein recht komplexes Konstrukt. Unterschiedliche Menschen aus den verschiedensten Altersgruppen leben miteinander unter einem Dach, es treffen unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse aufeinander, und irgendwie möchte man friedlich miteinander auskommen und dennoch möchte jeder seine essentiellen Bedürfnisse befriedigt sehen.

Eine Patchworkfamilie ist noch eine Ecke komplizierter. Weil meist die Kinder mit einem nicht-leiblichen „Elternteil“ klarkommen [müssen/wollen] und als ob das nicht schon schwierig genug wäre, gibt es da noch ein leibliches Elternteil, welches zwar nicht immer „persönlich“ in der Nähe ist, aber dennoch, mehr oder weniger, immer präsent. Schon allein durch die Anwesenheit der Kinder.

Wenn es dann noch aus egal welchen Gründen zu Spannungen kommt zwischen dem „Stief-„Elternteil und einem leiblichen Elternteil, egal welchem, ist die Katastrophe eigentlich fast schon vorprogrammiert, mindestens jedoch muss jeder Erwachsene einen Eiertanz vollführen und seine sozialen Kompetenzen voll ausnutzen, weil es andernfalls sehr leicht zu einer Eskalation kommen kann.

Ich persönlich dachte, dass es irgendwann einmal einfacher wird. Aber genau genommen ist eigentlich das Gegenteil der Fall. Jeder Mensch hat ja so sein eigenes höchst persönliches „Frust-Maß“, ähnlich einem Behälter, der zwangsweise irgendwann einmal voll wird, je länger man mit einer bestimmten Person zu tun hat.

Anfangs ist es immer einfacher, ein halbwegs  vernünftiges Verhältnis zu einem Menschen zu haben, mit dem man quasi „zwangsweise“ immer wieder in Kontakt tritt, zB weil man irgendwie über die Kinder miteinander „verbandelt“ ist. Je länger sich dieser Kontakt hinzieht, desto häufiger wird es zu Frustrationserlebnissen kommen, und langsam aber sicher wird das Frustmaß voll werden. Dann wird es erst richtig schwierig, weil man soll bekanntlich keineswegs den eigenen Frust, egal wodurch verursacht, an den Kindern auslassen. Schließlich können SIE nichts dafür.

Mittlerweile glaube ich, dass dies ein Hauptproblem in Patchworkfamilien ist. Das „soziale Elternteil“ muss einen verdammt schmalen Grat finden, sich ein gewisses Maß in die Erziehung und Verantwortung für die Kinder einzubringen, ohne dabei seine Kompetenzen zu überschreiten. Natürlich spielt hier das Alter der Kinder eine große Rolle, und die Dauer der Beziehung bzw. die Intensität der Bindung zu diesem, dem sozialen Elternteil.

Ich habe das Gefühl, dass dies ganz schön verzwickt sein dürfte, und irgendwie bin ich ganz froh, dass nicht ich es bin, der dieser Part zufällt.

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