Die Sache mit den anderen.

Derzeit sehe ich mich gezwungen, mich mit einigen meiner Marotten intensiver als sonst auseinanderzusetzen.

Mein Verhältnis zu anderen Menschen ist grundsätzlich zwiegespalten. Ich hab ziemlich lang gebraucht, bis ich es so benennen konnte.

Eigentlich hab ich nichts gegen Gesellschaft. Eigentlich.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Menschen einander berühren, sobald sie miteinander in egal welcher Form in Kontakt treten. Absichtlich in Form eines gutgemeinten Schulterklopfers oder einer Umarmung, oder zwangsweise indem man schlicht nebeneinandersitzt. Oder die unbeabsichtigen Berührungen, ein Vorbeistreifen im Einkaufszentrum oder eine ungeschickte Bewegung, während der andere einfach im Weg ist.

Im Grunde genommen würde ich die Gesellschaft anderer Menschen viel mehr genießen können, wäre es nicht immer mit der Gefahr verbunden, dass einer dieser Menschen mich eventuell berühren [wollen] würde.

An das obligatorische Händeschütteln zur Begrüßung hab ich mich mittlerweile gewöhnt. Aber alles, was darüber hinausgeht, ist mir tatsächlich hochgradig unangenehm. Es ist jetzt nicht so dass ich mir denke „hey, ich will nicht angefasst werden“ sondern ich merke es einfach immer wieder aufs Neue, dass ich es  nicht ertragen kann. Mich packt dann immer so ein Fluchtinstinkt, und ich bin vor nicht allzu langer Zeit auch schon mal aufgestanden und hab mich woanders hingesetzt, wenn mir jemand in einem Warteraum zu nah auf die Pelle gerückt ist.

Es gibt ganz wenige Menschen, bei denen es für mich [zumindest in den meisten Situationen] überhaupt kein Problem ist, wenn sie mich berühren oder mit mir Kuscheln. Einer davon ist Chris und die anderen beiden sind meine Kinder. Dann gibt es noch einige wenige, deren Gesellschaft für mich kein Problem ist, weil a) die Bescheid wissen, dass ich das echt nicht leiden kann, und b) dass sie es nicht persönlich nehmen.

Wenn mir dann jemand erzählt was er/sie so für Freunde hat, was da stellenweise üblich ist an zwischenmenschlichem Körperkontakt, Kuscheln zwischen Mann und [platonischer] Freundin, bei Treffen quasi „in Presspassung“ nebeneinander sitzen, im selben Bett schlafen ohne sexuelle Hintergedanken, all das was für viele scheinbar kein Problem darstellt, ist in meinen Augen absolut schräg.

Am liebsten sitze oder stehe ich etwas abseits vom großen Gedrängel, egal ob im Wartezimmer beim Arzt oder im Einkaufszentrum, wo ich möglichst dann hingehe wenn am wenigsten los ist. Die Wartezeit beim Tae kwon-do ist für mich dann unerträglich, wenn ich nach oben gehen muss, wo die Leute wirklich dicht an dicht gedrängelt sitzen und stehen, um möglichst noch einen Blick auf den Nachwuchs im Trainingsraum erhaschen zu können. Normalerweise sitze ich unten, gerne habe ich eine Couch für mich alleine, und kann mich ganz meiner Lektüre widmen.

Ich frage mich oft, ob ich mit dieser Eigenheit überhaupt gesellschaftsfähig bin. Wenn ich mich zwar gerne mit Menschen unterhalte, allerdings nur unter ganz speziellen Voraussetzungen. Ich kann mir ja schlecht ein Schild um den Hals hängen „bitte nicht anfassen“. Kommt vielleicht ein bisschen blöd.

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