Ich könnte ja jetzt… [wall of text vom 21.3.12]

…grad echt wieder mal ne Runde kotzen.

Statt dessen schreibe ich das hier auf.

Heute war wieder mal die Familienhelferin da. Es gibt so Themen, die tauchen mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder auf. Da wäre zum Beispiel die Fehlbarkeit eines jeden Elternteils. Wieviel man eigentlich falsch machen kann, undsoweiter, undsofort.

Die gute Frau Familienhelferin eröffnete mir, dass sie auf Nachfrage mittlerweile gar nicht mehr erzählen würde, welchem Beruf sie nachginge, sondern kurz und knapp antwortete: „DAS wollen sie doch eigentlich gar nicht wissen.“ Einfach weil Otto-Normal-Elternteil sofort die Schotten dicht mache, aus Angst, sie könne sich „einmischen“ wollen.

Also. Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, dann soll man in der heutigen Zeit auch, oder besonders wenn es um Kinder geht, immer jedoch wenn es um Schwächere geht, Zivilcourage besitzen und auch benutzen, aber was ist denn wirklich, wenn jemand gar keine Hilfe will?

Ich spreche jetzt nicht von jemandem, der in der U-Bahn-Station halbtot geprügelt wird. Wohl logisch, dass der nicht wählerisch sein wird bei der Art der Hilfeleistung/Zivilcourage.

Es geht mir mehr um die alltäglichen Situationen. Immer wieder, nach irgendwelchen schrecklichen Vergehen an Kindern, geht ein großer Aufschrei durch Medien und Bevölkerung, man solle nicht immer wegsehen, man solle hinschauen und notfalls einschreiten.

Hier wären wir wieder beim Thema des „Hilfe-überhaupt-Wollens“. Die meisten Leute, ob das nun Singles, Paare ohne Kinder oder Paare mit Kindern sind, wollen gar nicht dass ihre „Probleme“ sofern sie diese überhaupt als solche erkennen, in irgendeiner Form nach außen dringen. Um Gottes Willen, was sollen denn die Nachbarn denken?

Warum? Weil man Angst vor gesellschaftlicher Ächtung hat.

Nehmen wir mal meine Situation als Beispiel. Meine Nachbarn, zumindest die im selben Haus leben, wissen, dass eine Familienhelferin bei mir einmal die Woche für ein, zwei Stunden zum Quatschen da ist.

Die einen Nachbarn nehmens recht locker. Wir haben das Thema mal kurz angerissen, und kurze Zeit später fragte sie mich, was das genau sei und wie das eigentlich sei, sozialpädagogische Familienhilfe. Ich erzählte ihr, was wir so machen, nämlich nichts anderes als: Reden. Wir behandeln das eine oder andere Problem, und natürlich dreht es sich hauptsächlich um Problematiken um die Kinder bzw. Elternschaft; allerdings auch, welche Konsequenzen dies zB für die „partnerschaftliche“ Seite des Elternpaares mit sich bringt.

Die andere Nachbarsfamilie, welche vor einigen Monaten ausgezogen sind, waren da ganz anders. Die wussten irgendwann, weil ich es ihnen erzählt hatte, dass meine Kinder für 14 Monate in einer Pflegefamilie untergebracht waren; ebenso erwähnte ich natürlich auch, dass dies kein „Kindesentzug wegen Kindeswohlgefährdung“ war sondern dass es wegen verschiedener Gründe auf meine eigene Initiative hin geschah; dennoch schaffte es diese Mutter irgendwie, das letzte, wichtigste Detail entweder zu überhören oder schlicht zu vergessen, und ging mir aus dem Weg. Und machte sich so, aufgrund von Halb- bzw. Nichtwissen ein [natürlich falsches] Bild von mir.

So. Um nochmal aufs Thema Helfen zurück zu kommen. Woran krankt diese unsere schöne, moderne Gesellschaft eigentlich wirklich? Ich lese immer wieder, gerade allein erziehende Elternteile, aber auch kleine junge Familien in denen beide Elternteile vorhanden sind, erfahren nicht die nötige Unterstützung.

Wie auch, wenn sie so tun als wäre „alles in Butter?“ Natürlich habe ich nicht die Erfahrung die meine Familienhelferin hat, doch selbst ich habe schon viele familiäre Situationen gesehen, in denen man sich ohne Hilfe irgendwie „halt so durchwurschtelt“ anstatt sich Hilfe zu suchen.

An dieser Stelle möchte ich noch einen kleinen Schwank erzählen. Einfach weils grad so schön dazu passt.

Ich hatte mal eine Freundin, deren Sohn ist etwa ein halbes Jahr älter als meiner. Sie war Single bzw. allein erziehend, und sie hatte mit gewissen Dingen so ihre Schwierigkeiten. Eines schönen Tages wurde mir zugetragen, dass man ihren damals zwei- oder dreijährigen Sohn in der Fußgängerzone des Stadtbezirks in welchem sie wohnte, aufgelesen habe. Um von ihrer Wohnung zu dieser Fußgängerzone zu gelangen muss man eine vierspurige Hauptverkehrsader überqueren.

Alle im Freundeskreis redeten darüber, doch niemand machte Anstalten, etwas zu unternehmen. Ich selbst war damals noch selbständig und hatte alle Hände voll zu tun, das alles irgendwie gebacken zu kriegen. Sprich: Ich fühlte mich unfähig, die Hilfe selbst in die Hand zu nehmen. Daher beschloss ich nach reiflicher Überlegung, ihre Eltern, die ich flüchtig kannte, zu kontaktieren.

Dieser Kontaktaufnahme zu ihren Eltern ging noch ein ziemlich hässlicher Streit zwischen ihr und mir voraus, in welchem sie mir ankündigte, unsere Freundschaft zu beenden, wenn ich wirklich wahr machen sollte, was ich vor hatte zu tun.

Um ihr quasi meinen „guten“ Willen hinter dieser in ihren Augen äußerst empfindlichen Einmischung zu beweisen, zog ich das Jugendamt gar nicht erst in Erwägung, sondern wies lediglich ihre Eltern darauf hin, dass ihre Tochter Unterstützung bräuchte.

Tatsächlich sprach sie danach sage und schreibe drei Jahre nicht mehr mit mir. Mittlerweile ist das Thema gegessen, wir haben uns ausgesprochen, und wir können wieder normal miteinander umgehen.

Aber sagt mal, kann das wirklich so schwer sein? Es ist ja nicht so, dass ich deshalb die Hilfe in Anspruch nehme, weil ich unfähiger bin als die anderen. Allerdings sehe ich, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen ich besser reagieren könnte, wenn ich nur wüsste, wie ich es anstellte.

Warum? Sagt mir doch einfach, warum das so schwer ist.

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