Gedanken III. [16.4.12]

Vorhin war meine Mom hier. Während des Gesprächs mit ihr ging mir ein Lichtlein auf. Wir hattens, natürlich, von der Transaktionsanalyse, und wie sehr es mir hilft, meine „Zustände“ zu benennen und im Nachhinein zu begreifen, was genau in bestimmten Situationen in mir vorging.

Eine Situation, welche sich auf diese oder ähnliche Weise immer wieder zutrug:

Ich bin zuhause, oder sonstwo, eigentlich ganz egal das kann überall passieren, und bin an und für sich heiterer Laune. Dann, ganz plötzlich, gibt es einen Auslöser, und meine Stimmung kippt.

So. Nun bin ich an und für sich durchaus ein Mensch, der sich artikulieren kann, der auch nachdenken kann bevor er den Mund aufmacht, und der generell des „Gespräch-Führens“ mächtig ist; der Sozialkompetenz besitzt. Zumindest, solange ich mich im Zustand meines „Erwachsenen-Ich“ befinde.

Sprach man mich allerdings früher an, nachdem meine Stimmung gekippt war, konnte ich nichts von alledem mehr. Ich hatte einfach keinen Zugriff auf meine erworbenen „Erwachsenen-Fähigkeiten“. Statt dessen war ich fahrig, nervös und zog mich erst mal zurück. Kam man mir zu nahe, griff ich alles an, was sich in meine Nähe wagte. Ich konnte nicht klar denken, und ich konnte nicht vernünftig handeln, ich fühlte mich als stünde ich mit dem Rücken zur Wand, und mir gegenüber ein übermächtiger Feind.

Sehr lange machte mich das schier wahnsinnig, dass ich plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ein „anderer Mensch“ zu sein schien. Als sei in meinem Kopf ein Schalter umgelegt worden. Und dann, genauso plötzlich [im Normalfall jedoch nachdem ich Dampf abgelassen hatte] konnte es auch wieder vorbei sein.

Jetzt verstehe ich, warum ich in diesem Zustand keinen Zugriff auf meine „sozialen“ Fähigkeiten hatte.

Dazu noch kurz Folgendes: Ein Mensch kann zwar in Sekundenschnelle von einem Ich-Zustand in den nächsten wechseln, jedoch kann er sich niemals in zwei Ich-Zuständen gleichzeitig befinden.

Jetzt wo ich es benennen kann, ist es für mich absolut klar und logisch. Dieser Zustand ist mein „Kindheits-Ich“. Natürlich konnte ich mich in diesem Kindheits-Ich-Zustand nicht artikulieren. Ich konnte es ja damals, als Kind, noch nicht.

Und das Gefährliche daran: Mein Kindheits-Ich kommt durch Enttäuschung zum Vorschein. Nicht erfüllte Erwartungen. Nicht gehaltene Versprechen.

Wir alle wissen, wie schnell es passieren kann, dass ein nahe stehender Mensch ein Versprechen aus egal welchen Gründen nicht halten kann; sich nicht an eine Absprache hält, oder eine an ihn gestellte Erwartung nicht erfüllen kann. Vielleicht weil das manchmal einfach unmöglich ist.

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