Freiwillig. [6.1.2012]

Vorhin erzählte mein Sohnemann mir eine Begebenheit aus dem Kindergarten. Nämlich, dass das Aufräumen „freiwillig“ sei, dass aber nur diejenigen Kinder ein Gummibärchen bekämen, die mithelfen würden.

Ich für meinen Teil finde diese Form von „freiwillig“ irgendwie schräg.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich mich seit einiger Zeit mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg auseinandersetze. Sprich, jeder gibt was er kann und vor allem, was er „gerne“ gibt, und nimmt was er braucht.

Das ist für einen „Laien“ auf diesem Gebiet ein bisschen umständlich zu erklären. Unter anderem jedoch verzichtet die Gewaltfreie Erziehung auf Hilfsmittel wie Belohnung oder Strafe.

Belohnung mag auf den ersten Blick ein sinnvolles Hilfsmittel sein, um Kinder dazu zu bringen, gut zu „funktioneren“; jedoch bewirkt es nur eines: nämlich dass Kinder nicht lernen, etwas aus freien Stücken „gerne“ zu tun, sondern es zu tun um die Belohnung abzugreifen. Sprich, man dressiert die Kinder auch heute noch zum: Funktionieren.

Ich machte anfangs auch den „Fehler“, zu versuchen, meine Kinder zu etwas zu bewegen, was sie offensichtlich nicht freiwillig zu tun bereit waren. Es ging um das Aufräumen des Kinderzimmers. Es steigerte sich jedes Mal ein klein wenig mehr, bis sie irgendwann nur noch bockten. Da half auch das Belohnungssystem nicht.

Nach einiger Zeit ging ich dazu über, zu den Kids zu sagen, „ich geh jetzt rüber, Zimmer aufräumen, wer helfen möchte, möge bitte jetzt mitkommen.“ Anfangs wurde ich ignoriert, nach einiger Zeit kamen sie nach getaner Arbeit ins Kinderzimmer und mokierten sich, wie ich dazu käme, ohne sie das Zimmer aufzuräumen. Seit einer ganzen Weile kommen sie jedes Mal freiwillig mit und helfen mir beim Aufräumen, und zwar ohne dafür eine Belohnung zu erwarten.

Möglicherweise hat es damit zu tun, dass sie hier nichts de facto „müssen“, außer natürlich was man als Mensch so tun muss. Essen, schlafen, diverse Hygieneangelegenheiten, aber ansonsten dürfen sie helfen, wenn sie möchten. Und wenn nicht, dann nicht.

Das geht mittlerweile so weit, dass ich die beiden stellenweise einbremsen muss, weil sie einfach überall mithelfen wollen, sprich Kochen, Backen, Wäsche, Saugen, Fegen, Geschirr spülen undsoweiter. Natürlich ist die Hilfe von Kindern im Alter von drei und fünf Jahren noch unvollkommen, es ist hier mal was schief, dort geht mal was zu Bruch, dennoch gilt es die Hilfe der Kinder als das zu sehen undanzunehmen was es ist, nämlich eine Hilfe, die das Kind gerne gibt, weil es aus freien Stücken seinen Teil zum Haushalt beitragen möchte.

Es ist natürlich anstrengend, weil man immer doppelt aufpassen muss, natürlich ist ein Kind sich noch nicht aller Gefahren zB in der Küche bewusst. Doch ich habe den Eindruck, wenn die Kinder beispielsweise beim Kochen helfen durften, schmeckt ihnen das Essen irgendwie gleich noch viel besser. Ich glaube, dass es ihnen das Gefühl gibt, einen wertvollen Beitrag zum Miteinander leisten zu können.

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