Ein paar Gedanken zum Thema Kinder

Neulich unterhielt ich mich wieder einmal mit meiner Familienhelferin.

Sie ist schon etwas älter, jedoch keinesfalls „von gestern“ und ich bestaune immer wieder ihre Erfahrung im Umgang mit dem komplexen Thema „Familie“.

Sie meinte, dass die Elternschaft immer viel aus der eigenen Kindheit zutage fördert.

Ich für meinen Teil unterschreibe das sofort. Wenn ich daran denke, wie sehr Léon mich an mich selbst als Kind erinnert. Natürlich ist er nicht genauso wie ich damals war, er ist eine eigenständige Persönlichkeit und das ist auch gut so. Doch es gibt genügend Parallelen, dass es mich tagtäglich daran erinnert, wie es bei mir so war, damals.

Gut dass vieles bei ihm anders ist als es bei mir der Fall war. Bekanntlich sind Mädchen von Natur aus ohnehin eher „angepasst“ als Jungs.

Doch jetzt gerade, wo das Thema Schule bei uns aktuell ist, erinnere ich mich häufiger als mir lieb ist, an meine eigene Schulzeit. Ich glaube, dass mich genau dieses ständige Erinnern so sehr daran hindert, klar zu sehen.

Natürlich weiß ich, dass er nicht ich ist, und dass er seinen eigenen Weg gehen muss und wird. Doch wieder einmal stehe ich mir selbst im Weg.

Zwangsläufig macht man sich als Mutter Gedanken über die Zukunft des Kindes. Mehr oder weniger. Man möchte, dass der eigene Nachwuchs später stark genug ist, die Hürden des Lebens zu meistern. Man versucht, dem Kind das Bestmögliche mit auf seinen Weg zu geben. Man wünscht sich, das Kind möge später genug Eigensinn besitzen, sich vor Fremdbestimmung zu schützen; allerdings sollte es idealerweise genügend Sozialkompetenz besitzen, um einen Freundeskreis um sich herum aufzubauen, einen Partner/eine Partnerin zu finden und selbst eine Familie zu gründen.

So viele Erwartungen…

Wenn ich ehrlich sein soll, ärgere ich mich derzeit ein kleines Bisschen über meinen eigenen Sturkopf.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie scheiße es ist, als „gehorsamer Zombie“ seine Kindheit verbracht zu haben. Die Konsequenz für mich: Ich kämpfe seit Jahren damit, herauszufinden, was ich eigentlich will. Was sind meine Bedürfnisse, was ist für mich okay, und was nicht. Wer bin ich, wie bin ich? Viele Jahre spürte ich „mich“ nur im Zorn. Während meiner Selbständigkeit waren meine Wutausbrüche gefürchtet, nicht nur einmal habe ich einen lieben Menschen auf diese Weise vergrault. Davor war ich immerhin für mein Temperament und meine Boshaftigkeit berüchtigt.

So. Da ich meinen Kindern eine solche Zombie-Kindheit ersparen wollte dachte ich mir, dass es sicherlich einen anderen Weg gibt, das Leben mit Kindern für alle Seiten erträglich zu gestalten. Jedenfalls beschloss ich, dass ich die Erziehung, wenn man es denn so nennen möchte, nach den Grundsätzen von Marshall B. Rosenberg gestalten werde. Dies bedeutet: möglichst keine Strafen, keine Belohnungen, sprich keine „Psychotricks“ um die Kinder zum Funktionieren zu bewegen. Allerdings unterscheidet es sich auch deutlich von der berüchtigten „antiautoritären“ oder „laissez-faire“ Erziehung.

Warum ich mich ärgere? Dies macht sich derzeit bemerkbar. Sohnemann ist, genau wie ich es wollte, alles andere als angepasst. Er ist frech [zwar nicht sehr, aber ein bisschen], vorlaut, widerspenstig und – vor allem – laut. Ein richtiger Rüpel.

Er liefert sich momentan ständig Machtkämpfe. Mit jedem von uns. Ständig lotet er Grenzen aus, und wirklich bei absolut JEDER sich bietenden Gelegenheit.

Ich für meinen Teil habe gerade die Grenzen wieder etwas klarer gezogen, da es scheinbar in letzter Zeit diesbezüglich zu Missverständnissen zwischen ihm und mir kam.

Klingt vielleicht nach „mimimi“ aber es ist sooo anstrengend. JAAA ich weiß, keiner hat behauptet dass es einfach werden würde.

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