Burn Out [Teil 2, 5.3.2011]

Doch obwohl ich mir über Monate hinweg extrem viel Ruhe gönnte und massiv an meiner inneren Einstellung arbeitete, bin ich noch lange nicht wieder hergestellt. Wenn ich einen direkten Vergleich anstelle bin ich heute, verglichen mit damals, rein körperlich nur noch ein Schatten meiner Selbst. Ich weiß auch nicht ob ich jemals vollständig wieder hergestellt sein werde. Aber ich weiß eins: Ich werde alles daran setzen, meine damalige Kondition wieder zu erlangen.

Dennoch hatte die Selbständigkeit nicht nur Schattenseiten. Ich habe viel über die Menschen gelernt, das war enorm wichtig für mich weil ich selbst mich damals durchaus noch als „naiv“ bezeichnet habe. Ich hatte eine absolut grottige Menschenkenntnis und konnte kein Stück einschätzen, ob mein Gegenüber mir gerade die Wahrheit sagte oder mich anlog. Deshalb ging ich dazu über, lange Zeit einfach überhaupt niemandem zu vertrauen. Ich „wünschte“ mir zwar schon, dass man ehrlich zu mir war, doch es überstieg meine Vorstellungskraft Menschen würden nicht lügen, deshalb speicherte ich alles ab was mir zugetragen wurde, nur um es mit künftigen Informationen abzugleichen um eventuelle Widersprüche zu entdecken, um so den vermeintlichen Lügner zu entlarven.

Mit dem was ich heute weiß kann ich aus voller Überzeugung sagen: ich habe damals richtig entschieden. Denn ich durfte während dieser Zeit eine weitere, für mich selbst enorm wichtige Erfahrung machen: Ich stieß erstmals an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit. Was mich natürlich nicht daran hinderte, diese Grenzen bei weitem zu überschreiten. Wieder und immer wieder. Doch an keinem Zeitpunkt zuvor, egal was ich machte, stieß ich an meine eigenen Grenzen. So steigerte ich mich immer ein kleines bisschen mehr, wohl weil ich annahm dies würde endlos so weiter gehen.

Natürlich war die Siebentagewoche nochmal ein Großer Sprung. Jede Woche zwischen 100 und 120 Stunden zu arbeiten, ohne Urlaub und de facto ohne freien Tag, und dann noch „nebenbei“ zwei Kinder bekommen, ohne das Arbeitspensum nennenswert einzuschränken, das muss man erst mal schultern. Natürlich fehlten mir meine Kinder, und natürlich fiel es mir schwer, jeden Tag aus dem Haus zu gehen mit dem Wissen, die Kinder erst spät Abends wieder sehen zu können.

[Fortsetzung folgt]

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