Burn Out. [5.3.2011]

Heutzutage, wenn ich so zurück blicke, dann kann ich kaum glauben dass Michi damals und Michi heute ein und dieselbe Person sind.

Mit den größten Unterschied macht wohl meine körperliche Verfassung aus. Damals, sprich bevor ich mich selbständig machte, hatte ich immer eine überschäumende Energie, und eine unglaubliche Fähigkeit, mich selbst zu motivieren.

Wann hat sich das eigentlich geändert? Ich glaube, es kam schleichend. Während der dreieinhalb Jahre des Selbständig-Seins, während derer ich nicht nur mich selbst, sondern immer wieder auch die Menschen um mich herum zu aberwitzigen Leistungen motivieren „musste“. Ich schreibe es deshalb in Anführungsstrichen, weil ich es ja genau genommen nicht musste, immerhin hätte ich theoretisch jederzeit aufhören können. Schlüssel rumdrehen und juck. Nach mir die Sintflut. Was ich letztlich auch tat.

Doch alles der Reihe nach. Theoretisch zwang mich niemand. Praktisch jedoch sah ich mich gezwungen, genau dies zu tun, tagein, tagaus. Weil ich es irgendjemandem beweisen musste. Glaube ich zumindest. Nur wem? Mir selbst? Wohl kaum. Natürlich war es ein Stück weit tatsächlich mein Traum, mich „irgendwann mal“ selbständig zu machen, doch nicht so früh, und erst recht nicht unter diesen Umständen. Hochschwanger und keine andere Möglichkeit sehend, den Lebensunterhalt meiner Familie finanziert zu bekommen. Noch dazu nicht mit einer Konditorei, wie ich es ursprünglich vorhatte, sondern mit einem Schnellrestaurant. Vom Startkapital mal ganz zu schweigen. So kamen die Dinge also ein klein wenig anders, als ich mir das während meiner Ausbildung und auch danach noch ausgemalt hatte.

Wem wollte ich es also beweisen? Meinen Eltern? Möglich. Meinem Vater auf jeden Fall. Ich wollte ihm beweisen, dass ich „erwachsen geworden“ bin, dass ich auf eigenen Füßen stehen konnte und dass er sich um mich keine Sorgen zu  machen brauchte. Ich wollte niemandem auf der Tasche liegen, und ich wollte mich nicht von jemandem „abhängig“ machen, obwohl ich letztlich ebendies zwangsläufig doch tat. Ich machte mich abhängig von Menschen, ein paar wenigen die meist zuverlässig an meiner Seite standen, und von einigen… nunja… weniger verlässlichen Zeitgenossen. So wurde ich doch wieder – so glaube ich zumindest – das Sorgenkind meines Vaters.

Heute ist es etwa elf Monate her, seit wir den Laden aufgaben. Wir alle hatten keinen Bock mehr, wir waren müde und ausgelaugt. Und ich… ich hatte keinen blassen Schimmer dass sich diese Höllen-Plackerei auch noch ein Jahr nach „Ladenschluss“ auf meine körperliche Verfassung auswirken würde.

Immerhin habe ich heute immer wieder Phasen, in denen ich mich körperlich stark genug fühle, den Anforderungen des täglichen Lebens stand zu halten. Dann fühle ich wieder die „Leichtigkeit“, mit der mir damals alles von der Hand ging. Doch ich glaube, mein Gehirn erinnert sich immer dann wieder an die vielen, vielen Stresshormone, denen es über Monate hinweg ununterbrochen ausgesetzt war, und macht mir einen Strich durch meine To-Do-Liste.

Dann ist es für mich erst recht bitter, dass ich dieses Leistungspensum einfach nicht mehr bringen kann, so sehr ich es auch möchte. Denn je mehr ich mich dagegen wehre, mir genau an solchen Tagen wieder mehr Ruhepausen zu gönnen, desto mehr setze ich mich wieder unter Druck und desto weniger Kraft habe ich letztlich zur Verfügung, um den Alltag zu bewältigen. Eine Spirale, die letztlich nur in eine Richtung führt: nach unten.

[Fortsetzung folgt]

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