N#MMER – Das Magazin für Autisten, AD[H]Sler und Astronauten

N#MMER ist ein Magazin für Autisten und AD(H)Sler. Ohne Selbstmitleid, ohne Hokuspokus. Aber mit Themen von uns, für uns, über uns.

Doch N#MMER will mehr. Nämlich aktiv Grenzen zwischen Autisten, AD(H)Slern und neurotypischen* Menschen abbauen, indem das Magazin zeigt wie wir die Welt sehen.

*neurotypisch sind Menschen, die keine neurologischen Besonderheiten wie z.B. Autismus und AD(H)S aufweisen – die Astronauten also, die uns in „unserer Welt“ besuchen

Kategorie: Journalismus
Schlagwörter: ASDADSAspergerJournalismusAutismusADHSMagazinLifestyle
Finanzierungszeitraum: 14.05.2014, 10:09 Uhr bis 20.07.2014, 23:59 Uhr
Realisierungszeitraum: 3 Monate
Gegründet von Denise Linke [Journalistin, Autorin und Asperger-Autistin], braucht das N#MMER Magazin eure Hilfe!
Hier könnt ihr spenden, schaut euch auch die offizielle Website an.
Die Gründung einer solchen Zeitschrift ist längst überfällig, der Spendenzeitraum läuft noch etwa drei Monate, auch wenn ihr euch nur mit einem kleinen Beitrag beteiligen könnt, bitte, tut es. Und falls es jemanden interessiert, ja auch ich werde einen Beitrag leisten.

ADHS-Logik

Ein sehr treffender Vergleich, wie ich finde.

erzaehlmirnix

 

Ich weiß, dass viele das anders sehen aber als jemand, der sich beruflich sehr ausführlich mit ADHS und der Behandlung dagegen befasst hat, bin ich absoluter Vertreter der o.g. Meinung. Ein Kind mit ADHS wird nie sein volles Potential ausschöpfen können, weil es sich nicht seiner Intelligenz entsprechend konzentrieren kann. Eine gesunde Skepsis gegenüber Medikamenten rechtfertigt m.E. nicht, eine Erkrankung unbehandelt zu lassen und damit das Kind immer zu zwingen sich mehr anzustrengen um weniger zu erreichen.

Ursprünglichen Post anzeigen

Wenn der Nebel sich lichtet…

Vor etwa sieben Wochen bin ich wieder auf Elontril umgestiegen. Nachdem ich einige Monate zwangsweise ein Ersatzpräparat eingenommen hatte, war mein ganzes Empfinden unerträglich für mich geworden.

Die Veränderung verlief wie beim ersten Mal schleichend, doch obwohl objektiv betrachtet der Zeitraum annähernd derselbe gewesen sein muss: diesmal kam es mir wie eine Ewigkeit vor.

So ziemlich mein ganzes Leben lang dachte ich, mein Empfinden sei normal und es ginge allen anderen genauso. Doch mittlerweile weiß ich, dem ist nicht so.

Müsste ich die beiden Zustände beschreiben, würde ich versuchen, es mit einem Nebelschleier zu vergleichen, der mich umhüllt. Der mein Denken einhüllt. Hinter dem Nebelschleier befindet sich eine Mauer, und ich renne wieder und immer wieder dagegen. Egal welche Richtung ich einschlage und ganz gleich wie oft ich es versuche: ich habe keine Chance. Da ist kein Weg nach draußen. Und jetzt ist es, als hätte sich der Nebel gelichtet und plötzlich kann ich vollkommen klar sehen. Meine ganze Wahrmehmung hat sich verändert. Ich sehe plötzlich nicht mehr nur die Fehler, die meine Mitmenschen machen, sondern ich sehe die Mühe die sie sich geben. Ich sehe wie sie versuchen, es richtig zu machen. Ich kann wieder die Zuneigung spüren, die ich für meinen Lieblingsmenschen hege. Davor war da nur Genervtsein, alles zuviel, „jetzt hat er schon wieder dies/das/jenes gemacht oder nicht gemacht“, ständig musste ich gegen den inneren Druck ankämpfen und damit war ich so sehr beschäftigt, dass einfach für nichts anderes mehr Raum war. Der Zorn war übermächtig.

Mein Lieblingsmensch hat mal zu mir gesagt, ein Gespräch mit mir sei wie ein Lauf durch ein Minenfeld. Man wisse nie, wie ich als nächstes reagieren würde, was mich als nächstes triggern würde. Aber es ist nicht nur für meine Mitmenschen ein Minenfeld. Für mich ist das gesamte „Draußen“ ein einziges riesiges Minenfeld. Und ganz ehrlich? Ich hasse es. Ich hasse mein Hirn; Dieses Chaos da oben, es ist einfach zum Kotzen. Nicht mal annähernd das eigene Potenzial nutzen zu können, das ist wie eine riesige Villa zu besitzen und das ganze Leben lang in einem winzigen Raum eingesperrt zu sein. Nicht zu wissen, dass es da draußen noch mehr gibt. Viel mehr.

Zu begreifen, welchen Unterschied es macht; sich des vollen Umfangs der Veränderung bewusst zu werden und es benennen zu können, das ist so unglaublich erleichternd. Und andererseits, das Wissen, nur mit Hilfe von Medikamenten zu funktionieren, den Alltag bewältigen zu können und mit Menschen konstruktiv interagieren zu können, das frustriert ungemein.

Derzeit fühlt es sich noch fremd an. Dieses andere Ich. Dieser andere Teil von mir, der sich davor zwar immer wieder gezeigt hat, doch der gegen die Reizüberflutung von außen nicht den Hauch einer Chance hatte. À propos Reizüberflutung: Das mit den körperlichen Berührungen ist auch so eine Sache. Vorher kannte ich es nicht anders, als Berührungen nicht oder nur selten aushalten zu können. Dann [mit Elontril] hatte ich genügend Zeit, mich daran zu gewöhnen und später, während ich das [bei mir unwirksame] Ersatzpräparat einnahm, konnte ich Berührungen und körperliche Nähe einerseits nicht ertragen, sehnte mich andererseits trotzdem danach. Wie widersprüchlich kann ein Mensch eigentlich noch sein?

Ich merke es nicht nur an mir selbst, sondern auch an den Kindern. Ganz besonders an meiner Tochter. Den Kinder- und Jugendpsychiater in der Klinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie habe ich neulich darauf angesprochen, woran es liegen könnte dass die Tochter in den letzten Monaten [wieder] so schwierig geworden ist. Er sah gleich den Zusammenhang zwischen dem Ersatzpräparat bzw. meinem eigenen veränderten Zustand und dem meiner Tochter. Er vermutete, dass sie durch meinen „Rückfall“ in alte Verhaltensmuster selbst wieder instabiler geworden sein könnte oder dass sie mein eigenes Verhalten gespiegelt haben könnte. Eigentlich alles Begründungen die durchaus Sinn ergeben, aber begeistert bin ich davon nicht gerade. Denn letztlich erinnert es mich nur wieder einerseits daran, wie sensibel sie auf Veränderungen in ihrem Umfeld reagiert und andererseits dass hier alles davon abhängt, wie stabil ich selbst bin.

Making of: Intercity Express Cake

Hier ebenfalls eines meiner Projekte aus 2016. Es war das Erste des Jahres um genau zu sein. Der Intercity Express, ebenfalls für eine Arbeitskollegin.

Der Zugwagen sowie der erste Waggon bestehen aus jeweils einem kastenförmigen Kuchen, den ich drei Mal durchgeschnitten und mit Ganache [1 x Milchkuvertüre und 1 x Yoghurette] und Konfitüre gefüllt habe.

zug1klein

 

Da ich zuvor noch nie einen Intercity Express gebacken habe musste ich mich natürlich erst einmal an die Form des Zugwagens herantasten. Deshalb lieber erst mal etwas weniger abschneiden als zuviel.

zug2klein

Ahja. Langsam wird die Form erkennbar. Läuft doch gar nicht mal so schlecht.

zug3klein.jpg

Nur noch einstreichen…

zug4klein.jpg

…dann mit weißem Rollfondant eindecken…

zug5klein.jpg

…und anmalen.

zug6klein.jpg

Nochmal dasselbe in grün, oder besser gesagt aus Milchkuvertüre. Die Form war noch einfacher als gedacht. Aufschneiden, füllen, die Kanten rund schnitzen, ebenfalls einstreichen und mit Fondant eindecken.

zug7klein.jpg

Hier sieht man die rundliche Form etwas besser.

zug8klein.jpg

Et voilà 🙂

zug-9klein

zug10klein.jpg

Making of: Camera Cake

Meine Arbeitskollegin wünschte sich für ihren Bruder eine Geburtstagstorte. Eine Kamera sollte es sein, da er sich fürs Fotografieren interessiert. Klingt erst mal nicht besonders schwierig bis zu jenem Moment in dem du dich fragst, wie zum Henker du aus Kuchen ein perfekt zylinderförmiges Objektiv hinbekommst, welches nachher auch stabil ist und notfalls bei Zimmertemperatur die Form behält. Meine Antwort lautete: Erst mal gar nicht. Deshalb beschloss ich, es aus Crispiemasse zu formen und wie den Rest der Kamera mit schwarzem Fondant einzudecken.

Die Grundform war wie schon so oft zuvor die rechteckige mit Vollmilch-Ganache gefüllte Kapsel aus Öl-Sand-Masse. Geht einfach und schnell und ist gelingsicher. Kapsel auf gewünschte Größe zurechtschneiden, die Abschnitte passend ansetzen und durch Schnitzen in Form bringen.

kamera1klein

Für das Objektiv habe ich einen entsprechend geformten Mixbecher genommen, mit Folie ausgekleidet und mit Crispiemasse gefüllt. Dann nur noch erstarren lassen und mit Ganache einstreichen.

kamera2klein

Die Kamera ebenfalls mit Ganache einstreichen.

kamera3klein

Hier nochmal stehend: Die Kamera war tatsächlich überraschend stabil.

kamera4klein

Nun alles mit schwarzem Rollfondant eindecken. Tasten und Knöpfe modellieren, ausschneiden und mit etwas Wasser ankleben.

kamera7klein.jpg

Das Objektiv habe ich mithilfe von meinem Mehlsieb, einem Stück Bindfaden, einem Eierschneider und etwas silberner Lebensmittelfarbe mit Mustern versehen.

kamera5klein

Für die Darstellung der Linse benutzte ich verschieden große runde Ausstecher.

kamera6klein

Ich will ja nicht angeben, aber manch einer hielt sie auf den Fotos zumindest auf den ersten Blick für echt 🙂

Making of: Star Destroyer Venator Class Torte

venator

Mein Sohn wünschte sich zu seinem zehnten Geburtstag eine Star Destroyer Venator Class Torte. Ich sagte zu – okay, rückblickend vielleicht etwas leichtfertig. Zum Glück hatte ich mir in weiser Voraussicht eine Woche Urlaub genommen und konnte aus diesem Grund entsprechend Zeit für die Modellierarbeit erübrigen.
Da dies mein erstes Raumschiff überhaupt war, welches ich sozusagen selbst gebaut habe, musste dieses Werk natürlich dokumentiert werden.

Aus Crispiemasse zuerst eine ca. 2 cm dicke Platte in ausreichender Größe herstellen. Anschließend in der Mitte einen sanft ansteigenden länglichen Hügel aufbauen. Während die Platte vollständig auskühlt eine Schablone mit den Umrissen der Venator Class aus Pappe basteln. Schließlich die Grundform der Venator Class mithilfe der Schablone ausschneiden.

crispie-venator1

Mit Ganache einstreichen.

crispie-venator2.jpg

Und mit hellgrauem Fondant eindecken.

crispie-venator3-2.jpg

Hier fängt das Gefriemel an. Je nach gewünschtem Detailgrad die Aufbauten aus Fondant modellieren und ansetzen.

crispie-venator3-1

Um den Brückenaufbau zu stabilisieren eignen sich Zahnstocher oder Schaschlikspieße.

crispie-venator3-3klein

Noch mehr Modellieren und schließlich anmalen.

crispie-venator4klein.jpg

Zugegeben: Es ist wirklich unfassbar viel Zeit draufgegangen. Habe ich eigentlich mal erwähnt dass ich zu Perfektionismus neige?

crispie-venator6klein.jpg

Fehlt nur noch die Torte:

Eine runde Torte aus Öl-Sand-Masse, gefüllt mit etwas Erdbeerbuttercreme und selbst gemachter Erdbeer-Rhabarber-Konfitüre, eingestrichen mit Ganache und mit weißem Rollfondant eingedeckt.

torte-weissklein

Da ich nicht gerade das bin, was man als Airbrush-Experte bezeichnen würde und obendrein allein am Samstag knapp zehn Stunden am Venator gesessen bin erklärte sich mein Lieblingsmensch bereit, die Torte zu colorieren. Eine brillante Idee wie sich herausstellte, denn das hätte ich SO sicher nicht hinbekommen.

torte-buntklein

Und hier das Endergebnis:

fertige-torteklein

Der Sohnemann schaute natürlich immer mal wieder bei mir in der Küche vorbei und jedes Mal, wenn er den Fortschritt sah, wurden seine Augen und seine Begeisterung größer.

Und, ja: Meine ebenfalls. Wenn man bedenkt, dass ich erst das dritte Mal überhaupt wirklich mit Crispie-Masse gearbeitet habe und auch nicht wirklich einen Plan hatte, wie ich würde vorgehen wollen,  dann finde ich das Ergebnis umso beeindruckender.

Zehn.

Kommenden Samstag feiert der Sohnemann seinen zehnten Geburtstag.

Ein guter Anlass wie ich finde, um die wichtigsten Entwicklungen zusammen zu fassen. Nicht zuletzt weil ich mich kurz nach der Geburt meines Sohnes fragte, wie er wohl in zehn Jahren sein würde.

Zehn ist ja schon irgendwie ein besonderer Geburtstag. Die erste Dekade. Deshalb habe ich mir auch diesmal wieder eine Woche Urlaub genommen um ihm einen schönen Geburtstag organisieren zu können.

Das hier soll er als Torte bekommen:
venator
Ein Venator Klasse Sternenzerstörer.
Ich freu mich schon drauf. Der Plan bis jetzt: Torte gefüllt mit Erdbeerbuttercreme, das Raumschiff als Deko möchte ich separat modellieren, den Korpus innen aus Crispiemasse [sonst wirds zu schwer weil ich es ziemlich groß machen möchte], außen Rollfondant und dazwischen eine Schicht Pariser Creme [auch bekannt als Ganache].

So viel erst mal hierzu.
Wir wissen ja nun seit einer ganzen Weile, dass der Sohn eine mittelschwere Ausprägung der ADHS hat. Außerdem besteht Verdacht auf Asperger-Syndrom, welchem noch diesen Monat bei seinem nächsten Termin im Kinderzentrum nachgegangen werden soll.
Das Medikament musste gewechselt werden, da er auf das Ritalin LA 20 mg nicht mehr gut reagierte. Mittlerweile nimmt er Equasym retard 20 mg, es hat den Vorteil dass es zu Beginn nicht so eine hohe Wirkstoffkurve hat wie Ritalin, dafür aber länger und auch gleichmäßiger wirkt. Mir kommt vor, er verträgt es gut und spricht ganz allgemein besser darauf an als zuletzt auf Ritalin.
Er besucht mittlerweile die vierte Klassenstufe einer Erziehungshilfeschule. Entgegen meiner Hoffnungen wird er den Wechsel auf eine Regelschule voraussichtlich erst mal nicht schaffen in nächster Zeit. Was eigentlich nicht weiter schlimm ist, bis auf die Tatsache dass sich auf dieser Schule immer wieder unschöne Zwischenfälle ereignen, die deutlich in Richtung Mobbing gehen; Ereignisse die mich selbst aufs Übelste triggern da ich selbst so ziemlich während meiner gesamten Schulzeit immer wieder Ziel verschiedenster Gemeinheiten und systematischen Mobbings wurde.
Doch zurück zum Thema. Es gibt auch viel Positives zu vermelden: Sohnemann hat in den Sommerferien Inliner fahren gelernt :3 Und darüber hinaus zeigt sich sogar eine gewisse Begabung bei ihm, ich kanns noch gar nicht so richtig fassen.
Außerdem waren wir einige Male im Freibad. Wer ihn kennt weiß: Sohni ist noch kein Freischwimmer und er ist alles andere als eine Schwimmbad-Wasserratte. Und seit diesem unschönen Ereignis während seines Fortgeschrittenen-Schwimmkurses hatte ich mir diesbezüglich auch erst mal keine Hoffnungen mehr gemacht.
Im Freibad ließ ich ihm alle Zeit die er brauchte, um sich mit dem Nichtschwimmerbecken anzufreunden. Ohne Hetze und ohne „du musst“. Er bestimmte sein Tempo selbst.
Das bedeutete, dass er sich die erste halbe, dreiviertel Stunde erst mal nicht weiter als bis zur Treppe hineintraute. Doch ich akzeptierte seine Grenze, wir spielten Wasserball und Stück für Stück wurde er mutiger, bis er schließlich am dritten Tag, den wir im Freibad verbrachten,  gänzlich furchtlos durchs Becken flitzte, sich mal mit uns, mal mit anderen Kindern eine Wasserschlacht [die Kids bekamen von meiner Ma jeweils eine große Super Soaker geschenkt] nach der anderen lieferte und aus dem Wasser auch gar nicht mehr so recht hinauswollte.
Und nun hat er in der Schule jede Woche Schwimmunterricht. Seine Lehrkräfte bekamen von mir vor der ersten Schwimmstunde einen kleinen Brief mit allen nötigen Infos bezüglich Sohnemann und Wasser, und prompt konnten auch sie kleine Erfolge vermelden: Sohnemann hat keine Panik mehr im Schwimmbad, er wird zusehends mutiger und ich glaube, dass er die Angst vorm Wasser verloren hat, daran habe auch ich einen kleinen Teil beigetragen.

Man merkt ihm an dass er stolz auf die Fortschritte ist, die er macht. Dies dürfte eine angenehme Abwechslung zu dem vielen Druck darstellen, den er von anderer Seite immer wieder bekommt.

Wir haben uns irgendwie arrangiert, der Lieblingsmensch und ich. Auch wenn es im Moment, bis die Wirkung meines Medikaments wieder anschlägt,  zumindest von meiner Seite aus ziemlich ruppig zugeht.
Eigentlich sind wir uns in den wenigsten Bereichen einig. Diese Tatsache erzeugt natürlich unendlich viele Reibungspunkte an denen aufgrund meines Dauer-Überreiztheit-Zustandes wieder und wieder dieselben Konflikte entstehen.

Die Tochter ist mittlerweile Drittklässlerin, ihre beste Freundin muss leider die zweite Klasse wiederholen; Doch wir geben uns große Mühe, auch ihr irgendwie gerecht zu werden.
Sie merkt mittlerweile, dass sie nicht einfach „die Kleine“ von den Beiden ist. So einfach ist es nicht. Trotz des Altersunterschieds [immerhin 15 Monate] ist oftmals seine Schwester – so seltsam das klingen mag – die Große. Sie muss es. Weil sie eben – und ich weiß dass auch diese Aussage irgendwie verstörend sein muss – in weiten Teilen vernünftiger, reifer ist als er. Mit ihren acht Jahren hat sie schon begriffen dass ihr Bruder – obwohl er der Ältere ist – in vielen Bereichen der Kindlichere von ihnen ist.

Ich merke wie langsam das Kopfgulasch Überhand nimmt, daher werde ich jetzt erst mal Schluss machen.

Dr. Jekyll & Ms. Hyde

So komme ich mir gerade vor. Klingt übertrieben? Ich weiß nicht. Lest selbst.

Ich nehme seit guten anderthalb Jahren die beiden Medikamente Strattera und Elontril. Das heißt, ich nahm Elontril bis vor ca. drei Monaten ein. Bis zu jenem Tag als bei meiner Krankenkasse entschieden wurde, dass die Kosten für Elontril nicht mehr tragbar seien, es gäbe schließlich ein deutlich günstigeres Ersatzprodukt: Bupropion. Selber Wirkstoff, selbe Dosierung.

Etwas skeptisch nahm ich besagtes Ersatzpräparat in der gewohnten Dosierung ein und spürte wenig später eine Veränderung meines… ich nenne es mal meines psychischen Gleichgewichts. Genauer ausgedrückt: Die Reizfilterschwäche begann wieder zunehmend, auf mein Gemüt zu drücken, mir wurde wieder alles zu laut, zu hell, zu viel.
Also wies ich meinen Lieblingsmenschen darauf hin und bat ihn, ebenfalls ein Auge darauf zu haben, ob sich mein Verhalten wieder ins Negative verändert.

Die Wochen zogen ins Land und der Alltagstrott ließ mich mein Vorhaben vergessen, meinen psychischen Zustand weiterhin genau im Auge zu behalten. Die Sommerferien kamen und gingen und ziemlich genau am letzten Sonntag der Ferien krachte es bei uns so heftig wie schon lange nicht mehr. Genauer gesagt: Seit ich begonnen hatte, Strattera und Elontril einzunehmen.

Mir war zwar aufgefallen, dass Bupropion eine starke Mundtrockenheit als Nebenwirkung mit sich brachte. Doch dass es gegen die Reizfilterschwäche so überhaupt nichts auszurichten vermochte, das hatte ich nicht einmal zu fürchten gewagt.

Beim nächsten Termin bei meinem ADHS-Facharzt wies ich ihn darauf hin, dass Bupropion bei mir überhaupt nicht wirkte. Er schlug vor, die Dosis zu erhöhen und weiter zu beobachten.
Die einzige Wirkung: ein unerträgliches Gefühl der Trockenheit im Mund, aber das war auch schon alles. Also reduzierte ich die Dosis wieder auf die gewohnten 150 mg und nahm es einfach weiter.

Bis zu jener Eskalation am letzten Sonntag der Sommerferien. Wir beide, mein Lieblingsmensch und ich, hatten schon wieder vergessen dass ich von Anfang an gespürt hatte, dass Bupropion bei mir anders wirkte als Elontril.

Nun beschloss ich, erneut meinen Facharzt zu konsultieren und das Ersatzpräparat notfalls abzusetzen. Seine – objektiv durchaus verständliche  – Reaktion auf meine Bitte hin, er möge das Häkchen auf das Rezept machen, bei dem es um das günstigere Ersatzpräparat geht: Er könne dies natürlich tun, doch er habe kein Interesse daran, sich deswegen mit meiner Krankenkasse herumzuschlagen, die deshalb Regressansprüche geltend machen könne [und würde].
Ich beschrieb ihm meine Situation. Erklärte ihm, dass ich so nicht weitermachen könne, dass es nicht nur mich sondern meine ganze Familie belasten würde. Daraufhin schrieb er mir ein anderes Antidepressivum auf, dessen Name mir gerade nicht einfällt.
Und an dieser Stelle würde jetzt genau das anfangen, was ich bei meiner Mutter erlebt habe und wovor ich so große Angst hatte: Diese Odyssee von einem zum nächsten Medikament, bis man mal eines findet, dass die erwünschte Wirkung zeigt. Von den vielen Nebenwirkungen mal ganz zu schweigen.
Ich bin der Ansicht: Never change a winning team. Deshalb werde ich alles daran setzen, Elontril auch in Zukunft gegen die Reizfilterschwäche nehmen zu können. Ich hoffe, ich kann an dieser Stelle bei meiner Krankenkasse etwas erreichen, auch wenn ich mir keine allzu großen Hoffnungen diesbezüglich mache.

Allerdings will ich auf keinen Fall jemals wieder so empfinden, so SEIN wie damals, bevor ich Strattera und Elontril einnahm. Es war die Hölle. Dieser drei-Monate-Trip zurück in die Zeit, als sämtliche Reize ungefiltert auf mein Hirn einprasselten, das war der reinste Horrortrip. Die Kinder verunsichert [die Tochter hatte mehrmals einen Alptraum, der mit mir und meiner veränderten Persönlichkeit zu tun hatte -.-*], mein Lieblingsmensch, dessen Nähe und Berührungen ich plötzlich nicht mehr ertragen konnte. Dieses omnipräsente Gefühl der Überreiztheit, die Menschen, das „Draußen“ als einzige Bedrohung wahrzunehmen, der ich mich nicht entziehen kann, Geräusche zu laut, Sonne zu hell, alles – einfach alles – input overload.
Und dann die Aggression, der innere Druck. Alles war wieder da. Als wäre es nie weg gewesen. Doch da ich ja mittlerweile wusste, wie sich ein Leben „ohne“ anfühlte, empfand ich es als doppelt schlimm. Ich blickte in die Gesichter meiner Kinder, und da waren sie wieder, diese verunsicherten Blicke. War das eben Angst in seinen Augen?
Es fällt mir schwer, mich nicht abgrundtief zu hassen.
Ich kann nicht einmal sagen, ob ich es nicht doch tue.
Wie kann man jemanden wie mich lieben?
Es gab eine Reihe von Suiziden in meiner Familie, deshalb war ich gezwungen mich schon sehr früh mit diesem Thema zu beschäftigen. Und durch die Depression meiner Mutter und meiner eigenen Angst, sie könne sich ebenfalls etwas antun war es leider für viele Jahre ein großes Thema für mich.
Ich habe nie verstanden, wie man so etwas tun kann.
Doch in diesen Momenten wenn mir bewusst wird, wie ich bin und was ich tue… in diesen schwachen Momenten kann ich es ein Stück weit nachvollziehen, dass man sich selbst nur noch als Last für andere Menschen empfindet.
Versteht mich richtig: Ich habe keinerlei Ambitionen, meine Kinder – meine Familie – im Stich zu lassen.
Ich tue alles in meiner Macht Stehende, damit ich mein Leben – mich selbst – in den Griff bekomme, und ich bekomme oft positives Feedback. Ganz offensichtlich mache ich also doch nicht alles falsch. Es ist einfach diese teilweise unerträgliche Schwere, dieses Zuviel an allem, das es für mich so unfassbar anstrengend macht.

Ein Rant. Oder: Wie sieht so ein ADHS-Kind eigentlich aus?

Bzw. woran erkennt man es? Oder woran glauben Außenstehende immer wieder, ein betroffenes oder nicht-betroffenes Kind erkennen zu können? Oder, noch besser, warum glauben immer wieder Menschen, die meine Beiden zu Gesicht bekommen, dass sie auf den ersten Blick oder nach ein paar Stunden Beobachtung beurteilen können, an den Beiden sei doch „alles ganz normal“?

Well…

So ein ADHS-Kind kann sich je nach Schwere der Störung zeitweise durchaus „ganz normal“ verhalten; besonders wenn es rund-um-die-Uhr beschäftigt wird. Wenn Jemand die Zeit, die Energie und auch die Kapazitäten hat, dies auf Dauer zu tun.

Wie es zB immer wieder bei den Grillenings der Fall ist. Irgendjemand findet sich eigentlich immer, irgendein Opfer das es nicht schafft „nein“ zu sagen, und schwups sind zwei Kinder rundum zufrieden.

Ist ja schön und gut. Meine Kinder machen also einen total normalen Eindruck, wenn sie mit sich und der Welt zufrieden sind weil sie jede Menge Abwechslung, Ansprache und Aufmerksamkeit bekommen. Das ist wirklich eine sehr scharfsinnige Beobachtung.

Also wenn jemand zu mir sagt, meine Kinder sähen doch ganz normal aus, oder sie benähmen sich doch ganz normal, dann reagiere ich normalerweise in etwa so, zumindest äußerlich:
6318104828287169752.jpg

Was dagegen in mir vorgeht… Ich weiß dann nie, was ich sagen soll. Soll ich sagen „hey, cool, jetzt wo du´s sagst, ich wusste doch dass die vielen Ärzte und Psychologen allesamt Scharlatane sind“? Ist jetzt so ziemlich die einzige Antwort, die mir dazu noch einfällt. „Dann kann ich ihn ja jetzt in einer Regelschule anmelden, vielleicht kriegt er den Behinderten-Stempel ja wieder los, nech?“

Oder noch besser: Man lernt sich gerade erst kennen und das Erste was man zu hören bekommt ist „hey, ich find ja dass Kinder keine Medikamente nehmen sollten“ und „du weißt schon dass du deinem Sohn harte Drogen gibst, oder?“

Well…

6318110184325159854.jpg

Und was passiert nun wenn – was viel häufiger vorkommmt – dies einmal nicht der Fall ist? Weil – stellt euch vor, ganz besonders die „Du gibst deinen Kindern harte Drogen“ Fraktion, jetzt stellt euch mal vor, Eltern haben auch noch so ein, zwei andere klitzekleine Kleinigkeiten um die sie sich kümmern müssen, OBWOHL oder auch gerade WEIL sie Kinder haben und Kinder halt nunmal mehr brauchen als Luft und gaaaaaanz viel Liebe. Und Aufmerksamkeit. Gaaaaaanz superwichtig, Aufmerksamkeit.
Solche Kleinigkeiten die absolut unwichtig sind, das könnte beispielsweise eine Berufstätigkeit sein [jaja ich weiß, wird völlig überbewertet] oder auch sowas wie eine saubere Wohnung, jeden Tag was Sauberes zum Anziehen [hoppla, jetzt wirds  dekadent hier] UND dann wollen die Bälger ja auch noch hin und wieder was essen und das muss man erst kaufen und schließlich muss man es auch noch zubereiten. Puh, ganz  schön viel was?

Also, was könnte in einem solchen Fall passieren? Wir stellen uns vor, da ist ein Kind das ein Problem mit seiner Frustrationstoleranz hat, und außerdem funktioniert dessen Impulskontrolle auch nicht so gut, naja, eigentlich gar nicht. Das heißt, das Kind ist schnell frustriert und obendrein handelt es BEVOR es nachdenkt. Das Elternteil ist [im Idealfall zumindest] gerade zuhause, das Kind will Irgendwas, Elternteil sagt nein oder hat einfach gerade keine Zeit sich drölfzigmal jeden einzelnen Fortschritt beim aktuellen Legomodell anzusehen. Kind wird also abgewimmelt oder auf später vertröstet und das kann [je nachdem, wie der bisherige Tag des Kindes oder – besser – der KindER so verlaufen ist, bereits der Funke sein der das Fass [hier: das Kind] zum Explodieren bringt. Das Kind explodiert also und fängt an zu bocken und dem Elternteil Vorwürfe zu machen [„Du bist blöd, nie hast du Zeit, immer hast du was anderes zu tun, nie spielst du mit mir“ etc pp] es trampelt lautstark schimpfend zurück ins Zimmer, schlägt die Tür hinter sich zu und fängt an, sich selbst zu schlagen/Gegenstände durchs Zimmer zu werfen/Herumzubrüllen/anderweitig zu toben und herumzulärmen. Früher oder später MUSS das Elternteil reagieren, schlicht um zu  verhindern dass das Kind sich selbst verletzt.
À propos selbst verletzt: Wusstet ihr eigentlich dass ADHS-Kinder sich überdurchschnittlich oft verletzen? Der Grund ist schlicht und ergreifend ihre mangelnde Aufmerksamkeit. Sie laufen vor Autos, stürzen mit Fahrrad/Skateboard/Inlinern weil sie entweder schusselig sind oder sich an unverhältnismäßig waghalsigen Manövern versuchen. Das geht mit der Volljährigkeit bzw. mit Erlangen der Fahrerlaubnis direkt weiter. Sie verunglücken häufiger als neurotypische junge Erwachsene mit dem Auto oder Motorrad. Sie unterliegen einer erhöhten Gefahr, später einmal drogensüchtig zu werden, aber das liegt nicht an den Medikamenten [die ein Großteil von ihnen sowieso nie eingenommen hat, weil oft nichtmal eine Diagnostik durchgeführt wurde. Ihr wisst schon, „das wächst sich aus, der ist halt ein bisschen zappelig“] Es liegt vielmehr am veränderten Hirnstoffwechsel und dem dringenden Bedürfnis nach „dem Kick“. ADHS-Betroffene sind Adrenalinjunkies. Sie sind ständig auf der Jagd nach dem größeren, besseren, intensiveren Erlebnis, und deshalb sind sie so anfällig für gefährliche Situationen, Alkohol und Drogen.

Zurück zu den allseits beliebten Alltagssituationen, das Kind hat gerade Besuch eines anderen befreundeten Kindes [was ohnehin bei diesen Kindern selten genug der Fall ist] und es wird langsam Zeit, die Sachen zu packen weil die Mutter des Kindes ist da, um es abzuholen. Beide Kinder wollen aber noch weiterspielen, also fängt das eine an zu bocken, es sagt „ich geh aber nicht mit, ich bleib jetzt hier, genau hier auf die Treppe setz ich mich hin und da bleib ich dann bis du wieder gehst“ und das andere Kind fängt an zu heulen weil, naja, weil halt.

Wieder andere Situation, du sagst dem Kind etwas, und es kann sich das Gesagte nicht merken. Du sagst es wieder, und wieder vergisst das Kind, was du gesagt hast. Wohlgemerkt, es ist wirklich völlig egal worum es sich handelt, es ist einfach für das Hirn bzw. dessen Belohnungszentrum nicht interessant bzw. nicht vielversprechend genug und wird deshalb ausgeblendet. Irgendwann bist du selbst nur noch genervt von der Vergesslichkeit deines Kindes und wirst pampig, maulst dein Kind an, das Kind wiederum hat keine Ahnung, was es nun schon wieder angestellt hat und fühlt sich [zu Recht oder zu Unrecht darüber lässt sich streiten] ungerecht behandelt.

Alltagssituation drölftriepzehn „Nein Kind, es gibt nichts Süßes vor dem Abendessen“, „Nein Kind, die Hausaufgaben werden jetzt fertig gemacht“ oder auch „nein, du kannst nicht heute auf der Stelle bei deinem Freund übernachten“, „wie kannst du Hunger haben, wir haben doch vor einer Stunde erst gegessen?“ oder wie wäre es mit „Doch, die Zähne werden geputzt, gerade eben beim Spielen warst du auch nicht zu müde“, „Das Zimmer wird aufgeräumt bevor du an Tablet/Handy/Computer/Playstation darfst“, „Hör auf zu zappeln“ oder „warum musst du immer dann anfangen zu sprechen, wenn du dir gerade eine Gabel voll Essen in den Mund gestopft hast?“ und „kannst du bitte die Serviette benutzen anstatt Ärmel/Kragen/Handfläche?“

Und das wirklich jedes-verdammte-Mal.

Wir sind alle nur Menschen. Die Kinder genauso wie wir Eltern. Jeder von uns trägt seine eigene Besonderheit und seine eigenen Dämonen mit sich herum.

Wir geben uns größte Mühe. Wir alle. Und auch auf die Gefahr hin, mich jetzt zu wiederholen: Ich möchte, dass meine Kinder körperlich und psychisch gesund groß werden. Ich weiß, ich kann sie nicht vor der Welt da draußen beschützen. Ich kann nur versuchen, sie so gut es geht darauf vorzubereiten.

Meinem Sohn merkt man also nicht auf den ersten Blick an, dass er ADHS hat? Er kann sich soweit einfügen dass man ihn zumindest zeitweise für ein normales Kind hält? Gut so. Dann sind wir auf dem richtigen Weg. Denn das war – und ist auch heute noch – nicht immer der Fall.

Und was die Tochter angeht: Ein Großteil der ADS-betroffenen Mädchen fliegt unterm Radar. Oder was glaubt ihr, warum offiziell so viel mehr Jungs als Mädchen diagnostiziert [und was noch schlimmer ist: warum nur ein Bruchteil der Mädchen behandelt] werden? Weil Mädchen sehr oft die hypoaktive Variante zeigen. Sie sind eher still und introvertiert und bei Weitem nicht so auffällig wie die meisten ADHS-betroffenen Jungs.
Die Tochter ist zwar oft nachdenklich, aber sie kann auch ein echter Wildfang sein. Und ganz nebenbei bemerkt: Mein ADHS-Facharzt meinte einmal zu mir, das war an einem unserer ersten Termine, er wundere sich warum ich jetzt schon [soll heißen, in so jungen Jahren schon] bei ihm sitze; normalerweise würden sich Frauen erst ab der Menopause bei ihm melden, weil erst ab diesem Zeitpunkt der hormonellen Umstellung bei Frauen die wirklichen Probleme begännen.

Tja, bei mir hats halt etwas früher angefangen. Stress, Burn Out, der Tod meines Vaters, meine eigene innere Aggression, das alles waren Faktoren die meine Situation zur Eskalation brachten. Tja. Dumm gelaufen.

Schuljahr geschafft die Zweite

Wie angekündigt nun die aktuellsten Entwicklungen zum Sohnemann.

Vor einigen Wochen hatte er nämlich noch einen Termin in der Klinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie, übrigens beim selben Arzt wie meine Tochter, als ich mit ihr dort vorstellig wurde.
Auch wenn ich mich damals von jenem Arzt nicht sonderlich ernst genommen fühlte, so nahm ich mir seinen Rat dennoch zu Herzen und versuchte zu ändern, was im Rahmen meiner Möglichkeiten lag. Eine Privatschule gehörte bis dato leider nicht dazu, doch wer weiß, vielleicht kriegen wir das ja auch noch hin.
Immerhin trugen die bisher durchgeführten Veränderungen bereits Früchte und schon allein deshalb bin ich mir sicher, dass wir mit ihr auf einem guten Weg sind. Doch zurück zum Sohnemann.

Zuerst einmal war der Sohnemann beim Gespräch mit besagtem Arzt nicht wirklich zugänglich. Er zappelte unablässig, sah den Arzt kaum einmal an und war nicht fähig, auch nur eine der gestellten Fragen sinnvoll und zusammenhängend zu beantworten. Er war einsilbig und stellenweise fast völlig geistesabwesend.
Der Arzt stellte ihm verschiedene Fragen über Schule, Familie, Wohnsituation, Freunde und Hobbies bzw. Interessen. Ihm wurde schnell klar, dass der Sohn tatsächlich einige größere Baustellen hat, woraufhin er ihn bat, einige Sätze auf einem Blatt Papier zu vervollständigen, und ihn hierfür nach draußen schickte.

Als der Sohn draußen war fragte mich der Arzt, ob eigentlich von einem der bisherigen Ärzte jemals der Verdacht auf Asperger-Syndrom ausgesprochen worden war. Ich verneinte, gab allerdings zu Bedenken dass die Lehrkräfte vom Sohn angeregt hätten, diesem Verdacht nachzugehen, da er doch einige der typischen Anzeichen wie bspw. mangelnde Flexibilität bzw. das Beharren auf fest durchstrukturierte Abläufe, ausgeprägte Spezialinteressen sowie motorische und soziale Eigenheiten aufweist.

Also gab er mir zwei Fragebögen für die Diagnostik meines Sohnes mit, einen werde ich wohl gemeisam mit meinem Partner ausfüllen, den anderen gebe ich entweder dem leiblichen Vater oder Sohnemanns Lehrkräften zum Ausfüllen mit.

So viel zum Thema Kinderzentrum, nun will ich noch kurz auf Sohnemanns schulische Leistungen und seine sonstige Entwicklung eingehen.

Wieder einmal hat er ein sehr gutes Zeugnis mit nach Hause gebracht, und wieder einmal hat er eine Eins in Mathe, in Deutsch eine Zwei und sogar sein Schriftbild sowie sein Verhalten während des Unterrichts haben sich während des vergangenen Schuljahres verbessert. Dennoch ist er von einer Rückschulung noch weit entfernt. Falls er überhaupt jemals so weit sein sollte, eine Regelschule zu besuchen.

Gegen Ende des Schuljahres gab es einen Wechsel beim Taxiunternehmen; Sohnemann hat nun einen anderen Fahrer. Soweit alles im Rahmen des Erträglichen, es gibt allerdings drei andere Jungs, die den Sohnemann regelmäßig triezen und ihn regelrecht mobben. Es fing an mit systematischem Heischen nach Sohnemanns Aufmerksamkeit und ging bis zu Verhohnepiepeln seines bzw. unseres Nachnamens [welcher sich hierfür leider ausgezeichnet eignet -.-*]. Diese Sache mit dem Nachnamen ist für mich unglaublich triggernd, da ich selbst exakt dieselbe Sch***e auch während meiner gesamten Schulzeit mitmachen durfte.

Das Mobbing ging so weit, dass Sohni eines Abends am Esstisch saß und meinte, er wolle nie wieder ins Taxi steigen und ob ich ihn in die Schule fahren und auch wieder von dort abholen könne.  Natürlich hakten wir nach und so erfuhren wir, dass Sohni in der Schule von einem Rädelsführer und zwei Mitläuferm regelmäßig gemobbt wurde, woraufhin ich am folgenden Tag in der Schule stand und die Leiterin für Jugendhilfe um ein Gespräch bat.

Ich erklärte ihr die vom Sohn geschilderten Ereignisse woraufhin sie zusagte, den besagten Jungen sowie dessen Eltern ebenfalls zum Gespräch zu bitten.

Nun sind endlich Ferien und einen Lichtblick gibt es für das kommende Schuljahr: Zumindest der Rädelsführer wechselt die Schule und ich vermute und hoffe, dass sich das Mobbingproblem hiermit für uns erledigt haben dürfte.

Zuhause ist alles mehr oder weniger beim Alten; Sohnemann und Tochter sind wie typische Geschwister [Pack schlägt sich, Pack verträgt sich würde meine Oma jetzt sagen] und auch sonst gibt sich der Sohnemann große Mühe, auch wenn er immer noch deutliche Schwierigkeiten beim grundsätzlichen Einhalten von Regeln hat, und auch so manche Umgangsformen und das Einhalten seiner eigenen Zusagen und Versprechen sind für ihn unglaublich schwer, besonders wenn es um Spiele geht, die seine Schwester mit ihm spielen möchte und die nichts mit Kampf oder Panzern zu tun haben. Schrieb ich vorhin nicht etwas von Spezialinteressen? Genau, das wären sie dann. Panzer und Kämpfe aller Art, er kann stundenlang Gefechte durchführen, natürlich inklusive verschiedener Strategien, er baut sich allerlei Einheiten aus Lego zusammen, hauptsächlich Raumschiffe, Raketenstellungen, Raumjäger und-was-weiß-ich-was-noch-alles.
Hin und wieder spielt das Miniweib mal mit, dann müssen aber unbedingt alle Spielregeln [natürlich vom Sohnemann] festgelegt werden, eine zeitlang geht das gut, aber sie besteht natürlich darauf dass irgendwann auch mal sie entscheiden darf, was wie gespielt wird. Und regelmäßig lässt der Sohn sie hängen. Natürlich gibts dann Zank, das Eine Wort führt zum Nächsten und schon – Eltern von Geschwistern kennen das – haben wir das größte Theater hier.

Der ganz normale Wahnsinn eben.

Schuljahr geschafft!

Der vergangene Mittwoch war für meine Kids der letzte Schultag vor den Sommerferien. Die Tochter bekam am selben Tag ihr Zeugnis, der Sohn hatte seines bereits eine Woche zuvor erhalten.

Beide Zeugnisse sind erwartungsgemäß gut ausgefallen, wobei die Tochter es tatsächlich geschafft hat, noch Eins draufzusetzen. Denn dass sie klug ist und über eine gute Auffassungsgabe verfügt wusste ich bereits, und dass sie gute Zensuren haben würde war abzusehen; doch die Beurteilung ihrer Klassenlehrerin war so ziemlich genau das Gegenteil jener Beurteilung, welche sie noch für das erste Schuljahr erhalten hatte.

Im letzten Blogeintrag ging ich bereits darauf ein, was ich zu ändern vorhatte. Und auch wenn ihr Temperament nach wie vor etwas hitzig und das ganze Mädel an sich ziemlich… nunja, eigenwillig ist, habe ich dennoch den Eindruck, dass sie allgemein ein ganzes Stück ausgeglichener und weniger oft frustriert ist.

Ihre Eins in Deutsch rührt nicht zuletzt von den drei Null-Fehler-Diktaten, welche sie im zweiten Halbjahr abgeliefert hatte; Auch im Wochenplan ist sie ganz vorn mit dabei. Genauer gesagt ist sie die Zweitbeste ihrer Klasse. Und ihre Klassenlehrerin ist in ihrem Zeugnis voller Lob über die zuverlässig guten Leistungen meiner Tochter. Die Zwei in Mathe ist auch nur deshalb eine Zwei geworden, weil sie einen Test naja, nicht wirklich verhauen hat, aber der für ihre Verhältnisse untypisch ausfiel. Das war bevor wir anfingen, täglich das kleine Einmaleins zu üben. Mittlerweile ist sie in Mathe auch wieder fit, einen kleinen Durchhänger darf schließlich Jeder mal haben, und über eine Zwei in Mathe darf man sich nun wirklich nicht beklagen. Auch wenn sie, das merkt man ihr an, schon sehr gern die Klassenbeste wäre.

Darf ich jetzt sagen dass ich stolz auf sie bin? Darf man stolz auf etwas sein, das nicht man selbst, sondern das eigene Kind erreicht hat? Ich weiß nicht… ich finde schon. Zumal ich weiß, dass sie sich trotz ihrer Begabungen in vielen Dingen schwer tut. Ihrer Reizfilterschwäche verdankt sie einerseits ihre Einfühlsamkeit, doch auf der anderen Seite kann sie sich auch im Unterricht kaum konzentrieren, wenn im Klassenzimmer ein anderes Kind mit dem Stuhl schaukelt oder anderweitig ablenkende Geräusche verursacht. Ihre Frustrationstoleranz ist auch so eine Sache, und was gibt es über Freundschaften zu sagen… Ihre beste [und einzige] Freundin gibt es noch, die beiden sind nach wie vor miteinander befreundet; doch das Mädel wird voraussichtlich die zweite Klasse wiederholen müssen.
Ich mag nicht schwarzmalen doch ich fürchte, ihre Freundin wird ihr fehlen. Natürlich können sie sich weiterhin treffen, während der großen Pause auf dem Schulhof und nachmittags können sie nach wie vor etwas miteinander unternehmen; Und natürlich werde ich die Freundschaft auch weiterhin unterstützen wenn es irgendwie in meiner Macht steht. Doch wenn sie frustriert ist [was leider sehr schnell passiert] und dann Niemand da ist, der sie tröstet oder ihr gut zuredet… ich weiß nicht ob sie im kommenden Schuljahr weiterhin so stabil bleibt wenn ihr diese eine Freundin fehlt.

Das Einzige was ich wirklich tun kann ist für sie da sein. Oder es zumindest versuchen. Auch wenn ich selbst im Moment auch alles andere als stabil bin. Meine Krankenkasse bezahlt das vom ADHS-Facharzt verschriebene Medikament nicht mehr, und das Ersatzpräparat wirkt nicht so gut wie das ursprünglich verschriebene Elontril.
Der Arzt schlug vor, es in doppelter Dosis einzunehmen, was allerdings fürchterliche Mundtrockenheit als Nebenwirkung mit sich bringt. Aktuell nehme ich es nach kurzer Versuchsphase wieder in der ursprünglichen Dosis von 150 mg und an besonders stressigen Tagen nehme am Nachmittag eine zweite Dosis, doch ich konnte bezüglich der Dosis noch keine finale Entscheidung treffen.

Also bleibt alles vorerst wie gehabt: Die Stabilität innerhalb meiner Familie steht und fällt mit meiner Eigenen und mein Lieblingsmensch ist so ziemlich die einzige Konstante.

[Irgendwie ist das jetzt doch länger geworden als erwartet. Der Sohnemann bekommt also einen eigenen Blogeintrag. Voraussichtlich innerhalb der nächsten Tage.]